Rhein-Pfalz Kreis Salten-Gastspiele insolvent
Limburgerhof. Knapp drei Wochen nach dem Tod von Lilo Salten ist für ihr Unternehmen ein Insolvenzverfahren beantragt worden. Das bestätigte der vorläufige Insolvenzverwalter Mario Nöll aus Heidelberg. Offensichtlich waren die Geschäfte der Salten-Gastspiele seit Jahren unrentabel. Der Verwalter spricht von einer Verschuldung im sechsstelligen Bereich.
Über 40 Jahre führte Lilo Salten die Veranstaltungsagentur Salten-Gastspiele als Einzelunternehmerin. Am 7. Februar verstarb sie im Alter von 81 Jahren (wir berichteten). „Die Erben haben das Erbe ausgeschlagen“, erklärt Nöll auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Während des Nachlassverfahrens sei die finanzielle Schieflage des Unternehmens entdeckt, der Insolvenz-Antrag gestellt und Nöll als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt worden. Lilo Salten habe ihr Geschäft in den vergangenen Jahren offenbar mit „viel Liebhaberei“ betrieben, sagt Nöll. Mit anderen Worten: Das Unternehmen habe schon längere Zeit rote Zahlen geschrieben. Nöll spricht von Verbindlichkeiten, in Höhe von mehr als 200.000 Euro. Lilo Salten hat kulturelle Events für acht verschiedene Veranstaltungshäuser in der Pfalz organisiert, darunter auch für das Palatinum in Mutterstadt und die Kleine Komödie in Limburgerhof. Sie hat Kulturprogramme und -konzepte erarbeitet und persönliche Kontakte zu bekannten Künstlern gepflegt, die sie für Auftritte in die Pfalz holte. Aufgrund des Insolvenzverfahrens mussten nun bereits organisierte Veranstaltungen „unter Gesichtspunkten der Liquidität“ neu kalkuliert werden, erklärt der Verwalter. Es sei gelungen, dass alle Veranstaltungen an diesem Wochenende, darunter auch welche in Mutterstadt und Limburgerhof, stattfinden können. Für die kommenden Termine führt Nöll derzeit Gespräche mit den Veranstaltungshäusern und den Künstlern. Wenn alle zusammenarbeiteten und zu Abstrichen bereit seien, müssten keine Veranstaltungen abgesagt werden, meint Nöll. Er hofft, dass darum auch die rund 120 Stamm-Abonnenten keine Nachteile aufgrund des Insolvenzverfahrens erleiden. Außerdem versucht der Verwalter derzeit, Interessenten für das insolvente Unternehmen zu finden. Er hat dabei Firmen, die im Bereich Kleinkunst agieren, ins Auge gefasst. Die Salten-Gastspiele hätten sich in der Szene durchaus einen Namen gemacht, was auch ein sogenannter imaginärer Wert des Unternehmens sei. Die Schwierigkeit: Dieser Wert hängt laut Nöll vor allem an den persönlichen Kontakten von Lilo Salten zu den Künstlern. Als Kulturveranstalterin hat Lilo Salten im Lauf der Jahre für 14 Häuser gearbeitet. Das Spektrum ihrer Programme reichte von Kleinkunst und Kabarett bis Boulevardtheater, Musical, Operette und sogar klassischem Ballett. Es war aber eher die leichte Muse, für die sie unermüdlich ein Publikum zu gewinnen suchte – Unterhaltung war ihr oberstes Gebot. Salten war verwitwet, sie hinterlässt eine Tochter und drei Enkelkinder.