Mutterstadt
Seniorenangebot: Hilfe für die digitale Welt im Café Digital
Auf Gabriele Samels iPhone steht ein Update an. Der kleine rote Punkt am „Zahnrad“ zeigt es an. Doch alleine traut sie sich das nicht, obwohl die rüstige Seniorin durchaus versiert ist im Umgang mit Smartphone, Tablet und Laptop. Auch dank Frank Wienings Café Digital, das er seit zwei Jahren im Mutterstadter Seniorentreff anbietet. Gabriele Samel ist von Anfang an dabei. Damals wollte sie gern etwas mehr über das Bearbeiten von Fotos wissen. Frank Wiening konnte ihr helfen – und nicht nur dabei. „Es war interessant. Ich habe vieles gelernt. Und die Runde war so nett, darum bin ich wieder gekommen“, erzählt sie. Alle zwei Wochen, immer dienstags, trifft sich die „Computerfamilie“, wie Gabriele Samel sie liebevoll nennt. Es sind vorwiegend Senioren im Alter 65 plus, berichtet Frank Wiening. Und die Themen sind vielfältig. Zu jedem Treffen bereitet er, je nach Nachfrage, ein Thema vor. Weitere ergeben sich aus der Runde.
Heute zeigt er auf Bitten der Senioren, wie man das 49-Euro-Ticket aufs Smartphone lädt, sodass dieses direkt vom Handy gescannt werden kann. Dazu stellt er die Wallet-App vor, in der solche Tickets, aber auch diverse Kundenkarten, direkt abgespeichert werden können. Nie mehr einen dicken Geldbeutel mit diversen Plastikkarten – Frank Wiening hat die volle Aufmerksamkeit der Teilnehmer. Er erklärt sehr verständlich den Unterschied dieser Wallet-App zu einer Kunden-App und wie kinderleicht es ist, die Daten der Kundenkarte aus Plastik zu digitalisieren. „Einfach auf das Pluszeichen, auswählen, was für eine Karte hinzugefügt werden soll, und dann den Barcode abscannen“, sagt er und macht es gleich vor. Bei Apple-iPhones hingegen ist das ein bisschen anders. Das ist das Stichwort für Stephan Finke. Er ist seit Kurzem im Ruhestand und steht seither Frank Wiening als Apple-Experte beim Café Digital zur Seite.
Eine adrette Dame blättert in ihrem Notizbuch. Wie viele andere Teilnehmer hat sie sich ihre Fragen notiert, die sich in den vergangenen Wochen ergeben haben. Wie das denn genau funktionieren würde, das Bezahlen mit dem Handy, fragt sie. Sie habe ein iPhone. Stephan Finke zeigt ihr, wie er mit nur einem Doppelklick an der Seite seines Telefons Apple Pay öffnet. Und auch in die Wallet-App können Bezahlkarten integriert werden – Möglichkeiten über Möglichkeiten.
Und genau die möchte auch die Generation 65 plus nutzen. „Die meisten Senioren sind an den digitalen Möglichkeiten sehr interessiert“, sagt Frank Wiening. Nur falle ihnen der Zugang nicht so leicht, wie etwa ihren Kindern oder Enkeln, den so genannten Digital Natives. Es gebe zwar etliche VHS-Kurse zu solchen Themen, aber die seien oft altersgemischt. „Da geht es den jungen Teilnehmern nicht schnell genug und den älteren aber zu schnell“, erzählt Frank Wiening. Hier, im Café Digital, sind sie alle aus der gleichen Generation.
„Ich habe viele Jahre in der Buchhaltung gearbeitet – ich habe alles noch mit Stift und Papier gemacht, zum Beispiel Zinsen ausgerechnet“, erzählt Gertrud Seja. Die Hoheit über den heimischen Computer hatte meist ihr Mann Herbert. „Da habe ich dann den Anschluss an all dem ein bisschen verloren“, gibt sie zu. Doch sie blieb dran und hat sich mittlerweile ein Laptop angeschafft. Sie und auch ihr Mann besuchen mit Freude das Café Digital. „Man lernt immer wieder was Neues“, sagt sie und erzählt, wie Frank Wiening ihnen die Scheu genommen hat, auf Ebay etwas zu verkaufen. Ganz begeistert sei sie auch von den Möglichkeiten mit GPS-gesteuerten Apps, die sie neulich entdeckt habe. „Man weiß, wo man ist und was in der Nähe für Restaurants, Museen oder Geschäft sind“, sagt sie. Und auch ihr Mann ist mir Eifer dabei, auch wenn er sich ganz gut mit Computer und Handy auskennt. Er war bei einem Mannheimer Messtechnik-Unternehmen in der Qualitätssicherung beschäftigt und hat den Umbruch vom Zeichenbrett hin zum technischen Zeichen im Cad-Programm erlebt. Sein Tipp an alle Senioren: „Immer dabei bleiben!“
Enkel sind ungeduldig
Aber auch er gibt zu, dass diese unendlich vielen Möglichkeiten einen verunsichern können. Genau darum sei er froh, dass es Café Digital gebe. „Hier weiß man, dass das, was Herr Wiening einem zeigt, auch in Ordnung ist“, sagt er. Zum Beispiel beim Thema Wander-App: „Da gibt es kostenlose und kostenpflichtige!“ Welche App was kann und für wen geeignet ist und wie man diese installiert und nutzt – auch das habe Frank Wiening den Senioren gezeigt.
