Rhein-Pfalz Kreis See-Test: "Schlicht ist Pflicht"

Badespaß: Zugangsstellen zum Wasser gibt es an der Schlicht nur relativ wenige.
Badespaß: Zugangsstellen zum Wasser gibt es an der Schlicht nur relativ wenige.

«NEUHOFEN/WALDSEE.» „Schlicht ist Pflicht“, so lautet der Wahlspruch vieler eingefleischter Fans des Badesees, der in einem Wäldchen zwischen Neuhofen und Waldsee liegt. Im vierten See-Test-Teil haben wir überprüft, ob der Kult berechtigt ist. Wir waren dort an einem Mittwochnachmittag in den Ferien bei 30 Grad im Schatten. An solchen Tagen ist es nur am See auszuhalten.

Es ist überraschend, dass auf dem ersten der beiden gebührenpflichtigen Parkplätze der Schlicht, der an der Straße zwischen Waldsee und Neuhofen liegt, nur wenige Autos stehen. Außerdem ist keiner da, der die vier Euro Gebühr kassiert. Ein paar hundert Meter weiter, teilweise über groben Schotter, erreicht man den zweiten großen und wunderbar schattigen Parkplatz. Hier wird dann doch kassiert. „Jeden Tag von 9 bis 18 Uhr“, betont der Parkwächter, „und üblicherweise an beiden Parkplätzen.“ Heute ist nur die Hälfte der Parkplätze belegt. Aber an Wochenenden müsse man schon früh kommen, sonst werde es eng. „Die Autos kommen von überall her: Ludwigshafen, Mannheim, Heidelberg, Karlsruhe, Kaiserslautern. Die wenigsten kommen von hier“, erklärt er, und ein Blick auf die Autokennzeichen bestätigt das.

Öffnungszeiten stehen auf Instagram und Facebook

Nach einem kurzen Spaziergang durch den Wald kommt man zum Kiosk oder besser zur Strandbar am östlichen Ende des Badesees. „Unvorstellbar, dass den die Gemeinde Neuhofen vor einiger Zeit abreißen wollte“, ereifert sich ein Besucher. An schattigen Tischen sitzen einige Badegäste, andere genießen den Blick über den See von einer der Hollywood-Schaukeln aus. Lisa Grünwald, Angestellte im Kiosk, hat gerade Pause und Zeit zum Erzählen. Bei schönem Wetter ist der Kiosk jeden Tag geöffnet, Getränke gibt es ab 10 Uhr, Speisen ab 12 Uhr. Nur bei Regen bleibt die Bar geschlossen. „Wir posten jeden Tag auf Facebook und Instagram, wann wir öffnen“, sagt Grünwald. Der absolute Renner bei den Gästen sei die „Schlicht-Schorle“, eine Kreation aus Secco, Grapefruitsaft und Bitter Lemon. Burger und Salate seien auch sehr beliebt. Samstagabend ist dann Party. Entweder kommt ein DJ und legt auf oder Musiker der Popakademie Mannheim spielen live. Lisa Grünwald und das Team der Bar kümmern sich auch um die Sauberkeit der Liegewiese. Sie sammeln Müll ein und leeren die Abfalleimer. Außerdem sorgen sie dafür, dass die beiden Toilettenstationen, am Kiosk und auf der Liegewiese, morgens aufgeschlossen werden. Dort könne man sich auch umziehen, erzählt sie, eine Umkleide gebe es nämlich nicht. Eine Dusche übrigens auch nicht. Einen Kinderspielplatz suchen Familien zwar ebenfalls vergeblich, aber genug Sand zum buddeln ist da. An den Kiosk schließt sich die lange aber schmale Liegewiese an. Sie ist gut besucht. Große Bäume mit ausladenden Ästen sorgen für Schatten, dazwischen brennt die Sonne. Einige der Badegäste sind Profis, haben Sonnenschirme und Liegen mit dabei. Andere sitzen auf den Bänken im Schatten. Benedikt Heilmann kommt seit Jahren immer wieder aus Ludwigshafen an die Schlicht, sein Fahrrad lehnt an einem Baum. „Es ist sehr entspannend hier“, sagt er. „Die Wasserqualität ist gefühlt sehr gut, es ist alles sauber und ruhig.“ An den Wochenenden sei schon mehr los, aber das störe ihn nicht, die Liegewiese sei ja lang. Besonders gut gefallen ihm der Kiosk und die Partys am Wochenende. Wenn er etwas ändern dürfte, dann würde er die Büsche am Ufer zurückschneiden. „Man sieht den See von der Liegewiese aus gar nicht“, sagt er.

Wenige Seezugänge

Das ist tatsächlich ein Manko der Schlicht: Obwohl sich die Liegeweise über mehrere hundert Meter am See entlang zieht, gibt es nur wenige Zugangsstellen zum Wasser, entweder gepflastert oder über eine Abbruchkante, wenn, wie im Moment, gerade nicht viel Wasser im See ist. Dazwischen sind Schilf und Büsche, die die Sicht versperren. Vielleicht sind deswegen auch kaum Familien mit kleinen Kindern da, denn man kann die Kinder nicht gut beaufsichtigen, wenn sie im Wasser spielen. Die DLRG-Station ist an diesem Nachmittag verwaist. Ohnehin steht immer wieder auf alten Schildern: „Baden auf eigene Gefahr“. Ein Stück weiter den See entlang endet die Liegewiese. Nach einigen Bäumen schließen sich kleinere Lichtungen im Gebüsch an. Der offizielle Strand ist zu Ende, hier treffen sich FKK-Fans zum hüllenlosen Sonnen und Baden.

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