Auf ein Wort am Lieblingsort
Schnell heimisch geworden: Karl-Heinz Hasenstab ist seit 17 Jahren Beigeordneter in Böhl-Iggelheim
Der Blick schweift über einen gepflegten Rasen, über bunte Blumen und grüne Blattpflanzen, es summt und surrt. Der Garten von Karl-Heinz Hasenstab und seiner Frau Barbara ist ein wahres Kleinod – und eine Ruhe-Oase, grenzt er doch an eine naturbelassene große Wiese. Ein Lieblingsplatz, der seinen Namen wahrlich verdient hat. Nur allzu gut kann man sich vorstellen, wie das Ehepaar auf der Terrasse mit der gemütlichen Bank sitzt, einen Kaffee zusammen trinkt und mal alle Fünfe gerade sein lässt.
„Also hier entspannen Sie?“ Die Frage verwirrt den pensionierten Ingenieur ein wenig, denn eigentlich habe er nicht wirklich viel Stress, sagt er. Das kann man ihm aber irgendwie nicht glauben. Zwar hat der 75-Jährige das Arbeitsleben schon einige Jahre hinter sich gelassen, doch er ist seit 2007 Erster Beigeordneter in seiner Gemeinde mit etlichen arbeitsintensiven Geschäftsbereichen wie Straßenverkehr, Sicherheit und Ordnung oder Friedhofswesen. Zudem hat er einige Arbeitskreise ins Leben gerufen und/oder leitete sie – dabei geht es unter anderem um bessere Radwege oder um die Flüchtlingshilfe.
Amt macht Spaß
Nach der Kommunalwahl am 9. Juni dieses Jahres hat sich Karl-Heinz Hasenstab noch einmal zur Wahl zum Beigeordneten gestellt. Man darf dies zurecht dahin interpretierten, dass ihm das Amt Spaß macht: „Sehr viel Spaß sogar“, sagt er. Man komme mit so vielen unterschiedlichen Menschen zusammen, erhalte Einblicke in verschiedene Lebensbereiche, könne helfen oder müsse oft gemeinsam einen Konsens finden. Das sei sehr spannend, sagt er. Und es erfordert Gefallen am Kommunikativen und daran, zugänglich für Vieles zu sein. Eine Eigenschaft, die ihm sowohl in der Kommunalpolitik als auch in seinem Job zupasskam.
Kindheit und Jugend verbrachte Karl-Heinz Hasenstab in Mosbach im Odenwald. Er studierte „Technische Physik“ und arbeitete in seinen ersten Berufsjahren in Weinheim im Zentrallabor bei Freudenberg. Dann wechselte der Ingenieur zu einem Beratungsbüro für Bauphysik, Schall- und Schwingungsschutz in Ludwigshafen – genauer auf der Parkinsel in Traumlage. „Und wenn einem der Job dann noch Spaß macht, dann bleibt man da auch bis zur Pensionierung“, erzählt er. In seiner Berufslaufbahn war er auch öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für sein Fachgebiet. Er musste nicht nur Gutachten erstellen, sondern wurde bei Gerichtsverhandlungen als Sachverständiger hinzugezogen. Dafür musste Karl-Heinz Hasenstab juristisch sattelfest sein, musste Gesetze genauestens kennen und anwenden können. „Bürokram war mir also nicht fremd“, sagt er mit Blick auf sein späteres Beigeordneten-Amt.
Bauplatz gefunden
Nach Iggelheim verschlug es seine Frau und ihn eher zufällig. Weil die Grundstückspreise an der Bergstraße schon in den 1980er-Jahren sehr hoch waren, schauten sie sich nach Alternativen um und wurden in Iggelheim fündig. Mitte der 1980er-Jahre entstand das Eigenheim in der Speyerer Straße, das neue Zuhause für das Paar und zwei Töchter.
