Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Silbersee: Firma Willersinn fürchtet kommende Badesaison

Am Silberseestrand warten die Sonnenschirm-Skelette auf ihre Entsorgung, denn bald kommt ein neuer Pächter.
Am Silberseestrand warten die Sonnenschirm-Skelette auf ihre Entsorgung, denn bald kommt ein neuer Pächter.

Das Unternehmen Gebrüder Willersinn blickt mit Sorge der am 1. Mai beginnenden Badesaison am Silbersee in Bobenheim-Roxheim entgegen. Nachdem Unbekannte einen auf Firmengelände neu errichteten Zaun zerstört haben, fordert die Geschäftsführung Unterstützung von Kreis und Gemeinde. Sie setzt eine Belohnung aus und droht mit dem Einsatz von Wachpersonal.

Es steht zu befürchten, dass die Menschen in diesem Sommer immer noch nicht zu all den Freizeitaktivitäten und Urlaubsorten zurückkehren können, die ihnen vor Ausbruch der Corona-Pandemie offenstanden. Somit werden vermutlich die Badeseen erneut deutlich mehr Zulauf bekommen als früher, und es könnte wieder schwierig werden mit dem Infektionsschutz auf überfüllten Liegewiesen.

Der kommunale Badestrand am Silbersee war 2020 so ein überregional anziehendes Ausflugsziel, das von der Ordnungsbehörde mehrfach wegen zu starken Andrangs gesperrt wurde. In diesem Jahr soll der neue Kioskpächter dafür Sorge tragen, dass die Situation nicht eskaliert. Hauptsächlich über die Parkraumbewirtschaftung soll die Besucherzahl begrenzt werden.

Etwas ganz anderes sind die Uferbereiche, die dem Seeeigentümer, dem Unternehmen Willersinn, gehören. Dorthin haben sich nach Angaben der Firmenleitung im vergangenen Hochsommer viel mehr Unbefugte als sonst verzogen und ihr Unwesen getrieben. Das soll sich nicht wiederholen, doch viele Möglichkeiten hat die Firma nicht.

Enttäuscht von Kreisverwaltung

Im Gespräch mit der RHEINPFALZ auf dem ehemaligen Hofgut Scharrau berichten Gernot Eberhard und Hans-Peter Böhn enttäuscht und verärgert über die ihrer Ansicht nach unzureichende Unterstützung durch den Rhein-Pfalz-Kreis. Dabei geht es ihnen um die Einzäunung des weitläufigen Grundeigentums und um das, was auf der Wasserfläche erlaubt ist.

Die Naturschutzbehörde beim Kreis habe im vergangenen Jahr zunächst keine Notwendigkeit gesehen, dass neue Zaunanlagen nahe dem Wasser genehmigt werden müssen, sagen die beiden Geschäftsführer. Dann habe der Landrat gesagt, es brauche eine Baugenehmigung, und schließlich sei sogar eine wasserrechtliche Genehmigung nötig gewesen. Auf die warte man immer noch. Jedoch: Willersinn hat Zäune und Tore ab dem vergangenen Herbst ohne Erlaubnis errichtet, und der wasserrechtliche Antrag liegt der Kreisverwaltung nach deren Angaben erst seit 8. April vor. Wann über ihn befunden wird, ist noch unklar.

Unbekannte zerstören Zaun

Indes haben zwei Unbekannte am frühen Morgen des 20. März ganz andere Fakten geschaffen, indem sie den Gittermattenzaun am sogenannten Seerosenteich zerstörten. Der zweite Vorfall dieser Art, nur massiver, sagt Böhn. Ein 60-Kilo-Bauteil sei ins Wasser geworfen worden, in der Nähe lauter leere Alkoholflaschen. Gerade dieser östliche Teil des Silberseegebiets in der Nähe von Ochsenlache und B9 wird laut Böhn seit Langem nachts von aggressiven Männergruppen heimgesucht.

Es existieren Fotos, die Überwachungskameras in der Tatnacht aufgenommen haben. Die beiden Personen müssen mit Fahrrädern gekommen sein. „Der Schaden beträgt rund 5000 Euro“, berichtet der Geschäftsführer. „In dieser Höhe setzen wir eine Belohnung aus für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen.“ Auf ähnliche Weise soll auch ein Zaun beim Sportclub zerstört worden sein.

Aber auch auf der dem öffentlichen Badestrand gegenüberliegenden Seeseite gibt es immer wieder Probleme, weil Badegäste schwimmend oder mit Booten und Wassersportgeräten auf die Scharrau und die Betriebsinsel gelangen. Neben Sachbeschädigung sieht Gernot Eberhard das Risiko der Haftung, falls sich Unbefugte auf dem Gelände verletzen. Auch deshalb seien die Zäune und Tore, die bei den Bobenheim-Roxheimern überwiegend auf Ablehnung stoßen, notwendig.

Wassersport ist vorerst weiter erlaubt

Eberhard und Böhn fordern von der Kreisverwaltung, wie bereits im vergangenen Jahr, dass sie für diese Saison die Rechtsverordnung, die den Gemeingebrauch des Silbersees regelt, ändert. Wassersport soll verboten sein, damit niemand mehr zum Firmengelände paddelt.

Das zu tun hat der Kreis nicht vor. Auf Anfrage teilt Kreissprecherin Kornelia Barnewald mit: „Eine Änderung oder Aussetzung des Gemeingebrauchs im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ist nicht vorgesehen.“ Soweit Maßnahmen wie Badeverbot, Abstandsgebot oder die Einschränkung der Sportausübung ergriffen werden müssten, geschehe dies unabhängig von der Gemeingebrauchsregelung und in Abstimmung mit der Gemeinde.

Apropos Gemeinde: Auch die sollte nach Meinung der Willersinn-Chefs etwas tun, nämlich ihren wegen Astbruchs gesperrten Uferweg Richtung Ochsenlache wirklich dicht machen. Denn die derzeitigen Absperrungen können leicht überwunden werden. Bürgermeister Michael Müller (SPD) glaubt nicht, dass ein weiterer hoher Zaun bei den Gemeinderatsmitgliedern Anklang findet. Er verweist auf die jüngsten Vorkehrungen am Strand gegen das Zuwasserlassen von Booten. „Die Slipanlage darf nur noch die Feuerwehr nutzen, und es wurde ein absolutes Halteverbot samt erklärendes Hinweisschild eingerichtet, damit dort niemand mehr sein Boot abladen kann“, sagt Müller.

Gernot Eberhard will es nicht mehr akzeptieren, dass Verbote hinsichtlich des Willersinn-Geländes ignoriert werden. Er kündigt den Einsatz eines privaten Sicherheitsdienstes an, der die Interessen des Unternehmens – auch nachts – durchsetzen werde.

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