Beindersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Schwierige Suche nach bestem Schutz vor Wasser

So mancher Regen hat die Kraft, eine Wohnung unter Wasser zu setzen. Das bereitet unter anderem den Beindersheimern Sorgen.
So mancher Regen hat die Kraft, eine Wohnung unter Wasser zu setzen. Das bereitet unter anderem den Beindersheimern Sorgen.

Ohne Hilfe von Experten wird es nicht gehen. Das ist die Erkenntnis im Beindersheimer Ausschuss für Grund- und Hochwasserschutz, nachdem die SPD eine Starkregenkarte gefordert hat. Die Diskussion machte deutlich: Das Thema hat zu lange in der Schublade gelegen.

Grund für den in der Sitzung am Dienstag gestellten Antrag der Sozialdemokraten, eine Starkregenkarte für Beindersheim zu erstellen, war unter anderem das Hochwasser an der Ahr im vergangenen Jahr. Der Klimawandel mache solche Wetterereignisse immer wahrscheinlicher, meint die Fraktion. Aufbauen könne eine solche Gefahrenkarte auf einer bereits existierenden Karte, die allerdings nur bis zur Grenze des Siedlungsgebiets von Beindersheim reiche, erläuterte Kai Lemke im Ausschuss für Grund- und Hochwasserschutz vertretungsweise den von Esther Richter gestellten Antrag. Die Karte solle den Ausschussmitgliedern Aufschluss darüber geben, welche Folgen ein sogenannter Jahrhundertregen für die Ortsgemeinde hätte. Mithilfe der Karte solle dann ein Risikomanagementplan erstellt werden, der Maßnahmen enthalte, um die Gefahren zu bekämpfen und die Menschen in Beindersheim zu schützen, so die Vorstellung der SPD.

Die anderen Fraktionen und Bauamtsleiterin Sabine Josy waren etwas ratlos, wie denn mit diesem Antrag umgegangen werden soll. Josy fragte nach, wie der Auftrag, den der Ausschuss erteilen solle, nun genau laute. Es müssten erst einmal Bedingungen formuliert werden, was alles zu erfassen sei. Die CDU-Kollegen im Ausschuss rieten dazu, den Auftrag um den Punkt Grundwasser zu erweitern.

Steigt Grundwasserspiegel?

Das ist eine Forderung, die vom Oktober 2019 stammt, nachdem der Grund- und Hochwasserausschuss neu installiert worden war. Anlass war damals die Ankündigung des Beregnungsverbands Vorderpfalz, sein Leitungsnetz zu erweitern – von rund 750 Hektar nördlich der Autobahn 6 im Bereich von Beindersheim war damals die Rede. Brunnen zur Beregnung sollen stillgelegt werden, stattdessen sollen die Felder mit aus dem Otterstadter Altrhein gepumptem Wasser beregnet werden. Die damit verbundene Befürchtung: Dann steigt der Grundwasserpegel, und Keller werden nass. Das Projekt wurde bisher noch nicht umgesetzt, und nähere Informationen zum Sachstand seien vom Beregnungsverband nicht zu erhalten, sagte Ausschussvorsitzender Peter Milla (CDU).

Schon im Frühjahr 2019 war vom Gemeinderat beschlossen worden, ein Gutachten darüber in Auftrag zu geben, mit welchen Folgen bezüglich des Grundwassers Beindersheim zu rechnen habe. Zwei Angebote gingen ein, wurden aber als nicht miteinander vergleichbar und inhaltlich unbefriedigend angesehen. Die Vorgaben seien einfach zu schlecht gewesen, sagte Ortsbürgermeister Ken Stutzmann (SPD) damals. Seitdem hat sich in der Sache nichts mehr getan.

Das vorliegende Angebot für eine professionelle Ausarbeitung der Vorgaben für ein solches Gutachten sei damals aus Kostengründen abgelehnt worden, so Josy. Stattdessen wurden Einwohner über das Amtsblatt um Mitteilungen zu ihrer Betroffenheit von Grundwasserhochständen und Starkregen gebeten. Rund 20 Bürger schilderten ihre Probleme. 14 davon gaben an, in ihren Häusern immer Probleme mit Grundwasser zu haben. Doch weitergebracht hat die Mandatsträger die Umfrage bisher nicht.

Thema wieder vertagt

„Ohne Hilfe von außen geht es nicht. Wir müssen das Geld im Sinne unserer Bürger in die Hand nehmen“, sagte Hartmut Stutzmann (SPD) nun im Ausschuss. Ein neuer Anlauf? Nicht so ganz. Denn das Thema wurde ein weiteres Mal vertagt. Der Grund: Verbandsbürgermeister Michael Reith (SPD) oder ein Vertreter hätte in der Sitzung einen Tagesordnungspunkt erläutern sollen, bei dem es um das Konzept „Hochwasservorsorge durch Flussgebietsentwicklung“ der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim ging. Doch niemand aus der Verwaltung war gekommen, und Beigeordneter Milla kannte nicht den Grund.

Auf RHEINPFALZ-Anfrage am Mittwoch sagte Bürgermeister Reith, Ausschussvorsitzender Milla habe erst am Sitzungstag gefragt, ob er abends kommen werde, doch da habe er längst dem gleichzeitig tagenden Lambsheimer Ortsgemeinderat zugesagt gehabt. „Bei rechtzeitiger Abstimmung hätte ich einen meiner Beigeordneten in die Lambsheimer Sitzung geschickt und dann gerne, wie in allen anderen Ortsgemeinden auch, das Hochwasservorsorgekonzept in Beindersheim vorgestellt.“ Er werde das nun in der nächsten Sitzung dieses Gremiums tun. Bei dem Konzept des Landes Rheinland-Pfalz handelt es sich um die Sammlung und Analyse vieler Geodaten, die Kommunen bei der Entwicklung von Hochwasserschutzkonzepten hilfreich sein können.

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