Lambsheim / Maxdorf
Schulkinder stehen gelassen: Ärger über Busunternehmen
Teresa Micieli und ihr Sohn warten am 18. September auf den Bus an der Haltestelle in der Maxdorfer Straße in Lambsheim. Der soll den Jungen nach Maxdorf zur Schule bringen. 7.24 Uhr hätte der Bus da sein müssen, zehn Minuten später kommt er zwar, fährt aber vorbei. Ein riesiges Problem, denn das war der letzte von drei Bussen der Linie 482 von Freinsheim nach Maxdorf, die morgens durch Lambsheim fahren. Nimmt dieser dritte Bus wartende Kinder nicht mit, bleibt den Schülern nur übrig, zu Fuß zu gehen, das Fahrrad zu nehmen oder sich von den Eltern bringen zu lassen. „Ich muss morgens bereits meine ein- und sechsjährigen Kinder mit dem Auto bringen, mein ältester Sohn ist deshalb auf den Bus angewiesen“, berichtet Micieli. Ihr Sohn besucht erst seit diesem Schuljahr die Realschule plus in Maxdorf, für ihn sei das alles neu. Die Micielis könnten auch den Bus um 7.18 Uhr nehmen, aber: „Der ist so voll, der fährt direkt weiter.“ Bis auf diese zwei Verbindungen gibt es nur noch eine um 6.42 Uhr. Eine andere Linie, die das 7000 Einwohner große Lambsheim mit dem 7200 Einwohner großem Maxdorf verbindet, gibt es nicht. „Früher gab es mal das Ruf-Taxi, aber auch das gibt es nicht mehr“, meint Micieli.
Mutter: Busfahren hat nicht einmal geklappt
Die Lambsheimerin ist nicht alleine: Auch die Tochter von Sina Däuwel hat gerade mit dem Pendeln nach Maxdorf begonnen. Die Fünftklässlerin besucht seit Kurzem das Lise-Meitner-Gymnasium (LMG). „Seitdem hat das Busfahren nicht einmal geklappt“, zieht Mutter Sina das ernüchternde Zwischenfazit. Ihre Tochter sei anfangs oft mit dem Fahrrad gefahren, aber „wenn sie dann mal mit dem Bus fahren wollte, kam der unheimlich zu spät, sodass sie auch zu spät zur Schule kam“, erzählt Däuwel. An ihrer Haltestelle soll der Bus um 7.16 Uhr sein, aber „wenn bis 7.35 Uhr keiner da ist, muss ich das Auto nehmen“. Schulbeginn am LMG ist um 7.50 Uhr, mit dem verspäteten Bus sei ihre Tochter erst gegen 8 Uhr da. Bis Ende September habe sie nicht einmal erlebt, dass der Bus pünktlich war. Oft seien die Busse zudem so voll, dass „die Kinder sich wie Ölsardinen reinquetschen“ müssen. Früher habe es einen eigenen Schulbus und Fahrzeuge mit größeren Kapazitäten gegeben, heute sei das anders.
Einige Eltern warten mit dem Auto an der Haltestelle, um zu prüfen, ob der Bus die Kinder mitnimmt. Pia Schoch gehört dazu, ihre Tochter besucht die siebte Klasse der IGS Mutterstadt. Kommt der Bus nicht, nimmt Schoch schon mal andere Kinder mit, deren Eltern nicht geblieben sind. Sie stellt fest, dass die Linie 482 besonders betroffen ist.
Nach dem Umsteigen in Maxdorf gebe es bis Mutterstadt kaum Probleme. Die Linie 482 treibt ihr aber Sorgenfalten in die Stirn: „Einmal hat der Busfahrer vergessen, am Rathaus in Maxdorf zu halten. Die Kinder, die umsteigen wollten, mussten dann eine Haltestelle zurücklaufen.“ Anders als für Micieli und Däuwel ist das für sie nicht neu: „Dass der Bus hier unzuverlässig ist, war schon in den vergangenen Jahren so.“ Ihre Tochter habe sie mal angerufen, da sei Schoch bereits bei der Arbeit gewesen. Sie musste zurück und war dadurch 45 Minuten mit dem Auto unterwegs.
Dass ein Bus trotz Nichtüberfüllung Schüler stehen gelassen hat, sagt auch Gabi Ardelan. „Ich stand mit meinem Kind an der Haltestelle am 2. und 18. September, als der Bus kam und gar nicht angehalten hat“, bestätigt Ardelan zwei solcher Fälle. Auch ihr Kind besucht seit diesem Jahr die Realschule plus in Maxdorf. Sie hatte gehofft, ihr Kind könne bald alleine zum Bus laufen. Doch das sei unmöglich.
Fast alle diese Mütter haben sich bei dem zuständigen Unternehmen – die Palatina Bus GmbH ist als Kontakt auf dem Fahrplan der Haltestelle notiert – beschwert. Teresa Micieli habe nach dem Vorfall am 18. September einen „freundlichen Mann“ am Telefon gehabt. Der aber will anhand von Satellitendaten und der Aussage des Busfahrers der Mutter nicht glauben. „Er hat gesagt, er glaubt seinem Angestellten und hat aufgelegt“, sagt Micieli.