Karl-Heinz Hasenstab und seine Frau sind ein Paradebeispiel dafür, dass man sich als „Neigeschlenkerte“ sehr gut einleben und einbringen kann. Nach ein paar Jahren in der neuen Heimat wollte sich Karl-Heinz Hasenstab vor Ort in der Kommunalpolitik ehrenamtlich engagieren. „Die Leute von der CDU waren mir am sympathischsten, also trat ich 1999 dem Ortsverein bei“, erzählt er. Die Wahl der politischen Couleur war also zunächst eine Gefühlsentscheidung. Es sei aber auch eine Entscheidung gewesen, die er nie bereut habe, sagt er. Es passte – und so nahm seine kommunalpolitische Karriere schnell Fahrt auf. 1999 wurde er in den Gemeinderat gewählt, schon ein paar Jahre später wurde er Ortsvereins- und Fraktionsvorsitzender bis 2007. Seit 17 Jahren ist Karl-Heinz Hasenstab Erster Beigeordneter. Er habe nie Ambitionen in Richtung Landes- oder Bundespolitik gehabt, von Anfang an wollte er nur hier in seinem neuen Heimatdorf etwas bewirken. „Kommunalpolitik ist unmittelbar und direkt, das schätze ich“, sagt er.
Noch fünf Jahre
Und er kann über viele Projekte berichten, an denen er mitgewirkt hat – etwa das Straßensanierungsprogramm, das seit über 15 Jahren umgesetzt wird und das er von Anfang mit begleitet hat. Eine weiteres Dauerprojekt sind die Erweiterungen und Sanierungen der Grundschulen und Kitas. Und die Kriminalprävention ist ein Thema, das Karl-Heinz Hasenstab sehr am Herzen liegt. Acht ehrenamtliche Sicherheitsberater für Senioren konnte er für die Gemeinde verpflichten. Mit Erfolg: In der jährlichen Kriminalstatistik sei Böhl-Iggelheim unauffällig, „fast langweilig“, erzählt er.
Fünf Jahre möchte er sein Amt als Beigeordneter noch ausüben, so ist es mit der Familie abgesprochen. Denn: In den vergangenen zehn Jahren wurden die Hasenstabs von ihren zwei erwachsenen Töchtern nach und nach mit Enkelchen beschenkt, erst vor etwa einem Monat kam das vierte auf die Welt – ein Mädchen. Großeltern zu sein, sei eine große Freude. Und mehr als ein Hobby, von denen Karl-Heinz Hasenstab auch einige betreibt.
Radler und Segler
Zum Beispiel das Radfahren, früher auch Rennrad. So war er oft dabei, wenn sich eine Abordnung der Gemeindeverwaltung per Rad in die Partnergemeinde nach Wahagnies in Nordfrankreich oder nach Schlanders in Südtirol auf den Weg machte, beide Gemeinden sind etwa 580 Kilometer von Böhl-Iggelheim entfernt. Stolz ist er darauf, dass er Parteifreund und Bürgermeister Peter Christ zum Rennradfahrer gemacht habe.
Zudem ist Karl-Heinz Hasenstab passionierter Segler – viele Jahre habe er sich einmal im Jahr eine Auszeit genommen und ist mit Freunden auf ein Segeltörn gefahren. Dabei ging es durch die Nord- und Ostsee etwa nach England, Holland oder Dänemark, aber auch das Mittelmeer wurde bereist, entlang der Küsten von Kroatien, Mallorca, Korsika oder Ibiza. Einmal führte ihn ein mehrwöchiger Törn auch zu den Seychellen. „Diese Zeit auf dem Segelboot habe ich immer sehr genossen, man ist weg vom Alltag, raus aus dem normalen Umfeld, es ist Zeit zum Müßiggang. Und man ist auf dem Wasser“, schwärmt er, „so ein Segelboot ist also ebenfalls mein Lieblingsplatz“. Zu Hause in Iggelheim ist es der Garten, und dieses kleine Idyll hat Ehefrau Barbara Hasenstab erschaffen. „Ich arbeite ihr bei der Gartenarbeit nur zu“, sagt er und ist seiner Frau offensichtlich sehr dankbar für ihren gemeinsamen Lieblingsort.
Die Serie
Sie sind Spezialisten für ihre Fachbereiche und halten den Bürgermeistern oft den Rücken frei: die Beigeordneten. In der Serie „Auf ein Wort am Lieblingsort“ treffen wir sie abseits von Sitzungssaal, Paragrafen und Vorschriften.