Rhein-Pfalz Kreis Sechs Tonnen schwere Technik

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GRÜNSTADT. In einer spektakulären Aktion hat das Kreiskrankenhaus Grünstadt am Dienstag einen Magnetresonanztomographen (MRT) bekommen (wir berichteten gestern kurz auf Südwest). Der Hintergrund: In der Klinik wird die überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft Radiologie Vorderpfalz demnächst ihren sechsten Standort haben.

In der Fassade der zweiten Etage des Kreiskrankenhauses Grünstadt klafft ein Loch. Genau 2,03 Meter ist es breit. An Ketten eines Kranauslegers baumelt ein in Folie gepacktes Sechs-Tonnen-Ungetüm. „Hoffentlich lassen sie es nicht fallen“, meint Verwaltungsdirektor Udo Langenbacher, der sich den großen Moment nicht entgehen lassen will. So ein Magnetresonanztomograph, mit dem ohne Röntgenstrahlung exakte Schichtaufnahmen des menschlichen Körpers angefertigt werden können und der mindestens eine Dreiviertelmillion Euro kostet, gibt es bislang noch nicht in der Stadt. Patienten, bei denen eine Kernspin-Untersuchung gemacht werden soll, müssen gegenwärtig ein Stück fahren, beispielsweise nach Bad Dürkheim oder Frankenthal. Ab dem 1. April ist das nicht mehr notwendig. Dann eröffnet die überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft Radiologie Vorderpfalz im Kreiskrankenhaus ihren sechsten Standort. Reinhold Dahm, der dort im zweiten Obergeschoss 2003 seine radiologische Praxis eingerichtet hat, verlässt Grünstadt. Seine Aufgaben werden Carola Schoeber und ihr Team übernehmen – erweitert um die MRT-Diagnostik. Damit die nur 1,98 Meter breite und 2,35 Meter hohe, aber schwergewichtige Maschine „einziehen“ kann, musste die Röntgenabteilung umgebaut werden. Rund 350.000 Euro hat das Krankenhaus laut Langenbacher investiert. Der bisherige EKG-Raum und Dahms Büro sind mit Kupferfolie, Stahlgitter und dicker Tür zu einer gut 25 Quadratmeter großen Hochfrequenz-Schutzkabine zur Abschirmung elektromagnetischer Wellen aufgerüstet worden. „Es musste auch Platz für die Kühlung und die aufwendige Elektrotechnik geschaffen werden“, berichtet Langenbacher. Derweil schweben der 1,6 Tonnen schwere Technikschrank sowie im Minutentakt riesige Kartons und Holzkisten auf das Schwerlastgerüst, das vor dem Loch in der Fassade steht. Emsig werden die Inhalte hereingeschleppt. Besonders ächzen die Männer unter der Last des dicken Starkstromkabels. „Damit könnte man eine Reihenhaussiedlung versorgen“, sagt Dieter Emich von der gleichnamigen Grünstadter Praxiseinrichtungsfirma, der die Planung übernommen hat. „Die monatliche Stromrechnung für den MRT dürfte mindestens 2500 Euro betragen.“ Wenn das Gerät einmal läuft, darf es nur noch im Notfall ausgeschaltet werden. Und das würde teuer werden. Wie der Siemens-Projektmanager Michael Pilgrim erläutert, ist die das Magnetfeld erzeugende Spule von 1600 Litern flüssigem Helium als Kühlmittel umgeben. Gibt es eine Störung, baut sich dieses Magnetfeld ab, und die Energie erwärmt sehr rasch das Helium, wodurch es gasförmig wird und sich ausdehnt. „Der dabei entstehende Druck würde die Maschine zerreißen, weshalb das Gas umgehend nach draußen abgeleitet werden muss“, so Pilgrim. Mehr als 30.000 Euro würden sich dann buchstäblich in Luft auflösen. Inzwischen ist der letzte Karton geleert. Eilig werden Metallbleche auf dem Boden ausgelegt. Auf dem Gerüst steht ein hydraulischer Hebesatz parat, darüber hängt der Kernspintomograph an dicken Ketten. Ganz vorsichtig wird er herabgelassen. Die Montage wird noch bis Ende der Woche dauern, dann erfolgt die Inbetriebnahme mit Probeläufen und Einstellungen. Nach den Schulungen der Ärzte und des Pflegepersonals kann die Praxis eröffnet werden.

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