Lambsheim / Hessheim RHEINPFALZ Plus Artikel Schulsozialarbeit: Endloses Warten auf Arzttermine

Eine sogenannte Brennpunktschule gibt es den Schulsozialarbeiterinnen zufolge in der VG Lambsheim-Heßheim nicht. Sie beobachten
Eine sogenannte Brennpunktschule gibt es den Schulsozialarbeiterinnen zufolge in der VG Lambsheim-Heßheim nicht. Sie beobachten jedoch, dass es zunehmend uneinheitliche Klassen gebe.

Die beiden Schulsozialarbeiterinnen für die Grundschulen der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim blicken auf 2023 zurück und ziehen Bilanz. Recht oft kommen sie als Krisenmanagerinnen und Angstlöser zum Einsatz, und sprechen im Schulträgerausschuss über ihre größten Herausforderungen.

In den vier Grundschulen der VG in Beindersheim, Großniedesheim, Heßheim und Lambsheim haben Corinna Weyer und Myriam Kiefer im vergangenen Jahr 43 Stunden wöchentlich in insgesamt 35 Klassen mit 652 Kindern gearbeitet. Beide betonten kürzlich in einer Sitzung des Schulträgerausschusses, dass keine der vier Schulen eine Brennpunktschule sei, dennoch gebe es zunehmend uneinheitliche Klassen, weshalb eine individuelle Förderung notwendig sei.

Eine enorme Herausforderung sei das endlose Warten auf Termine bei Ärzten und Therapeuten. Hinzu kämen Krisen wegen Trennungen, Krankheit, Problemen in der Familie sowie bei vielen Kindern auch Lernschwierigkeiten und sprachliche Defizite. Problematisch seien Fälle, in denen keine Kindeswohlgefährdung vorliege, die Kinder aber trotzdem auffällig seien. Als Grund nannten die Sozialarbeiterinnen beispielsweise, dass Eltern ihr Kind außerhalb der Schule nicht integrieren wollten, es also keine Freunde treffe oder in einem Verein aktiv sei. „Selbst der Weg zum Kindertreff wird dann nicht gefunden“, so Weyer.

Boxsack und Entspannungsmusik

Ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit seien Kooperationen und Netzwerke, etwa die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt oder dem Kinderschutzbund. Bürgermeister Michael Reith (SPD) möchte hier die Jugendpflegerin der VG eingebunden sehen, damit die Kinder den Jugendraum als Anlaufstelle kennenlernen.

Zu den Schwerpunkten der Schulsozialarbeit zählen auch die Beobachtung der Schüler in Klassen oder beim Spiel sowie Gruppenarbeit, Elternberatung, Lehrergespräche und Einzelgespräche mit Kindern. Unter anderem gehe es bei Eltern um den Abbau von Schwellenangst gegenüber Schule und Jugendamt oder um die Förderung von Erziehungskompetenzen. Bei Schülern lauten die Stichworte Konfliktfähigkeit, Unterstützung in Lebenskrisen, Streitschlichtung und Schulangst.

Den Ausschussmitgliedern nannten Weyer und Kiefer Beispiele aus ihrer Arbeit. So gibt es in Heßheim und Lambsheim „Ruhepausen“, das heißt, die Kinder können auf den Matten in der Turnhalle „bei Entspannungsmusik die Pause genießen“. Beliebt sei in Lambsheim hingegen der Boxsack. Um Höflichkeit, Gefühle, Freundschaft und Streit geht es in der Stunde „Ich-Du-Wir“.

Weyer: „Vorteil, Teil eines Teams zu sein“

In Großniedesheim ist zum Schuljahresbeginn das Projekt „Klasse 2000“ gestartet, das die Kinder bis in die vierte Klasse begleiten wird. Die Themen sind gesund essen und trinken, bewegen und entspannen, sich selbst mögen und Freunde haben, Probleme und Konflikte lösen, kritisch denken und Nein sagen können. Für das erste Jahr sei ein Sponsor gefunden worden, für die weiteren würden noch Menschen gesucht, die das Projekt jährlich mit 250 Euro unterstützen. Daneben beanspruchen Einzelfälle die Aufmerksamkeit und Zeit er Schulsozialarbeiterinnen, etwa wenn es darum geht, ein autistisches Kind im Unterricht zu begleiten, bis ein Ersatz für eine Schulbegleitung gefunden ist. Oder für rumänische Mädchen Lernpaten und Sprachförderung zu suchen und sich um Schulverweigerer zu kümmern.

Ausschussmitglied Klaus-Peter Spohn-Logé (Grüne), der fragte, warum man nicht auf eigene Kräfte setze statt auf den Dienstleister Zentrum für Arbeit und Bildung, entgegnete Bürgermeister Reith, dass man eine Anstellung erwogen habe, es aber vertragliche Vereinbarungen zwischen den Sozialarbeiterinnen und ihrem Arbeitgeber gebe. „Deshalb haben wir uns entschieden, es so zu machen.“

Corinna Weyer nannte einen weiteren Aspekt: der Austausch, die Supervision im Team. Sie wisse, dass sie Probleme nicht mit nach Hause nehmen sollte, aber sie sehe Menschen und Kinder. „Es ist ein Vorteil, Teil eines Teams zu sein, wir profitieren davon. Das können Außenstehende oft nicht sehen.“

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