Speyerer Umland
Schweinepest: Wie Jäger die Ausbreitung zu verhindern suchen
„Wenn sich ein Schwein mit dem Virus infiziert, dann stirbt es fast sicher“, beschreibt Bernhard Sona die verheerende Wirkung der Afrikanischen Schweinepest (ASP). So gefährlich die Krankheit auch für Wild- und Hausschweine ist, so harmlos ist das Virus für den Menschen. Denn ihn macht es nicht einmal krank, erklären Fachleute.
Allerdings würde der betriebswirtschaftliche Schaden hoch sein, falls Tiere eines Schweinezuchtbetriebs von der ASP betroffen wären. Denn dann müssten alle Schweine getötet werden. Außerdem gilt Deutschland als großer Schweinefleischexporteur. Sollte es bei einer möglichen weiteren ASP-Ausbreitung Einfuhrbeschränkungen oder gar -verbote geben, würde somit auch ein volkswirtschaftlicher Schaden eintreten.
Damit es nicht so weit kommt, hauen sich die Jäger in den Wäldern und auf den Äckern des Rhein-Pfalz-Kreises seit einigen Wochen die Nächte um die Ohren. „Wir bejagen das Schwarzwild zwar schon seit ungefähr zehn Jahren verstärkt, weil das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest bei uns immer wahrscheinlicher wurde. Doch nun haben wir die Jagd nochmal verstärkt“, teilt der Kreisjagdmeister mit. Der Hintergrund: Am 15. Juni wurde die ASP zunächst bei Wildschweinen in Hessen und dann am 9. Juli erstmals auch in Rheinland-Pfalz nachgewiesen.
Verschiedene Sperrzonen, unterschiedliche Regeln
Bisher im Land aufgetreten ist das Virus bei Schwarzkitteln in den Kreisen Mainz-Bingen und Alzey-Worms sowie am 15. August bei Hausschweinen eines kleinen Betriebs in Gerolsheim (Kreis Bad Dürkheim). Die direkt und indirekt betroffenen Kreise haben daraufhin verschiedene Sperrzonen eingerichtet, in denen unterschiedliche Regeln zur Eindämmung der ASP gelten. Das zuständige Landesministerium informiert darüber im Netz unter https://mkuem.rlp.de.
Was den Raum Speyer betrifft, so liegen die Gemeinden Waldsee und Otterstadt sowie die Stadt Schifferstadt und Teile der Gemeinde Böhl-Iggelheim in der sogenannten Pufferzone (Sperrzone I). In der entsprechenden Allgemeinverfügung heißt es, dass „die Jagdausübungsberechtigten die Suche nach verendeten Wildschweinen oder das Töten von Wildschweinen durch beauftragte Jagdscheininhaber unter Mitführung einer Schusswaffe“ sowie „die Begleitung der beauftragten Kadaversuchhunde-Teams durch Jagdscheininhaber unter Mitführung der Schusswaffe“ zu dulden haben.
Die höchste Schwarzwilddichte
Zur sogenannten infizierten Zone (Sperrzone II) zählen Teile der Stadt Ludwigshafen (BASF-Werksgelände, bebaute Ortslage Oppau, ganzer Stadtteil Edigheim), die bebaute Fläche der Stadt Frankenthal sowie die östlich davon gelegenen Freiflächen des Stadtgebietes und die Gemeinden Beindersheim, Großniedesheim, Kleinniedesheim und Bobenheim-Roxheim. Laut Allgemeinverfügung gilt in dem Gebiet unter anderem eine Anleinpflicht für Hunde und ein allgemeines Jagdverbot (mit Ausnahme von Maßnahmen zur Bekämpfung der ASP). Zudem gibt es Einschränkungen beim Betreten und Befahren von Wegen im Wald und auf Wiesen sowie für die Bewirtschaftung von Äckern.
„Wir hoffen, dass wir den Ausbruch der ASP in den noch nicht betroffenen Bereichen des Rhein-Pfalz-Kreises verhindern können“, unterstreicht Bernhard Sona. Die höchste Schwarzwilddichte besteht nach seinen Angaben bisher in den Wäldern zwischen Römerberg/Speyer und Neustadt/Haßloch/Geinsheim. In diesen Wäldern finden die Wildschweine Schutz und auf den angrenzenden Äckern Nahrung. Wobei die Schwarzkittel sich tagsüber in der Regel nicht blicken lassen, sondern nur nachts aktiv sind.
Abschusszahlen variieren
„Wir Jäger beginnen mit dem Ansitzen vor Einbruch der Dämmerung und bleiben dann oft die halbe Nacht draußen“, teilt der Kreisjagdmeister mit. Nur bei ungefähr einem von zehn Ansitzen stelle sich der Erfolg, also ein Abschuss ein. „Wir schießen nur, wenn wir uns sicher sind, einen sauberen Treffer zu landen“, erklärt Sona. Das gebiete schon allein der Tierschutz. Außerdem führe jeder Schuss dazu, dass die Wildschweine vorsichtiger werden. „Wir wollen die Wutzen aber nicht vertreiben, sondern möglichst im jeweiligen Gebiet halten“, sagt er.
Im vergangenen Jahr haben die Jäger der Kreisgruppe Ludwigshafen laut Sona 518 Wildschweine zur Strecke gebracht. 2022 seien nur 406, aber 2021 ganze 775 Schwarzkittel erlegt worden. Wellenbewegungen bei den Abschusszahlen seien normal, erklärt der Kreisjagdmeister. Nach einer großen Strecke gebe es zunächst weniger Wutzen, doch diese erhöhten dann ihre Fortpflanzungsquote. Für das laufende Jahr erwartet er wieder eine höhere Abschusszahl.
Keine Essensreste in die Landschaft
Befristet unterstütze der Rhein-Pfalz-Kreis die Jägerschaft sehr, indem er für jedes erlegte Schwein 120 Euro bezahle, lobt Sona. Für die Entsorgung von Schweinen, die nicht zu verwerten sind, etwa kleine Frischlinge, habe der Kreis zudem eine Entsorgungsstelle in Schifferstadt eingerichtet. Im Übrigen würden alle erlegten Wutzen auf das ASP-Virus untersucht, betont Sona. Insofern habe man Sicherheit, dass nur Fleisch von gesunden Tieren in Umlauf kommt ¬– zumal die Untersuchung auf Trichinen weiter Pflicht ist. Der Kreisjagdmeister appelliert an die Bevölkerung, vermehrt Wildschwein- als Alternative zu Nutztierfleisch zu essen. Bei Interesse könne man sich an den jeweiligen Jagdpächter wenden.
Sona fordert die Bürger darüber hinaus dazu auf, keine Essensreste in der Landschaft zu entsorgen. Denn in Fleisch- und Wurstwaren aus stark von der ASP betroffenen Ländern wie Polen könnte das Virus enthalten sein. „Es ist sehr robust und hochansteckend. Frisst ein Wildschwein einen infizierten Speiserest, dann ist die Ansteckungsgefahr für dieses sehr groß“, erklärt er. Für Menschen bestehe gleichwohl auch beim Verzehr von solchem Fleisch keine Gefahr für die Gesundheit, sind sich Fachleute einig. Die Bekämpfung der ASP dient also vor allem dem Schutz der Wild- und Hausschweine sowie von Schweinehaltern und -züchtern.