Rhein-Pfalz Kreis „Schlangen sind die coolsten Echsen überhaupt“

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Limburgerhof. Als glitschig, eklig und bösartig sind Schlangen in weiten Teilen Europas verschrien. Gerüchte, die Sebastian Lotzkat unbedingt aus der Welt schaffen will. Der promovierte Biologe und Autor des Buchs „Keine Bange vor der Schlange“ findet die angeblich für den Sündenfall verantwortlichen Tiere liebenswert, schön, raffiniert und elegant. Morgen will er in der Limburgerhofer Bibliothek eine Charmeoffensive in ihrem Namen starten.

Herr Lotzkat, warum streiten Sie in Ihrem Buch eigentlich ausgerechnet für die Ehrenrettung der Schlangen?

Ich habe im Beruf mit vielen verschiedenen Arten von Echsen und auch mit Amphibien zu tun. Die sind alle interessant, am spannendsten finde ich aber Schlangen. Allein schon, weil sie es schaffen, sich ohne Beine elegant durch das Leben zu bewegen und all die Herausforderungen zu meistern, die es in der Natur eben so gibt. Dafür müssen sie besonders trick- und einfallsreich sein. Für mich sind sie deshalb die coolsten Echsen überhaupt. Es gibt also eine besondere Beziehung. Schon seit meiner Kindheit. Mein Elternhaus ist für so etwas sehr offen gewesen. Ich habe öfter mal was mit heimgebracht. Froschlaich zum Beispiel. Um mir die Metamorphose der Kaulquappen anzusehen. Oder auch eine Blindschleiche, die dann bei uns zu Hause geworfen hat. Für Schlangen im Speziellen war ebenfalls von Anfang an eine besondere Faszination da, das stimmt schon. Ich habe in meiner Kindheit nie eine Schlange zu Gesicht gekriegt. Besonders häufig kommen die in Deutschland nicht vor, oder? Seltener als in Südeuropa auf jeden Fall. Es gibt in Deutschland nur sechs Schlangenarten. Zwei davon, die Aspisviper und die Kreuzotter, sind giftig, die restlichen vier nicht. Richtig gefährlich ist keine davon, interessant sind sie aber alle. Es gibt zu jeder Art etwas zu berichten. Gefährlich ist ein sehr gutes Stichwort. Viele Menschen halten Schlangen für ziemlich bösartige Wesen. Die Angst vor ihnen ist weit verbreitet. Dabei ist das in Deutschland überhaupt nicht nötig, stimmt’s? Stimmt. In Ländern wie Indien oder Australien wäre Angst viel angebrachter, aber da haben die Menschen interessanterweise ein entspannteres Verhältnis zu Schlangen. Ich gehe davon aus, dass das viel mit Erziehung und Medien zu tun hat. Wenn man hierzulande in Film und Fernsehen Bilder von Schlangen sieht, sind die oft gerade sehr aggressiv, und es wird das Klapperschlangen-Rasseln eingeblendet – egal, um welche Art es sich handelt. Das trägt nicht gerade zu einem positiven Bild bei. Und das bei einer Tierart, die seit der Christianisierung in Europa eh schon einen schweren Stand hat. Seit der Christianisierung? Sie meinen wegen der Sache mit dem Apfel? Das ist ein Grund für das Image-Problem, aber nicht der einzige. Es kommt dazu, dass die Schlangen in gewisser Weise Konkurrenz waren. Vor der Christianisierung war ihr Ruf deutlich besser. Man kannte sie zum Beispiel als Begleiter Asklepios’, des griechischen Gottes der Heilkunde. Seinen Namen finden wir heute noch im sogenannten Äskulapstab wieder, dem Symbol für Mediziner. Die Äskulapnatter ist übrigens eine der größten Schlangen Europas, und es gibt sie auch in Deutschland. Beim Blick in die Mythologie Nordeuropas fällt mir nur die Midgardschlange ein und die war ja eher von der bösartigen Sorte. Ja, aber das ist nur ein Aspekt. Schlangen wurden auch viele gute Eigenschaften zugeschrieben. Zum Beispiel galten Ringelnattern in Nordeuropa lange Zeit als Wohlstandanzeiger. Die Leute haben sie gern um sich gehabt. Diese Schlangen legen ihre Eier nämlich in Misthaufen und wer viele Misthaufen hatte, war gut betucht. Also schön. Richten wir den Blick auf das Heute: Wie wollen sie der Schlange helfen, wieder einen besseren Ruf zu erlangen? Indem ich die ganzen auf Fantasie oder Unkenntnis beruhenden Vorurteile durch spannende Fakten ersetze, und den Leuten zeige, wie faszinierend diese Tiere eigentlich sind. Legen Sie doch einfach mal los. So viel Zeit muss sein. Spannend sind zum Beispiel die Jagdmethoden einer Tierart, die ihrer Beute nicht hinterherrennen oder sie mit ihren Pranken zur Strecke bringen kann. Manche Schlangen sind Ansitzjäger und harren tagelang geduldig an einer Stelle aus. Da ist ihr kleines Gehirn von Vorteil, denn es braucht nicht so viel Energie wie das eines Säugetiers und langweilt sich wohl auch nicht so schnell. Andere Schlangen können Wärmestrahlung wahrnehmen und im Dunkeln hervorragend jagen. Und Würgeschlangen wie Anakondas können nach einer ausgiebigen Mahlzeit jahrelang fasten – bis zu 36 Monate sind erwiesen. Okay. Das sind die exotischen Tiere außerhalb von Deutschland. Wir haben hier aber nur sechs Arten und die sind nicht mal gefährlich ... Über die gibt es auch genug zu erzählen – und genau das habe ich vor: Einen humorvollen Abriss über den Mythos und wissenschaftliche Erkenntnisse liefern, damit die Zuhörer diese Tiere in einem neuen Licht sehen und sie nicht mehr verteufeln. Noch Fragen? Sebastian Lotzkat trägt seine „Liebeserklärung an ein unpopuläres Tier“ morgen vor, und zwar um 11 Uhr in der Gemeindebücherei Limburgerhof. Eintritt: 5 Euro.

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