Rhein-Pfalz Kreis Seltener Nager ist sesshaft geworden

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Bobenheim-Roxheim. Eindeutige Nagespuren haben es schon seit zwei Jahren erhoffen und erahnen lassen, doch jetzt hat ihn Ewald Marx vom Verein für Naturschutz und Heimatpflege auch mit eigenen Augen gesehen: Der Biber ist tatsächlich in Bobenheim-Roxheim heimisch geworden. Damit er sich an Silbersee und Altrhein weiter wohlfühlt, sollte man ihn ganz in Ruhe lassen, meint Marx.

„Mehr als ein Jahr lang habe ich auf der Lauer gelegen, jetzt habe ich ihn gesichtet“, freut sich der Bobenheim-Roxheimer Naturschützer. Morgens um 7 Uhr war das, doch an welcher Stelle genau, will Ewald Marx nicht verraten. Fotografiert hat er das Zusammentreffen auch nicht. Zu groß ist seine Sorge, dass neugierige Zeitgenossen dem putzigen Tier nachstellen, weil es in Deutschland so selten geworden ist. „In Rheinland-Pfalz gibt es nur circa 200 Biber in vereinzelten Gebieten“, weiß Marx, der im Hunsrück ein Seminar über die streng geschützte Tierart besucht hat. „In der Vorderpfalz war bisher noch keiner sesshaft.“ In der Tat: Die Verbreitungskarte des rheinland-pfälzischen Biberzentrums mit Sitz in Fischbach bei Dahn hat im Südosten des Landes nur zwei rote Punkte vergeben für die dauerhafte Ansiedlung einer Biberfamilie: in der Nähe des rheinhessischen Oppenheim und in Bobenheim-Roxheim. „Die Bevölkerung hier kann also durchaus stolz sein“, so Marx. Denn es hätte ja auch sein können, dass die Nagespuren von Bibern stammen, die nur auf der Durchreise, auf der Suche nach dem besten Standort sind. Wie viele Biber an Silbersee und Roxheimer Altrhein leben, kann er nicht sagen. Wenn diese aber Junge bekommen, „dann dürfte das im Mai zu erwarten sein“. Allerdings bleibe der Nachwuchs erst mal eine ganze Weile im Bau. Das Tier, das an jenem Morgen quasi auf ihn zugeschwommen kam, sei ungefähr so groß wie ein Dackel. „Der wächst noch“, sagt Marx. Biber könnten bis zu 30 Kilogramm schwer werden. Die Spaziergänger bittet der Vereinsvorsitzende, „nicht quer durchs Gelände zu laufen und nicht gezielt auf die Suche nach den Bibern zu gehen“. Die bräuchten ihre Ruhe, genauso wie die in der Gewässerlandschaft wieder angesiedelten Europäischen Sumpfschildkröten. Das bedeutet vor allem: Hunde an die Leine! Europaweit war der Biber im 19. Jahrhundert vom Aussterben bedroht, und mancherorts ärgern sich die Menschen schon wieder über ihn, weil er Ufer unterminiert und unter anderem Hochwasserdeiche beschädigen kann. „Reichen landwirtschaftlich genutzte Flächen bis dicht an die Gewässer heran, ist mit Fraßschäden des Bibers vor allem an Mais, Zuckerrüben und Getreide zu rechnen“, heißt es auf der Internetseite des Biberzentrums. Nicht regenerierbarer Fraß an Gehölzen komme nur an Gewässerabschnitten vor, in denen es für den Biber nicht genug Nahrung gebe. Der Vegetarier verputzt im Sommer überwiegend Gräser, Stauden, Kräuter und Wasserpflanzen, im Winter neben Wurzeln und Knollen auch Rinde und Knospen von Bäumen, am liebsten von Weiden und Pappeln. In Bobenheim-Roxheim erwartet Ewald Marx keine großen Konflikte. Der Rheinhauptdeich sei zu weit weg vom Nahrungsangebot, Obstplantagen gebe es im Altrheinumfeld auch nicht. „Kann sein, dass er sich mal Leckerbissen von einem Acker holt“, sagt Marx, „aber dann wäre es schön, wenn die Bauern kulant wären.“ Und er hofft, dass kein aktiver Jäger einen Biber mit einer Nutria (Biberratte) verwechselt. Noch Fragen? Wissenswertes über den Biber in Rheinland-Pfalz findet sich im Internet auf der Seite www.biber-rlp.de.

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