Rhein-Pfalz Kreis Schildkröten fühlen sich am Altrhein offenbar wohl
Der Versuch, die Europäische Sumpfschildkröte in Bobenheim-Roxheim wieder anzusiedeln, scheint zu gelingen. Walter Gramlich vom Nabu Rheinland-Pfalz hat am Dienstag im Heimatmuseum von zehn Tieren berichtet, die er wiederholt auf einer etwa 40 Meter großen Fläche gesichtet hat.
104 Jungtiere waren in den letzten zehn Jahren in der Altrheinlandschaft ausgesetzt worden. Selbst wenn nur 20 bis 30 Tiere bis heute überlebt hätten, sei dies eine vielversprechende Grundlage für die dauerhafte Beheimatung einer Population, meint der Mentor der Arbeitsgemeinschaft. In Zusammenarbeit mit zwei pfälzischen Schildkrötenzüchtern und dem Sealife in Speyer hat Gramlich ein Wiederansiedlungsprogramm entwickelt und verwies auf den Erfolg eines vergleichbaren Projekts in Hessen. Er sieht nun auch in Bobenheim-Roxheim ideale Bedingungen, der Art einen weitgehend geschützten Lebensraum zu geben: vor allem am Bobenheimer und am Roxheimer Altrhein sowie am Sportplatz und am Ständerweiher. Wo genau sich die Tiere niedergelassen haben, behält der Naturfreund aus Birkenheide für sich, denn er will keinen Schildkröten-Tourismus fördern. Neugierige könnten sonst die kleinen Reptilien vergrämen. „Sie brauchen vor allem Sonne, nährstoffreiche sumpfige Flachwasserzonen – und sie brauchen ihre Ruhe“, sagte Gramlich. Ein Gelege besteht aus zehn bis 20 Eiern. Die Jungtiere schlüpfen je nach Witterung binnen 80 bis 120 Tagen. Gramlich: „Die Eiablageplätze dürfen nicht beschattet sein, sondern brauchen stetig Sonnenstrahlen.“ Ist der Nachwuchs geschlüpft, beginne eine gefährliche Zeit. Die Zahl natürlicher Fressfeinde sei groß, denn für Störche, Reiher, Marder und Wildschweine sind die kleinen Schildkröten eine Delikatesse, im Wasser lauern zudem gefräßige Hechte und Welse. Doch der größte Feind bleibe der Mensch. Eine Aussage, die einige von Gramlichs Zuhörern spontan bestätigten. In der Bobenheim-Roxheimer Altrheinlandschaft habe man gerade in den Sommermonaten seine liebe Not mit platt getrampelten Uferzonen, mit Umweltverschmutzung und freilaufenden Hunden. Im Verein für Naturschutz und Heimatpflege Bobenheim-Roxheim sieht Walter Gramlich einen wichtigen Verbündeten. „Ich bin froh, dass sich der Verein vor Ort so intensiv für unser Vorhaben engagiert“, sagte er. Auch in der Bevölkerung registriere er ein wachsendes Interesse. Große Aufmerksamkeit wecke die aufgestellte Schautafel, und auch der Broschürenkasten müsse ständig aufgefüllt werden. Dabei brauchen die Naturschützer einen langen Atem, meint Walter Gramlich: „Die Wiederansiedlung der Europäischen Sumpfschildkröte in Bobenheim-Roxheim ist eine Generationenaufgabe. Da die Tiere eine ähnlich hohe Lebenserwartung haben wie der Mensch und erst verhältnismäßig spät geschlechtsreif werden, braucht man viel Geduld.“