Mutterstadt Schulgarten: Lernen und (er)leben fernab des Klassenzimmers
32 Ampere Starkstrom, Muskelkraft und viel Motivation: Mit dieser Kombination geht es in den ersten Bauabschnitt für einen naturnahen Schulhof an der IGS. Etliche Baumstämme gilt es in zwei bis drei Zentimeter starke Bretter zu zersägen, Pflöcke für die Benjes-Hecke einzuschlagen und Schotter in Schubkarren für die Fundamente von Geodom und Pergola an die richtigen Stellen zu transportieren. Sie soll später mit Wildrosen bestückt als grünes Klassenzimmer dienen. Petra Moser vom Verein Naturspur und ihr fünfköpfiges Team arbeiten heute mit den Schülern der Klasse 10d Hand in Hand. Andere Klassen folgen ihnen bis Ende April in den nächsten sogenannten Gartenaktionswochen. Die einen vormittags, die anderen nachmittags.
CO2 -Abdruck im Blick
Wichtige Prinzipien für Naturspur sind: die Verwendung von vor Ort vorhandenem Material, Verzicht aufs Wegfahren, Versiegeln und Betonieren. Biologin und Erlebnispädagogin Moser betont, das verwendete Robinienholz stamme aus dem Mutterstadter Wald, es hat also kurze Wege. Dieses Holz sei hart sowie langfaserig und werde 1000 Jahre halten, ist sie sicher. Gebraucht werde es für Bänke, Tische, Hochbeete oder die Beobachtungsplattform, die am Teich mit umliegendem Biotop und Lebensturm für Insekten errichtet werden soll. Neben diesen Schülerwünsche sollen ein Gewächshaus, ein Grillplatz und eine Wiese, die sich auch für Anpflanzungen eignet, verwirklicht werden. Zur optischen Abgrenzung zur Bushaltestelle und zur Blockfeldstraße hin, entsteht nun eine Benjes-Hecke, aufgetürmt aus vorhandenem Gestrüpp und Kompost, die zum Vogelschutz oder als Unterschlupf für den einen oder anderen Igel dient.
Im Vordergrund steht ein partizipatives Programm, in das von der Planungswerkstatt bis zur Umsetzung sowohl Schüler als auch Lehrer eingebunden sind. Ein Spielraum für Spontaneität soll dabei erhalten bleiben. „Nichts ist in Stein gemeißelt“, unterstreicht die Naturgarten-Gestalterin. Apropos Stein: Umherliegende Brocken aus rotem Sandstein stammen aus dem Pfälzer Wald und werden entweder als Sitzquader genutzt oder um das Gelände abzufangen.
Raum im Freien nutzen
Das Lernen im Klassensaal müsse aufgebrochen und der Raum draußen genutzt werden, meint Moser. „Das ist super wichtig, gerade nach Corona“, ist sie überzeugt. Auch an Bereiche für Kleingruppen ist gedacht. Eine weitere Option seien künftig Elterngespräche im Freien. Dominic Ellenberg, Nico Büchner und Mark Schmitt rammen mit ihrem Lehrer Gert Bühler die Pfosten für die Hecke in die Erde. Dominic strahlt und meint: „Das ist auf jeden Fall besser als Physik.“ Nico erklärt: „Wir sind hoch motiviert“, und Mark ergänzt: „Wir haben viel Spaß, vor allem, wenn wir dann erleben, dass der Garten richtig schön aussieht.“ Bis dahin gibt es noch ein bisschen Arbeit, damit Biodiversität und ein Wohlfühlraum für die Schulgemeinschaft zusammenkommen.
Lehrerin Elke Kistemann wird auch fortan Anträge schreiben, damit neben den zwei weitgehend finanzierten ersten Bauabschnitten noch ein dritter bis zum Sommer 2023 realisiert werden kann. Verzögert wurde der für vergangenen Herbst geplante Baubeginn durch die vorrangige Fertigstellung der neuen Bushaltestelle. Auch wenn noch Einiges aussteht, freut sich Mitorganisatorin Heike Hohl über die zahlreich eingegangenen Geld- und Sachspenden. Ein Drittel der bisherigen Förderung wurde durch den Freundeskreis gestemmt. „Ohne den hätten wir das nicht gepackt“, meint die Lehrerin für Biologie, Gesellschaftslehre, Mathematik, Sport und Ökologie. Der Lions-Club, von dem eine beachtliche Spende kam, will sich auch an einem der drei geplanten Samstage mit Arbeitsleistung einbringen. Weitere Unterstützung gab es von der „Aktion grün“ und dem Umweltministerium.