Römerberg RHEINPFALZ Plus Artikel Schleppertreffen zieht auch an neuem Standort viele Besucher an

Altes Blech: Viele der historischen Fahrzeuge konnten nicht nur betrachtet, sondern auch ausgiebig erkundet werden.
Altes Blech: Viele der historischen Fahrzeuge konnten nicht nur betrachtet, sondern auch ausgiebig erkundet werden.

Auch an seinem neuen Ort erwies sich das Oldtimertreffen der Schlepperfreunde Römerberg als Besuchermagnet. Vor allem Familien mit Kindern zog es am Montag in die Rauhweiden, wo rund 450 historische Fahrzeuge zu sehen waren.

„Die unterschiedlichen Persönlichkeiten und Spezialisten machen den Reiz solcher Treffen aus“, sagt Heike Weindel, stellvertretende Vorsitzende der Schlepperfreunde Römerberg. Der große Erfolg des Treffens sei in diesem Maße nach der Corona-Pause unerwartet gewesen, gesteht sie, zumal die Veranstaltung zum ersten Mal in den Rauhweiden stattgefunden habe. Der neue Standort verfüge nicht über die Infrastruktur des bis dato genutzten Spielfelds des Fußballvereins Berghausen. „Hier mussten wir uns Gedanken um Toiletten, Strom und anderes machen.“ Erforderlich wurde den Umzug durch den neuen Kunstrasen des Fußballvereins, auf dem man keine Fahrzeuge stellen kann.

Mit vielen freiwilligen Helfern richteten die Schlepperfreunde den neuen Platz in den Rauhweiden her. Die Besucher danken es mit einem großen Ansturm. Zu entdecken gibt es für sie alte Militärfahrzeuge, Motorräder, Autos, Lastwagen, Traktoren und als Sonderausstellung Feuerwehrautos aus früherer Zeit. Einige Fahrzeuge können sogar von innen erkundet werden, was vor allem den Kindern großen Spaß bereitet.

„Nachhaltig und wertig“

Zu bestaunen gibt es etwa einen Lanz-Traktor (Typ D6006) aus dem Jahr 1954 mit liegendem Einzylindermotor. „Dabei handelt es sich um einen Halbdiesel, der mit Benzin gestartet und auf Diesel umgestellt wird, sobald die Betriebstemperatur erreicht ist“, erklärt Steffen Schwind, der Traktorexperte des Vereins. „Der 60er-Lanz ist der größte und stärkste Traktor, der in Mannheim gebaut wurde. Und er hat einen ganz eigenen Klang.“

Christian Job, der im Verein für die Motorräder zuständig ist, deutet auf eine reisefertige BMW mit Seitenwagen. Der 250-Kubikzentimeter-Motor leistet zwölf PS. „Damit ist man in den 50er-Jahren bis nach Italien gefahren“, berichtet Job. Begeistert sind beide Männer vom Mercedes der Reihe W123. „Die fahren heute noch in Afrika und Indien als Taxis, obwohl sie schon so viele Kilometer auf dem Buckel haben. Das ist nachhaltig und wertig“, betont Schwind. „Bei uns gehören sie nicht mehr zum Straßenbild, weil die Autos schon nach zehn Jahren gewechselt werden.“

Vereinsmitglied Klaus Reibel hat aus seinem hauseigenen Museum eine alte Dreschmaschine mitgebracht, die ab 1850 in Michelstadt im Odenwald gebaut wurde. Eine Schmotzer Schrotmühle hat er ebenfalls dabei. Mit ihr stellt Reibel Roggenschrot für die Besucher her. „Daraus hat man nach dem Zweiten Weltkrieg mit Apfelessig, einer Prise Salz, lauwarmem Wasser und Mehl Brot gebacken“, erläutert der Experte. Der Treibriemen der Maschine bestehe aus Rindsleder: „Schweinsleder wäre zu lang gewesen und würde auch leicht reißen.“ 25 Kilogramm Roggen hat er schon zu Schrot vermahlen. Sein Kinderwagen von 1948 kommt bei den kleinen Besuchern sehr gut an, auch sein Fahrrad aus dem Jahr 1951 stößt auf Interesse.

Auf Abwegen in Georgien

Mit 410 Kilometern hatte der Österreicher Kurt Kluckner die weiteste Anreise. Er kommt regelmäßig zum Treffen der Schlepperfreunde. Mit seinem 50 PS starken Steyr 185a aus den 50er-Jahren sei er vier Tage lang unterwegs gewesen, sagt der selbst ernannte „Traktorspinner“. Mit dabei hat er seinen Wohnwagen von 1980. Mit dem Gespann sei er schon in ganz Europa gewesen. „Einmal hatte ich Angst in Georgien. Die Straße hörte plötzlich auf, es fing an zu regnen, wurde immer steiler und aus der Wiese ragten runde Steine heraus.“ Gelandet sei er schließlich auf einem wunderschönen Hochplateau. Von den Einheimischen sei er herzlich empfangen und verköstigt worden.

Das Mercedes-Löschfahrzeug (Typ D811) habe er eigentlich nur gekauft, um sein Modell eines Deutz-Traktors von 1954 unterzubringen, berichtet Jürgen Burckard von den Schlepperfreunden. Zum Wohnmobil umgebaut, fahre er damit nun zu Oldtimertreffen. Beschützt wird das Feuerwehrauto stilecht vom kleinen Drachen Grisu. Den besten Oldtimer im Originalzustand bietet die Feuerwehr Rödersheim. Die Hauptüberprüfung (HÜ) der Traktoren, die immer während der Treffen am 1. Mai angeboten wird, wird auch von Leuten außerhalb Römerbergs gut angenommen.

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