Speyerer Umland
Schweinepest lässt Fleischabsatz einbrechen
Erst kam Mitte März mit dem Lockdown wegen der Corona-Pandemie ein Nachfragetief in der Gastronomie nach Wild, dann hat der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest Mitte September bei Wildschweinen in Ostdeutschland die bisherigen Käufer zur Zurückhaltung bewegt. „Dabei hatte sich das Interesse am Wildbret in den vergangenen Wochen etwas erholt“, bedauert Kreisjagdmeister Sona die derzeitige Entwicklung.
Die Waidmänner seien nicht zuletzt deshalb frustriert, weil sie „ihre Hausaufgaben gemacht haben“ und der Vorgabe der Landesregierung entsprechend deutlich mehr Wildschweine zur Strecke brachten. „Im vergangenen Jagdjahr wurden in Rheinland-Pfalz über 100.000 Wildschweine erlegt. In meinem Amtsbereich, also dem Rhein-Pfalz-Kreis und den Städten Speyer, Ludwigshafen und Frankenthal waren das 740 gegenüber 518 im vorletzten Jagdjahr“, bilanziert Sona von der Kreisgruppe Ludwigshafen des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz.
Im Bereich der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen, der Gemeinden Waldsee und Otterstadt sowie der Stadt Speyer ist im vergangenen Jagdjahr (1. April 2019 bis 31. März 2020) mit 349 Wildschweinen fast die Hälfte der Gesamtstrecke im Bezirk des Kreisjagdmeisters erlegt worden, wie dieser auf Anfrage informiert. „Positiv ist zu erwähnen, dass unser Landkreis auf die Erhebung der Trichinengebühr verzichtet, um die Jäger zu unterstützen“, lobt er. Trichinen sind Würmer, die im Fleisch vorkommen können. Die Landesregierung hat vor circa zehn Jahren ein Handlungsprogramm zum Schwarzwild aufgelegt, dessen aktuelle Version am 14. September durch das Umweltministerium an Behörden und Verbände versandt wurde, wie Sona mitteilt. Er betont, dass das „Handlungsprogramm zur Reduzierung überhöhter Schwarzwildbestände und zur Absenkung des Risikos einer Ausbreitung von Tierseuchen für das Jagdjahr 2020/2021“ zwar konkrete Forderungen an die Jäger enthalte, an die „übrigen Beteiligten, zum Beispiel die Kommunen bezüglich der Hundesteuer oder die Landwirtschaft bezüglich bejagungsfreundlicher Anbaumethoden“ würden jedoch bloß Appelle gerichtet – „bisher mit wenig Erfolg“.
„Für Menschen ungefährlich“
„Ein guter Beitrag der Bevölkerung wäre es, sowohl in der Gastronomie als auch zu Hause mehr Wildschwein zu essen. Dieses Fleisch ist ein gutes Lebensmittel, es ist gesund, ohne Hormone und Medikamente und ohne Massentierhaltung“, wirbt der Kreisjagdmeister um Unterstützung seiner Standesgenossen durch die Bürger. Denn die Kaufzurückhaltung sei „nicht verständlich, weil nur das Wildbret gesunder und untersuchter Wildschweine in den Handel kommt. Darüber hinaus ist das Virus der Afrikanischen Schweinepest für den Menschen ungefährlich. Es befällt nur Schweine“, betont er.
Am besten wende man sich an die örtlichen Jagdpächter oder an das Forstamt, wenn man Wildschweinfleisch kaufen möchte, teilt Sona mit: „Dort erhält man grob zerlegte Stücke. Die Metzgerei Ballreich in Dudenhofen ist für die Verarbeitung von Wild zertifiziert, dort erhält man auch verarbeitete Ware. Wichtig wäre aber auch die Nachfrage in der Gastronomie.“
„Jagd wichtig“
Denn viele Jäger scheuten sich, Wildschweine zu erlegen, wenn sie das Wildbret dann nicht zumindest kostendeckend verkaufen können, informiert der Harthausener. „Die Reduzierung der Wildschweinbestände ist für eine vorbeugende Seuchenbekämpfung aber weiterhin wichtig“, unterstreicht er. Dieser Zweck einer verstärkten Bejagung der Schwarzkittel wird auch im Handlungsprogramm des Landes genannt, denn bei hohen Bestandsdichten könne sich das Virus schneller ausbreiten als bei niedrigen. Als weitere Ziele sind aufgeführt: Schwarzwildschäden in der Landwirtschaft und im Weinbau verringern; Gefahren durch Verkehrsunfälle mit Schwarzwildbeteiligung mindern; dem zunehmenden Vorkommen von Schwarzwild in städtischen Bereichen entgegenwirken.
In dem Handlungsprogramm werden die Jäger aufgefordert, von jedem kranken Tier, das erlegt wurde, und von jedem Kadaver, der entdeckt wird, Blut- oder Milzgewebe-Proben für eine Untersuchung auf die Afrikanische Schweinepest zu entnehmen. Die Untersuchung von Kadavern und bei Verkehrsunfällen getöteten Tieren unterstütze das Umweltministerium mit einer Prämie von 70 Euro, heißt es.