Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Schule in Corona-Zeiten: Was geht und was nicht geht

Wochenweise, tageweise oder verkürzte Stunden an jedem Tag – jede Schule hat ihren eigenen Rhythmus für den eingeschränkten Unte
Wochenweise, tageweise oder verkürzte Stunden an jedem Tag – jede Schule hat ihren eigenen Rhythmus für den eingeschränkten Unterricht vor Ort.

Verhalten – Eins plus! Fragt man einige Leiter von Grund- und weiterführenden Schulen im mittleren Rhein-Pfalz-Kreis, wie es ihre Schüler mit dem Schutz gegen eine Ausbreitung von Corona so halten, sind sie voller Lob. Beim Lernstoff hingegen muss stellenweise nachgeholt oder – soweit verkraftbar – Mut zur Lücke bewiesen werden. Das gilt auch bei der Nachmittagsbetreuung.

Seit Mai kehren schrittweise die Schüler wieder in die Schulen zurück. Das unter den geltenden Vorgaben zu ermöglichen, war für die Schulen ein enormer organisatorischer Aufwand. „Es war eine der größten logistischen Herausforderungen, die wir je zu bewältigen hatten“, sagt zum Beispiel Gabrielle Steinbach, Rektorin des Schifferstadter Gymnasiums. Ihr Kollege Sebastian Forell, Schulleiter der Kurpfalz-Grundschule in Dannstadt-Schauernheim, spricht gar von 55 bis 60 Arbeitsstunden pro Woche in dieser Zeit. Es galt, die Landesverordnungen zum Schutz vor einer Corona-Infektion umzusetzen. Die Krux dabei: Vorhandener Raum und die Anzahl einsatzfähiger Lehrer (Stichwort: Risikogruppe) unterscheiden sich von Schule zu Schule.

Was soll schützen?

In einem Einbahnstraßen-System werden die Schüler zum Beispiel an der Rudolf-Wihr-Realschule in Limburgerhof durchs Gebäude geleitet, so dass sich möglichst wenige begegnen. Wochenweise werden sie einmal in der Schule und einmal digital zu Hause unterrichtet. Die Klassen wurden dafür – wie an den meisten Schulen – in zwei Gruppen geteilt, denn es dürfen – je nach Raumgröße – maximal 15 Schüler in einem Klassensaal sein. „Zum Glück haben wir genügend Räume und auch Platz auf dem Schulhof“, sagt Schulleiterin Kati Rudolph. Und das Wichtigste: „Die Schüler halten sich wirklich an alle Regeln, etwa die Maskenpflicht.“ Und auch die anderen Schulleiter loben ihre Schützlinge, vor allem, weil es mitunter schwer sei, den Abstand zu seinen Freunden zu wahren, die man doch so lange nicht gesehen hat. „Ich habe aber das Gefühl, dass Schüler und Eltern es schätzen, dass wir auf die Gesundheit achten und viel dafür gemacht haben“, sagt Jens Pellkofer, Schulleiter der Integrierten Gesamtschule (IGS) Mutterstadt, in der regulär etwa 850 Schüler halbtags unterrichtet werden.

Die Limburgerhofer Realschule hingegen ist eine Ganztagsschule, so wie auch das Maxdorfer Lise-Meitner-Gymnasium. In beiden Schulen wird auch wochenweise – derzeit aber nur vormittags – unterrichtet. An der IGS wird tageweise gewechselt, „damit eine ständige pädagogische Anbindung da ist“, erklärt Schulleiter Pellkofer. Die Zeit pro Unterrichtsstunde ist aber reduziert. Am Schifferstadter Gymnasium wird nach einem ausgeklügelten Plan zum Teil tage-, zum Teil wochenweise unterrichtet, berichtet Schulleiterin Steinbach. Die Kapazität des Personals „ist am Limit, denn etwa 15 Prozent unserer 80 Kollegen können nicht vor Ort eingesetzt werden“, sagt sie. Die Schwierigkeit bei der Planung sei auch, dass die Einhaltung der Regelungen viel Aufsichtspersonal benötigt, sagt wiederum Martin Storck, Leiter des Meitner-Gymnasiums. Auch in seiner Schule findet der Unterricht möglichst nur im Klassensaal statt, die Pausenzeiten sind versetzt, Desinfektionsmittel gibt es an vielen Stellen, Klassensäle werden regelmäßig gelüftet und öfter gereinigt – das seien derzeit die Bedingungen an allen Schulen.

Keine Not beim Betreuen?

Seit der Schließung müssen Eltern die Betreuung ihre Kinder selbst stemmen, neben dem Job. Alle befragten Schulen haben Notbetreuung eingerichtet, die Ganztagsschulen auch nachmittags. Auch in den Osterferien wurde diese angeboten. Der Bedarf konnte und kann gedeckt werden, sagt Kati Rudolph für ihre Realschule. In den ersten Wochen sei das Angebot fast kaum genutzt worden, gerade mal ein bis zwei Schüler seien es gewesen, das berichten auch andere Schulleiter. „Auch jetzt wundert es mich, dass es so wenige sind – im Schnitt werden fünf bis sechs Kinder notbetreut“, sagt sie und vermutet, dass Schüler der weiterführenden Schulen sich einfach besser selbst beschäftigen könnten als Grundschüler oder gar Kindergartenkinder. Das sieht IGS-Leiter Pellkofer ebenso, auch er war überrascht, dass der Druck bei den Eltern offensichtlich nicht so groß war. „Unsere Betreuung in den Ferien wurde sogar bis 18 Uhr angeboten, genutzt wurde sie gar nicht oder nur von einem Schüler.“

