Bobenheim-Roxheim
Schnee-Eule Anastasia ist wieder daheim
Das Weibchen, das sich seit vielen Jahren im Bobenheim-Roxheimer Vogelpark mit ihrem Schnee-Eulenmann eine Voliere teilt – beide sind die Lieblinge der Parkbesucher – musste am 14. Januar weggebracht werden. Der schöne Vogel konnte nicht mehr stehen, weil ein Bein nicht belastbar war. Eine Röntgenuntersuchung zeigte eine mit Flüssigkeit gefüllte Zyste an der Niere. Damit konnte der Verdacht auf einen bösartigen Tumor zwar ausgeschlossen werden, doch die Zyste sorgte für eine Entzündung und wohl auch für eine dauerhafte Schädigung von Nerven.
Anastasias Allgemeinzustand hat sich nach der medikamentösen Behandlung zwar stabilisiert, doch „über dem Berg“ sei sie noch lange nicht, sagt Vogelparkleiter Rainer Berenz. Das Bein sei nach wie vor taub, und es bestehe die Gefahr, dass sich die in der Klinik geöffnete Zyste erneut mit Flüssigkeit füllt.
Eulenpaar ist sehr beliebt
Jetzt gehe es vor allem darum, dem Tier ein schmerzfreies Dasein und hoffentlich auch Heilung zu ermöglichen. Anastasia hätte normalerweise noch einige Jahre vor sich, denn Schnee-Eulen werden in zoologischen Einrichtungen im Schnitt 20 bis 28 Jahre alt und damit deutlich älter als in freier Wildbahn, wo sie ein Durchschnittsalter von 15 Jahren erreichen.
Dass das Eulenpaar zu den Stars im Bobenheim-Roxheimer Vogelpark zählt, erklärt die große Bereitschaft von Menschen, für die tiermedizinische Behandlung und Rettung der Vogeldame zu spenden, nachdem der Vogelschutzverein dazu aufgerufen hatte. „Bisher konnten wir die erheblichen Kosten komplett über Spenden finanzieren“, sagt der dankbare Vorsitzende. Überhaupt habe der Park in Zeiten von Corona und Vogelgrippe nur durch die große Unterstützung der Bevölkerung überleben können.
Durch Klimawandel gefährdet
Die Nachzucht von Schnee-Eulen hat dort eine jahrzehntelange Tradition, und der Park ist mit anderen Einrichtungen gut vernetzt. Anastasia beispielsweise schlüpfte 2010 im Karlsruher Zoo und kam im Februar 2011 nach Bobenheim-Roxheim. Das Schnee-Eulenpaar hat dort bereits eigenen Nachwuchs auf die Welt gebracht. Die Weibchen legen – abhängig vom Nahrungsangebot – drei bis elf Eier. Wie bei fast allen Greifvogelarten sind auch bei den Schnee-Eulen die Weibchen größer als die Männchen. Sie erreichen eine Größe von 55 bis 65 Zentimetern, ein Gewicht zwischen 1,6 und 2,5 Kilogramm und eine Flügelspannweite von 145 bis 157 Zentimetern.
In der freien Natur wird der Spielraum für die Vögel enger. „Durch die Klimaerwärmung schmilzt in ihrem Lebensraum die obere Schneeschicht“, erklärt Berenz. „Das Schmelzwasser gefriert dann wieder, was die Nahrungsaufnahme der Eulen erschwert.“ Sie fressen Mäuse, Schneehasen und Wildenten und können Beute auch unter dem Schnee orten und greifen. Größere Schnee-Eulenbestände gibt es noch in Grönland, Island, Kanada und Alaska.