Harthausen RHEINPFALZ Plus Artikel Seniorennachmittag zwischen Zufriedenheit und Zukunftsangst

Treffen in der Heilsbruckhalle: Besucherinnen und Besucher des Seniorennachmittags der Gemeinde Harthausen.
Treffen in der Heilsbruckhalle: Besucherinnen und Besucher des Seniorennachmittags der Gemeinde Harthausen.

Etwas ist anders in Harthausen. Denn der alljährliche Seniorennachmittag in der Heilsbruckhalle musste nicht nur in einer Sache raus aus seiner Komfortzone und umplanen.

Kaffee, Kuchen, gute Gespräche und Pfälzer Wein – das ist gleichgeblieben beim Seniorennachmittag, diesmal umrahmt von der „Pälzer Batschkabbe Mussig“, die von den Dudenhofenern wärmstens empfohlen wurde, wie Beirat Günter Gleixner anmerkt. Nicht gleich ist dagegen die Jahreszeit – anstatt im Herbst gibt es den beliebten Nachmittag jetzt im Frühling. „Die Vereine baten um Entzerrung der Termine“, erklärt Ortsbürgermeister Harald Löffler (CDU). Im Herbst sei in den Vereinen und damit auch in der Heilsbruckhalle viel los. Ein Vorteil des Frühjahrs: „Es bleibt länger hell. Da müssen die Senioren nicht im Dunkeln durch den Wald.“ Und die Infektionszahlen seien niedriger. Aber: Aus Datenschutzgründen könne die Einladung nur noch im Amtsblatt veröffentlicht werden, nicht mehr per Brief. Trotzdem haben sich am Freitag 52 Senioren angemeldet.

Für die gebe es auch über den Seniorennachmittag hinaus viel im Angebot: Der Kultur- und Heimatverein bietet Veranstaltungen für Jung und Alt, außerdem veranstaltet die Gemeinde einen jährlichen Ausflug. „Das ist ein kleines Event für alle“, meint Löffler. Und es gibt ja noch das „Café Auszeit“ mit regelmäßigen Veranstaltungen. Das wissen Ältere zu schätzen, etwa die vier ältesten Frauen im Ort, Helma Steiger (88), Anneliese Walburg (91), Rita Hoffmann (86) und Lieselotte Hormuth (86). Dass man sich wiedersieht und ins Gespräch kommt, findet Anneliese Walburg „superwichtig“. Brauche man Hilfe, bekomme man sie – „wenn man sich früh genug darum kümmert“. Es gebe den Pfälzerwaldverein, einen Supermarkt und einen Arzt – „in Harthausen lässt es sich gut leben“, meint die 91-Jährige, die hier geboren wurde und im Elternhaus lebt. Zufriedenheit mit dem, was man hat, nennt Walburg als Rezept für gutes Altern.

Ärger beim Thema Straßenverkehr

Das sieht auch Pfarrer Volker Glaser aus Dudenhofen so. Er regt an, eine „Kultur des Denkens und der Dankbarkeit zu entwickeln“ und den Fokus auf das zu legen, „was gut gewesen ist und noch gut ist“, anstatt auf die negativen Seiten des Alters.

Wünsche gibt es trotzdem. Eine Freundin von Walburg hätte gern wieder einen Zahnarzt, eine Apotheke und eine Sparkasse im Ort. Walter Gotterbarm (89) wünscht sich „seit 20 Jahren einen Fahrradweg in der Schwegenheimer Straße – der ist sehr notwendig“. Ein Parkverbot dort hätte er auch gerne, weil ein Engpass Autofahrer dazu veranlasse, über den Bürgersteig zu fahren. Ebenso notwendig sei eine Umgehungsstraße für den Schwerlastverkehr. Er zählt neben Josef Keller (95), Hans Eid (90), Kurt Joa (89) und Dieter Holzhäuser (89) zu den ältesten Männern im Dorf.

Josef Keller sieht auch die negativen Seiten des Älterwerdens. Das Knie mache ihm zu schaffen, „ohne Stock kann ich mich nicht bewegen“. Vor zwölf Jahren habe er seine Frau beerdigt, ebenso wie seine Familie und Schulkameraden. Alleinsein sei schwer. Auch seine Jugend hatte es in sich: „Ich wurde mit 16 Jahren als Soldat gemustert, musste einrücken und landete im Schützengraben. Das waren harte Zeiten.“ Der politisch Interessierte sieht heute Parallelen zu damals: „Jeder Erdkreis hat jetzt Panzer. Es gibt Terroristen in allen Ländern.“ Er sei wegen der vielen Kriege wie etwa in der Ukraine und in Gaza besorgt. „Ich bin besorgt um ein gutes Ende.“

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