Waldsee
Schülerlotsen gesucht: Besorgte Mütter starten Aktion
„Wir wollen unser Kind bewusst nicht zur Schule fahren“, sagt Elisabeth Laubach, die mit ihrer Familie am nördlichen Waldseer Ortsrand wohnt – zirka anderthalb Kilometer entfernt von der Hermann-Gmeiner-Schule in der Schifferstadter Straße. Seit Maximilian in die Schule gekommen ist, läuft sie jeden Tag mit ihm die Strecke. Als besonders gefährlich hat sich für sie die Rehhütter Straße herausgestellt. „Die Autos fahren dort unberechenbar“, sagt Laubach. Bis zu 100 Kilometer schnell seien manche an der Stelle, wo die Kinder die Straße überqueren. Einmal sei ihr Kind sogar fast überfahren worden, erinnert sie sich mit Schrecken an eine Situation. Ein Kind auf der anderen Straßenseite habe gerufen, woraufhin ihr Sohn plötzlich losgerannt sei. „Ich habe geschrien“, berichtet die Mutter. Fast hätte das heranfahrende Auto Maximilian erfasst. „Das sind Erfahrungen, die prägen“, sagt sie.
Morgens oder mittags
Situationen wie diese haben Elisabeth Laubach und ihre Mitstreiterin Caroline Brehmer deshalb zur Überzeugung gebracht: Es muss etwas getan werden. Die beiden Mütter setzten sich mit der Polizei und dem Ordnungsamt in Verbindung. Das Ergebnis: Die beiden Frauen suchen nun nach Schülerlotsen, die Waldseer Schulkinder morgens und gegebenenfalls auch nachmittags sicher durch den Ort bringen, indem sie ihnen beim Überqueren vielbefahrener Straßen helfen. Im Einsatz sein sollen die Lotsen, die mit Kellen und Warnwesten ausgestattet werden, zirka 30 Minuten vor Schulbeginn, ab 7.15 Uhr und nach Schulschluss von 12.05 bis 12.35 Uhr – freilich nicht an beiden Terminen und auch nicht jeden Tag, sondern im Wechsel. Zuvor würden die freiwilligen Männer und Frauen eine einstündige Ausbildung durch die Polizei bekommen. Die Tätigkeit als Schülerlotse gelte als Ehrenamt und sei versichert, sagt Laubach. Mit der Leitung der Hermann-Gmeiner-Schule hätten sie und Brehmer ihre Idee ebenfalls abgestimmt und würden von der Schulleitung unterstützt.
Nicht nur die Rehhütter Straße sei eine Gefahrenstelle, sagt Laubach. Auch in der Neuhofener Straße, in der Lerchenstraße oder am Zebrastreifen in der Ludwigstraße auf Höhe des Eiscafés Dolomiti sei es gefährlich für die Kinder. „Viele haben nicht im Bewusstsein, dass Schüler dort die Straße überqueren“, sagt die besorgte Mutter. Die berüchtigten „Elterntaxis“ vor der Schule seien auch in Waldsee ein Problem. Einen zusätzlichen Schülerlotsen dort fände Laubach deshalb ideal. Dass viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen – und so selbst dort mitunter für gefährliche Situationen sorgen – liegt für die Waldseerin aber auch darin begründet, dass die Schulwege eben gefährlich seien. „Viele Eltern fahren ihre Kinder, weil sie Angst haben“, sagt sie.
Noch wenige Freiwillige
Dort, wo Elisabeth Laubachs Sohn Maximilian jeden Tag über die Straße muss, in der Rehhütter Straße, wird gerade die schon lange von vielen gewünschte Querungshilfe gebaut. „Das freut uns sehr. Die wird helfen, aber das Problem nicht alleine beheben“, glaubt Laubach. Sie würde sich deshalb wünschen, dass sich möglichst viele Menschen auf ihren Aufruf melden und sich für bestimmte Tage als Schülerlotsen zur Verfügung stellen. Die Rückmeldungen auf ihre Initiative seien positiv, Freiwillige hätten sich allerdings erst eine Handvoll gefunden. Viele Eltern hätten das Problem, dass sie ihr Kind nicht selbst zur Schule begleiten oder morgens auf den Weg schicken können, wenn sie gleichzeitig als Schülerlotse im Einsatz seien. Laubach und Brehmer würden sich deshalb auch besonders über Rentner freuen, die sich als Lotsen einbringen möchten.
Kontakt
Wer als Schülerlotse in Waldsee helfen möchte, kann sich per E-Mail an die Adresse schuelerlotsen-waldsee@web.de oder telefonisch bei Elisabeth Laubach unter der Nummer 0160 7799847 melden.