RÖMERBERG RHEINPFALZ Plus Artikel Süßes nach bitteren Monaten für Schausteller-Familie

Hoffen auf die Unterstützung der Römerberger: Carmen und Stefan Nelle.
Hoffen auf die Unterstützung der Römerberger: Carmen und Stefan Nelle.

Die Römerberger Schausteller-Familie Nelle haben die Auswirkungen der Pandemie hart getroffen. Rainer Hauguth, Betreiber des Heiligensteiner Edeka-Markts, hat ihr nun erlaubt, die „Zuckerbäckerei“ vor dem Markt in der Viehtriftstraße aufzustellen. Die Nelles sehen erstmals seit Monaten Licht am Ende des Tunnels.

„Seit März liegt alles brach“, beschreibt Stefan Nelle den wirtschaftlich katastrophalen Zustand der Schaustellerfamilie. Nach und nach seien sämtliche Märkte, Kerwen und Veranstaltungen wie zum Beispiel das Berghausener Brunnenfest im laufenden Jahr telefonisch oder schriftlich abgesagt worden. Zuletzt seien auch sämtliche Weihnachtsmärkte weggefallen. „Dafür bringen wir jedes Verständnis auf“, betont Nelle. Solche Entscheidungen ließen sich angesichts steigender Infektionszahlen nicht vermeiden, ist er überzeugt. „Aber langsam wurde uns sehr bewusst, was das für uns bedeutet“, berichtet Nelles Ehefrau Carmen von dem schleichenden Abwärtstrend. Geblieben sei die Hoffnung, dass es irgendwie irgendwann weitergeht.

Sechs Tage geöffnet

„Das hat sich jetzt erfüllt“, freut sich das Ehepaar über das Angebot von Rainer Hauguth, den Süßigkeiten-Stand vor dem Heiligensteiner Edeka-Markt aufzustellen. „Damit haben wir nach fast neun Monaten Däumchendrehen nicht gerechnet“, sieht Stefan Nelle ein kleines Licht am Ende des Tunnels. Seitdem öffnet er seine liebevoll weihnachtlich geschmückte süße Bude montags bis samstags zwischen 10 und 19 Uhr. Kunden kaufen die selbst hergestellten gebrannten Mandeln, Magenbrot, Zuckerstangen, Türkisches Nougat, Lebkuchenherzen, Schaumküsse und allerlei andere Leckereien nach Angaben von Carmen Nelle gerne. „Solange sie Lust auf unsere süßen Produkte haben, bleiben wir hier“, sagt sie. Noch sind die Nelles gespannt, wie gut ihr Angebot vor dem Edeka angenommen wird. „Im Moment sind alle glücklich mit unserer Zuckerbäckerei.“ Besonders freut sich die Schaustellerin über den regen Zuspruch der Römerberger. „Das tut richtig gut.“ Daran sei abzulesen, wie sehr den Leuten dieses Stück Normalität fehle.

Hauptthema am Stand seien die Kontaktbeschränkungen, die Bund und Länder zur Eindämmung der Pandemie beschlossen haben, berichtet Nelle von kontroversen Meinungen. „Manche halten die Maskenpflicht für übertrieben, anderen sind die Einschränkungen nicht hart genug.“ Es herrsche viel Unsicherheit bei der Planung des Weihnachtsfests, sagt der Schausteller.

Ihre Zuckerbäckerei haben die Nelles in den Monaten des Wartens geputzt und auf Vordermann gebracht, aber kaum Geld für Renovierungen in Haus und Bude investiert. „Das finanzielle Risiko war uns zu hoch“, erklärt Nelle, der derzeit jeden Euro zweimal umdreht. Damit gehe es ihm nicht anders als allen in seiner und vielen anderen Branchen. Nelle fällt in diesem Zusammenhang die Firma ein, die in diesem Jahr 15.000 Kilogramm Lebkuchen wegwerfen musste. „Das sind schlimme Schicksale“, meint er und lässt sich dennoch nicht unterkriegen.

Die Nelles blicken optimistischer als noch vor drei Wochen in die Zukunft. Sie hätten ihre Zuckerbäckerei ohne große Erwartungen vor dem Edeka-Markt aufgestellt, sagt das Ehepaar, frei nach dem Motto: „Alles ist besser als nichts.“ „Deshalb ist jeder Euro für uns ein Gewinn“, erklärt Stefan Nelle. Alles sei machbar, ist er sicher. „Auch mit Maske.“ Denn die Hygieneregeln machen auch vor der Zuckerbäckerei nicht halt. Desinfektionsmittel steht vor der Verkaufsvitrine bereit, Mund-Nasen-Bedeckung ist für Käufer und Verkäufer Pflicht.

Achterbahn der Gefühle

„Am schlimmsten ist die Ungewissheit“, schildert Nelle die lange Zeit zwischen Hoffen und Bangen. Am Küchentisch der Schaustellerfamilie sei die ständige Angst vor dem, was kommt, präsent – eine Achterbahn der Gefühle. Carmen Nelle erzählt von den großen wirtschaftlichen Sorgen, die sie nach wie vor umtreiben. „Das Schlimmste erwarten, das Beste hoffen“, lautet ihre Devise.

Für Stefan Nelle ist Arbeit das beste Mittel gegen Corona-Stress. „Ausgeruht sind wir ja“, lacht er. Auch um neue Ideen ist er nicht verlegen. „Wie wäre es, wenn wir Schausteller am jeweiligen Kerwe-Wochenende unsere Geschäfte im Dorf verteilten?“ Das will er den Römerberger Bürgermeister nach Weihnachten fragen. „Corona wird uns noch lange begleiten“, ist er sicher.

Mehr zum Thema
x