Römerberg
Rotkreuzler beleben Gesangverein wieder
Vor einer ungewissen Zukunft sah Willi Kögel, Weggefährte des verstorbenen Vorsitzenden Norbert Gensheimer, den Berghausener Traditionsverein angesichts der Überalterung und des Umstands, dass es nur noch rund zehn aktive Sänger unter den gut 90 Mitgliedern gab, als nach der Corona-Pause die Singstunden wieder aufgenommen werden sollten. Ein Nachfolger für Gensheimer oder Kandidaten für andere Vorstandsämter waren unter den Mitgliedern, die das 70. Lebensjahr meist schon weit überschritten haben, nicht in Sicht.
„Der alte Concordia-Vorstand ist dann aufs DRK zugekommen“, sagt Norbert Pelgen, der Leiter der Kreiswasserwacht und im Römerberger DRK aktiv ist. Zwar hätten zuletzt mangels Sängern ohnehin keine Singstunden geschweige denn Auftritte mehr stattgefunden, doch einfach so sterben lassen wollten die Concordianer ihren Verein auch nicht. Zumal für viele Mitglieder das wöchentliche Treffen freitagabends im Vereinsheim im ersten Stock des alten Bürgermeisteramts in der Berghäuser Straße nach wie vor ein wichtiger gesellschaftlicher Termin ist. Doch ohne den Rahmen des Vereins wäre das Treffen am bekannten und beliebten Ort kaum mehr möglich gewesen, denn die Räume gehören der Ortsgemeinde.
Der MGV fragte deshalb laut Pelgen beim DRK an, ob jemand aus dessen Reihen bereit wäre, die Vorstandsämter bei der Concordia zu übernehmen. „Es gab eine Rundmail, wer sich das vorstellen könnte“, berichtet er. Pelgen konnte – und mit ihm noch einige andere DRK-Leute. „Bei einem Treffen mit dem alten Vorstand haben wir besprochen, was ich mir vorstellen kann und was nicht“, sagt er. Klar sei gewesen, dass er keine Singstunden oder Konzerte organisieren werde, erklärt Pelgen, der keinen Sänger-Hintergrund hat. Im Wesentlichen gehe es um die Organisation von zwei Mitgliederversammlungen im Jahr. Außerdem gehörten Gratulationen an altgediente MGV-Mitglieder dazu oder den Verein bei Beerdigungen zu vertreten, wobei diese Aufgaben auch von den anderen Vorstandsmitgliedern übernommen werden können.
Neuer Vorstand gewählt
Bei der jüngsten Mitgliederversammlung haben die anwesenden 22 Concordia-Mitglieder Pelgen mit großer Mehrheit zum neuen Vorsitzenden gewählt. Und auch der übrige Vorstand besteht nun aus DRK-Leuten, die neu in den MGV eingetreten sind: Norbert Pelgens Frau Katharina als zweite Vorsitzende. Ursula Brunner als Schriftführerin und Reiner Gerbes als Schatzmeister. Nur eine Gegenstimme habe es gegeben.
Dass die DRK-ler dem Gesangsverein in dessen schwieriger Lage halfen, hat freilich einen Grund: Der DRK-Ortsverein verfügt bislang nur über einen relativ kleinen, schlauchartigen Vereinsraum in Heiligenstein, der für Schulungen oder Erste-Hilfe-Kurse nicht gut geeignet ist. Der Raum der Concordia im ersten Stock des alten Bürgermeisteramts in Berghausen ist da um einiges besser geeignet – und er ist die meiste Zeit ungenutzt. Mit der Kooperation kann der DRK künftig diesen unproblematisch bei Bedarf nutzen – wobei der MGV weiter den ersten Zugriff, wie Pelgen betont. Den vereinzelt aufgekommenen Vorwurf, der DRK hätte den MGV quasi übernommen, weißt Pelgen zurück. Er sieht vielmehr eine „Win-Win-Situation“. Und die MGV-Mitglieder seien in ihrer großen Mehrheit „heilfroh“ gewesen, dass ihre geliebten Freitagstreffen weiterhin stattfinden können.
Als reiner Verwalter sieht sich Pelgen in seiner neuen Rolle im übrigen nicht. „Als langjähriges DRK-Mitglied hat man eine soziale Einstellung“, sagt er. Er will deshalb die Kontakte zwischen den beiden Vereine fördern, auch wenn diese eine komplett unterschiedliche Altersstruktur haben. „Es sind gemeinsame Aktivitäten geplant“, sagt er. Der Anfang soll mit einer gemeinsamen Weihnachtsfeier gemacht werden.