Sina Däuwel hat sich am 5. September per E-Mail beschwert, bis zum Gespräch mit der RHEINPFALZ etwa zwei Wochen später hatte sie noch keine Antwort. Pia Schoch versuchte es über ein Beschwerdeformular auf der Website und erhielt keine Antwort. Auf eine spätere E-Mail will sie den Hinweis erhalten haben, dass das Unternehmen City Bus bei Neustadt zuständig sei. „Aber dort kriegt man keinen, die haben weder einen Internetauftritt noch eine Telefonnummer“, berichtet Schoch.
Unternehmen will Haltestellen früher anfahren
Die RHEINPFALZ erreicht bei Palatina Bus Rainer Kinzinger, Standortleiter Ludwigshafen, der angibt, für den betroffenen Bereich zuständig zu sein. Auf einen Fragenkatalog mit genauen Daten und einer Bitte um Stellungnahme zu stehen gelassenen Schülern reagiert Kinzinger zunächst mit einer Pressemitteilung. In dieser werden die Verspätungen auf der Linie 482 mit der Vollsperrung der L522 zwischen Weisenheim am Sand und Lambsheim begründet. Die Busse müssten demnach eine Umleitung via Gerolsheim fahren. Das Unternehmen gibt an, dass sich Busse deshalb bis zu 15 Minuten verspäten. 20 Minuten Verspätung, so wie es von den Müttern mehrfach erlebt worden sein soll, bestätigt er nicht. Kinzinger kündigt aber an, dass aufgrund der Baustelle die „Linien 482 und 484 für die verbleibende Dauer der Vollsperrung bis voraussichtlich 31. Oktober jeweils zehn Minuten früher“ abfahren. Ziel sei es, die morgendliche Ankunftszeit in Maxdorf zu „stabilisieren“. Warum das erst nach der RHEINPFALZ-Anfrage passiert, bleibt unklar.
Dass ein Bus zweimal an Schülern und Eltern vorbeigefahren sei, dementiert das Unternehmen nicht, sagt aber: „Die allgemein formulierte Beanstandung (...) macht uns eine Nachverfolgung unmöglich.“ Beschwerden sollten umgehend mit konkreter Angabe von Datum und Uhrzeit an den Standort Ludwigshafen gerichtet werden. Auf die fehlgeschlagenen Versuche von Müttern, sich zu beschweren, geht Kinzinger nicht ein. Auf Nachfrage bestätigt er nur, dass der Bus am 2. und 18. September mit Verspätung an der Haltestelle war. Ob er auch angehalten hat, lässt der Standortleiter offen.
Kritik dieser Art gibt es nicht zum ersten Mal an Palatina Bus. So hatte sich ein Vater aus Limburgerhof im März 2020 aus ähnlichen Gründen an die RHEINPFALZ gewandt. Dazu passt, dass das Unternehmen auf Google mit negativen Bewertungen aus den unterschiedlichsten Ortschaften bedacht wird, auch wenn Internetbewertungen nicht als repräsentativ eingestuft werden können.
Vertrag mit VRN läuft im kommenden Jahr aus
Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) hatte 2015 das Linienbündel Rheinpfalz mit 14 Linien in den Landkreisen Rhein-Pfalz-Kreis, Germersheim, Bad Dürkheim sowie den Städten Ludwigshafen, Speyer und Neustadt an Palatina Bus vergeben. Der Zehnjahresvertrag läuft im Juni 2025 aus und wird dann neu vergeben. Der VRN ist die zentrale Vergabestelle für die Ausschreibung von Verkehrsleistungen in der Region, die von ihr beauftragten Busunternehmen sind für den Betrieb verantwortlich. In den abgeschlossenen Verkehrsverträgen werden einer VRN-Sprecherin zufolge „klare Vorgaben festgelegt“, darunter auch „die Einhaltung von Qualitätsvorgaben, die zur Erbringung der Verkehrsleistung erforderlich sind“. Der VRN kontrolliere das regelmäßig, Fahrgäste könnten sich bei Beschwerden direkt auf der VRN-Website melden. Bei Unregelmäßigkeiten werde man ins Gespräch mit dem Busunternehmen gehen, theoretisch habe der VRN auch die Möglichkeit, Vertragsstrafen zu verhängen. Wie im konkreten Fall vorgegangen wird, ließ der VRN zunächst offen.
Eine andere Anlaufstelle für Beschwerden bei der Beförderung von Schülern ist im Falle von Lambsheim die Kreisverwaltung Rhein-Pfalz-Kreis. „Am Anfang der Vertragslaufzeit gab es ein höheres Beschwerdeaufkommen zu Palatina“, heißt es dort. Die anfänglichen Schwierigkeiten seien jedoch in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen gelöst worden. „Erst in diesem Jahr gingen die Beschwerden wieder etwas hoch, was unserem Kenntnisstand zufolge auf fehlendes Personal und einen erhöhten Krankenstand zurückzuführen ist.“ Über den konkreten Fall in Lambsheim sei der Behörde bislang nichts bekannt gewesen. In der Regel könnten Probleme nach derartigen Beschwerden jedoch gelöst werden.