„Er erklärt immer alles so geduldig“, lobt Eva Bossert den Leiter des Cafés. Alle anderen stimmen zu. Dieses Kompliment ist Frank Wiening fast ein bisschen unangenehm: „Meine Frau sagt das aber nicht.“ Die Geduld scheint überhaupt unter den Familienmitgliedern beim Erklären von komplexen technischen Geräten gen Null zu tendieren, hört man die Senioren berichten. Oft seien die Kinder ungeduldig beim Erklären oder nicht so schnell greifbar. „Mein Sohn lebt in Schweden, meine Tochter in Stuttgart. Ich habe keinen, den ich mal schnell fragen kann“, erzählt Eva Bossert. Aber sie möchte mit dem Smartphone mit der Familie in Kontakt bleiben. „Doch immer mal wieder erscheint etwas auf dem Display auf, das mich verunsichert.“ Dann braucht man eben einen kompetenten Ansprechpartner, der zur Not auch mal Hausbesuche mache. Und so einer sei eben Frank Wiening.
Seine Kompetenz hat sich Frank Wiening auch zusätzlich angeeignet. Der 62-Jährige ist Digitalbotschafter des Landes Rheinland-Pfalz. Zu diesem hat er sich nach seiner Pensionierung ausbilden lassen. EDV war schon immer sein großes Hobby, „Das kam während meines Berufslebens aber zu kurz“, erzählt er. Dass Senioren immer wieder vor scheinbar unüberwindlichen digitalen Hürden stehen, habe er bei seiner Mutter erlebt. Die wollte einen Hotelurlaub in Rheinland-Pfalz buchen, „das ging aber nur online, damit war sie erst einmal überfordert“, berichtet er. Und leider werde die Unsicherheit auch immer wieder von kriminellen ausgenutzt – Stichwort Skimming-Mails und Enkeltrick über WhatsApp.
Dann erfuhr er, dass das Café Klick in Ludwigshafen noch Mitarbeiter sucht. Dafür wurde auch die Digitalbotschafter-Ausbildung empfohlen. Und er war überzeugt, dass es ein solches Café auch in seiner Heimatgemeinde Mutterstadt geben sollte. Er sollte recht behalten. Bei Christine Franz, Gleichstellungsbeauftragte in der Mutterstadter Gemeindeverwaltung, rannte er mit der Idee offene Türen ein. Nur allzu gern stellt die Kommune Räume, Ausstattung sowie Snacks und Getränke fürs Café im Seniorentreff zur Verfügung. Die Nachfrage steige stetig, überwiegend durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Mittlerweile bittet Frank Wiening, sich anzumelden. „Mehr als zehn Teilnehmer pro Treffen sollten es möglichst nicht sein, sonst kann ich schlecht auf die einzelnen Probleme eingehen“, so seine Erfahrung. Derzeit habe er bereits 18 feste Teilnehmer. Gern würde er das Café wöchentlich anbieten, aber dazu sei der Terminkalender des Unruheständlers schon zu voll. Er bräuchte noch Helfer. Er engagiert sich auch noch kommunalpolitisch und bei der Bürgerstiftung. „Und ich habe Enkel“, sagt er. Enkel, die ihrem Opa aber bei Smartphone, Computer und Co. nichts vormachen können – noch nicht!
Noch Fragen?
Wer das Café Digital besuchen oder Frank Wiening und Stephan Finke bei ihrem Ehrenamt unterstützen möchte, kann sich telefonisch unter 01520 9434379 oder per E-Mail an frank@wiening-lu.de melden.
Im Maximilianstift Maxdorf (Wormser Straße 10) findet ab sofort jeden zweiten Montag im Monat von 15 bis 17 Uhr ein kostenloser PC- und Smartphone-Treff statt. Anmeldung bei Esther Lohrer, Telefon 06237 406380.