An der Dannstadt-Schauernheimer Grundschule ist das etwas anders, in den vergangenen Wochen ist der Bedarf gestiegen, notbetreut wird auch bis 16 Uhr. In Gesprächen mit den Eltern habe man aber oft auch eine individuelle Lösung gefunden, mit der die meisten zufrieden seien, berichtet Schulleiter Forell. In der Grundschule in Altrip gibt es zwei Notbetreuungsgruppen mit bis zu 15 Kindern, der Bedarf sei mit dem Beginn des Präsenzunterrichts gestiegen. Auch nachmittags wird betreut. Sogar das Mittagessen könnte perspektivisch wieder angeboten werden, sagt die Leiterin Judith Reibel.

Mehr Online-Schule?

Das Homeschooling übers Internet habe in allen Schulen gut geklappt. „Wir hatten dafür auch gute Voraussetzungen, berichtet Kati Rudolph: „Über unsere Schul-App fand der Schulmaterial-Austausch und die Kommunikation statt.“ Diese werde bereits für Stunden- und Vertretungspläne genutzt. Alle befragten Schulen nutzten eine App – jede seine eigene. Dennoch war es „nur“ ein Angebot. Kati Rudolph räumt ein: „Einzelne Schüler haben wir nicht erreicht.“ Darum sei es auch wichtig gewesen, dass vor den Sommerferien noch einmal alle Schüler in der Schule sind. Denn: Die Realschule möchte im Bereich digitales Unterrichten aufrüsten: „Alle sollen Microsoft Teams bekommen.“ Man möchte für die Zukunft gerüstet sein.

Wie auch das Schifferstadter Gymnasium: Die plötzliche Schulschließung habe das Lehrerteam in Sachen digitalem Unterricht ins kalte Wasser geworfen, gibt Gabrielle Steinbach zu. Auch wenn es gut funktioniert habe, „die letzten Wochen waren für uns eine Probezeit, jetzt müssen wir die Defizite bei Schülern und bei Lehrern ausgleichen“, sagt die Rektorin. Auch am Meitner-Gymnasium habe der Unterricht per Videokonferenz größtenteils gut funktioniert. An Schüler, die nicht die technischen Möglichkeiten hatten, sei Equipment verliehen worden, berichtet Schulleiter Martin Storck. Aber er sagt auch: „So stellen wir uns nicht den normalen Unterricht vor.“ Keine direkten Gespräche, keine Gruppenarbeit, keine Experimente – das sei keine Alternative. „Ich hoffe auf baldigen Normalbetrieb“, meint Storck. Etwas anderes sei auch auf Dauer nicht zu vermitteln, wenn in allen anderen Bereichen immer mehr Lockerungen zugelassen würden. Und auch Grundschulleiterin Judith Reibel sehnt sich nach dem normalen Schulbetrieb: Das sei kein richtiges Schulleben, mit unbeschwerten Kindern, die auch mal laut sind und zusammenspielen. „Es ist im Moment wie in einer Geisterschule.“

Viel Stoff verpasst?

Fast alle Schulen berichten nur von wenigen Schülern, die das Homeschooling komplett verpasst haben. Sie müssen nun nacharbeiten. Klar sei aber auch, selbst intensives Homeschooling ersetzt nicht den Präsenzunterricht, sagen alle Befragten. Der komplette Lernstoff konnte so nicht vermittelt werden, „da müssen wir in den Fachgruppen über eine Reduktion nachdenken“, sagt Kati Rudolph. Probleme sehen sie und auch Gabrielle Steinbach vor allem bei den Fremdsprachen, denn hierbei bauen die Lektionen aufeinander auf. „Aber der Lehrplan lässt uns auch genug Spielraum, kein Schüler wird wegen Corona Nachteile haben“, beruhigt die Schifferstadter Rektorin. Nun soll es laut Bildungsministerium unter anderem eine Sommerschule für Erst- bis Achtklässer in den letzten beiden Ferienwochen geben, in denen zum Beispiel Lehramtsstudenten und pensionierte Lehrer unterrichten. „Das ist eine gute Sache und könnte helfen“, sagt Gabrielle Steinbach, genaues sei ihr aber noch nicht bekannt. Sie ist gespannt, inwieweit das angenommen wird.

Grundschulleiter Sebastian Forell sieht bei seinen Grundschülern keine größeren Defizite. „Ich habe sogar das Gefühl, dass viele Kinder selbstständiger beim Lernen geworden sind“, sagt er. Von Vorteil beim Aufholen sei für ihn, dass derzeit in Klassen mit halbierter Schülerzahl unterrichtet wird.

Wie geht’s 20/21 weiter?

„Hoffentlich mit Präsenzunterricht“, sagt Judith Reibel und spricht wohl all ihren Kollegen aus der Seele. Sie denkt vor allem an die Erstklässler und fragt: „Wie sollen wir die über Fernunterricht erreichen?“ Gabrielle Steinbach wünscht sich, „dass bald ein Impfstoff gefunden wird, damit wir wieder zurück zur Normalität kommen. Denn: Wir brauchen den Kontakt zu den Schülern“.

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