Mutterstadt Senioren-Wunschbaum: „Lassen wir uns überraschen“

Mit Vorfreude auf die Bescherung vor dem leergeräumten Wunschbaum: Doris Wolf (links) und Gisela Hochgesang.
Mit Vorfreude auf die Bescherung vor dem leergeräumten Wunschbaum: Doris Wolf (links) und Gisela Hochgesang.

Ein Wunschbaum hat zum ersten Mal in der Residenz Pro Seniore in Mutterstadt „Wurzeln geschlagen“. Seit 1. Dezember konnten Wunschkarten von Senioren im Eingangsbereich abgeholt werden. Nach nicht mal einer Woche ist der Baum „geplündert“ und somit das Warten aufs Christkind für die Bewohner der Residenz noch spannender geworden.

Draußen in der Natur haben die Laubbäume mittlerweile fast alle ihre Blätter verloren. Dem Wunschbaum im Pro Seniore ging es genauso, nur hat er beim Tempo noch einen Zahn zugelegt. Während beim natürlichen Pendant nun die Nährstoffe eingespeichert sind und erst im Frühjahr mit einem neuen Austrieb zu rechnen ist, wird das „Eigengewächs“ im Zuhause der 106 Senioren bereits am Heiligabend Früchte tragen.

Dann nämlich sollten die kleinen Extra-Wünsche der Damen und Herren hübsch verpackt unter dem Weihnachtsbaum liegen. „Ein klitzekleines bisschen Glauben an Weihnachtsengel und das Christkind schenken“, stand für Residenzleiterin Alexandra Ries hinter der Idee. Es sei nicht etwa so, dass es nicht genügend Angehörige gebe, betont sie. Aber in der heutigen schnelllebigen Zeit gerate die Wahrnehmung und Wertschätzung der älteren Menschen doch gelegentlich ins Hintertreffen, so Ries.

Geschenke von „Schutzengeln“

Daher habe sie nach einem Weg gesucht, ihren Bewohnern zu zeigen, dass die „Menschen da draußen“ an sie denken. „Schließlich waren unsere Alten für uns da“, befindet sie liebevoll. Sie hat alle 109 Wunsch-Karten eigenhändig „gebaut und geschrieben“. Es handelt sich um Doppelkarten mit einer innenseitigen Anleitung für das Procedere, einem Einlegeblatt zur Bestätigung, dass man auch ein „echter Weihnachtsengel“ ist, und einem Aufkleber mit einer Nummer, die auf das jeweilige Päckchen zu kleben ist. Der Wert sollte bei höchstens 15 Euro liegen. An einer Lochung hängt am goldenen Band ein Säckchen mit einem kleinen Schutzengel samt Mini-Karabinerhaken und ein Anhänger mit der Aufschrift: „Schön, dass du da bist“.

Gerichtet ist diese Ansage an die möglichen Schenker, die sich ein „Blatt“ vom Baum pflücken konnten, um den darin enthaltenen Wunsch zu erfüllen. Damit auf keiner Seite ein schlechtes Gewissen entstehe, werde das Ganze anonym gehalten, erklärt Ries und fügt mit Augenzwinkern hinzu, womit sich auch alle Neugierigen zufriedengeben mussten: „Ich bin die Einzige, die alle Wünsche kennt“. Diese haben sie und ihr Team vorher in Einzelgesprächen mit den Herrschaften eruiert. Überrascht sei sie von deren Bescheiden- und Überschaubarkeit. Es seien beispielsweise ein Damenschal dabei gewesen, Socken, Pralinen, Sekt, ein Puzzle, Bücher, dabei speziell ein Kinderbuch, um dem Enkel daraus vorzulesen, eine Johnny-Cash-CD, Weihnachtstassen oder Topfblumen.

„Wünscheerfüller“ aus allen Generationen

Noch überraschter zeigte sich die Heimleiterin von der überwältigenden Resonanz der Aktion. Vom Kindergartenkind über Teenager und Erwachsene aus allen Altersschichten seien bereitwillige Wünscheerfüller vorbeigekommen. Dies freut die 46-Jährige, die sich auch sonst auf die Fahne geschrieben hat, die Generationen zusammenzubringen und ein lebendiges Haus zu führen, besonders.

Dass diese Sache „eine super Idee“ war, darin sind sich auch Gisela Hochgesang (84) und Doris Wolf (bald 80) einig. Sie haben des Öfteren amüsiert zugeschaut, wie Leute hereinkamen. „Können wir Ihnen helfen?“ wurden diese dann trotz der eigentlich schon sicheren Annahme, dass sie nicht zwecks Verwandtenbesuchs kamen, gefragt. Die beiden hatten auf jeden Fall ihren Spaß und tatsächlich leuchten ihre Augen so, wie vermutlich in ihrer Kindheit schon, bei dem Gedanken an die bevorstehende Bescherung. Bis dahin heißt es sich in Geduld üben und natürlich auch in Vorfreude, ganz nach dem Motto: „Lassen wir uns überraschen, was kommt“.

Noch Fragen?

Die Päckchen sollen bis spätestens 18. Dezember in der Verwaltung, Oggersheimer Straße 38, abgegeben werden (Montag bis Donnerstag, 8 bis 17 Uhr, Freiteg 8 bis 16 Uhr). Weitere Schenkwillige können sich melden unter 06234 931-09.

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