Rhein-Pfalz Kreis „Sicher ist es nirgends“
Mutterstadt. Mehrere Giftköder sind vergangene Woche in Mutterstadt und auf den Feldwegen rund um den Ort gefunden worden. Am Sonntag haben sich deshalb einige Hundebesitzer gemeinsam auf die Suche nach weiteren Ködern gemacht – ohne etwas zu finden.
„Anfang der Woche hat es einen Hund aus der Nachbarschaft erwischt, er hat einen Köder mit Rattengift gefressen. Er hat zwar überlebt, braucht aber jetzt noch Infusionen“, erzählt Sarah Weppler. Die 31-jährige Mutterstadterin ist Hundetrainerin. Sie hat die Aktion am Sonntag ins Leben gerufen und mit einer Gruppe von Hundebesitzern zwei Stunden lang die Feldwege am Pfalzring nach präparierten Lebensmitteln abgesucht. „Es wurden im Verlauf der Woche schon ein paar Giftköder gefunden. Manche lagen hier im Feld und andere direkt vor der Haustür von Hundebesitzern“, berichtet Weppler, die ihre neun Mitstreiter über Facebook oder durch persönliche Gespräche gefunden hat. Bei den Ködern, die auch Wildtieren gefährlich werden könnten, handele es sich oft um Würstchen, Hackbällchen oder Brot. Es kämen aber auch alle möglichen anderen Lebensmittel in Frage, erklärt die Trainerin. Was das Gift betreffe, sei das Spektrum ebenfalls groß: „Rattengift erkennt man leicht an der hellblauen Farbe. Es werden aber auch andere Gifte verwendet, bei denen die Hunde sofort anfangen zu krampfen.“ Glasscherben und Rasierklingen seien in den Ködern auch schon gefunden worden. Da die Hunde das Essen häufig direkt hinunterschluckten, verletzten sie sich nicht am Maul, „aber Rasierklingen im Magen oder Darm zerschneiden die Organe von innen“, erklärte die Hundetrainerin. Neugierig erkundigten sich Fußgänger am Sonntag, was es mit der Gruppe auf sich habe, die Müllbeutel und Handschuhe bei sich trug. „Rasierklingen in Essen versteckt? Wie grausam kann man eigentlich sein?“, entrüstete sich eine ältere Dame aus dem Pfalzring, die mit ihrem Mann unterwegs war. Hundehalter im Ort sind mittlerweile verunsichert. Eine hundertprozentig sichere Stelle zum Gassigehen gebe es leider nicht, meinte Weppler. Nicht nur auf Feldwegen, sondern auch im Mutterstadter Wald seien schon Köder gefunden worden – und aus anderen Orten gebe es ähnliche Berichte. Vergangene Woche habe etwa in Dirmstein ein Hund präparierte Lebensmittel geschluckt. Wichtig sei es, die Vierbeiner im Auge zu behalten, sie zu beschäftigen und nicht eigene Weg gehen zu lassen: „Vor allem an Straßen mit Gebüschen an der Seite sollte man ihn eng an der Leine führen. Im Idealfall trainiert man seinen Hund, dass er nicht alles vom Boden aufsammelt oder auf Kommando aufhört, Aufgehobenes zu fressen“, erklärt die 31-Jährige. Sinnvoll ist es auch, jeden Vorfall und gefundenen Köder zur Anzeige zu bringen, wie es vergangene Woche auch schon geschehen ist. Am Sonntag sind keine Giftköder gefunden worden. „Sicher kann man sich deswegen aber nicht fühlen“, meint Weppler. Und es werde wohl weitere Suchaktionen geben.