Rhein-Pfalz Kreis Schluss mit lustig
Mutterstadt. Im Mutterstadter Rathaus geht es ab sofort wieder ernst zur Sache: Die Geeßtreiwer haben gestern Vormittag Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) den Schlüssel für seinen Dienstsitz zurückgegeben. Passend zu dem für sie traurigen Anlass Aschermittwoch trugen sie allesamt Schwarz – die Männer stilecht in Smoking mit Fliege und waschechtem Zylinder auf dem Narrenhaupt.
Lange hatten die Fasnachter aufgrund der kurzen Kampagne dieses Mal ohnehin nicht das Sagen. Wegen des Wetters und all der Vorbereitungen für die verschiedenen Veranstaltungen seien sie seit dem Neujahrsempfang, bei dem sie Schlüssel und Gemeindesäckel erhielten, nicht dazu gekommen, Entscheidendes zu verändern. „Aber wir haben ja auch nie jemanden im Rathaus angetroffen“, scherzte der Geeßtreiwer-Vorsitzende Heribert Magin. Trotz der gähnenden Leere in den Büros hätten aber zumindest die Mitarbeiter des Ordnungsamts Zeit gefunden, ihm einen Strafzettel wegen Falschparkens zu verpassen, ergänzte Finanzminister Horst Münch. „Mit dem Ordnungsamt holen wir das Geld wieder rein, das wir euch überlassen haben“, konterte der Verwaltungschef. Dennoch nehme er den Schlüssel eher widerwillig zurück, „denn die ganze Arbeit habt ihr seit Januar einfach liegen gelassen“. Ort der Rückgabe war das Mutterstadter Feuerwehrgerätehaus, da die Neue Pforte, wo der Rathauschef sonst die Insignien der Dorfmächtigen wieder in Empfang nehmen darf, derzeit umgebaut wird. Schneider gratulierte den Geeßtreiwern zu ihrer kurzen, aber gelungenen Kampagne. So sei das Experiment mit der Prunksitzung als Tanzparty geglückt und bei den Besuchern gut angekommen. Nach dem erfolgreichen Test stehe einer Fortsetzung nichts im Wege. Der Kinderfasching sei ebenfalls ausverkauft gewesen. Zudem verteidigte er die Entscheidung, den Umzug am Dienstag nicht abzusagen. „Wir haben es durchgezogen, und das war richtig“, sagte er. Denn selbst eine Verschiebung in den Mai garantiere kein gutes Wetter und manche Motivwagen seien dann vielleicht schon überholt. Wohl ab Anfang April gehe es mit der Ortskernsanierung und Umgestaltung los, kündigte Schneider außerdem an. Die Ausschreibung der Arbeiten laufe, etliche Baufirmen hätten sich bereits die Unterlagen abgeholt. „Wir gehen davon aus, dass es auch nächstes Jahr einen Umzug geben wird“, erklärte der Bürgermeister. Nur der Streckenverlauf könne sich ändern – je nachdem, wie weit die Bauarbeiten bis dahin schon fortgeschritten sind. Bei dem Projekt handelt es sich um das größte im Dorf seit Jahrzehnten. Möglich wird es durch die erfolgreiche Bewerbung der Gemeinde für das Städtebauförderprogramm „Aktive Stadtzentren“. Denn hierdurch bekommt die Gemeinde für die jeweiligen Teilvorhaben Zuschüsse vom Land. (mamü)