Rhein-Pfalz Kreis Rollende Reben sind der Renner
Mit fünf oder sechs Teilnehmern fing es vor ein paar Jahren an, mittlerweile ist er schwer beliebt bei Bastelfreunden und Hobbydekorateuren. Die Rede ist vom „Rebkugel-Workshop“ in der Großkarlbacher Vinothek Schreier und Kohn. Am Samstag war es wieder so weit.
„Ich habe diese Kugeln irgendwo auf dem Markt gesehen. Für 350 Euro, allerdings mit einem Eisengestell drin. Ich dachte, das muss doch auch ohne das Gestell gehen.“ So erzählt Uli Schreier, wie sie auf die Idee kam, Rebkugeln selbst zu machen. Die Dekorationsobjekte aus zum Ball geformten Rebzweigen wurden bei ihren Freunden der Renner, denn je nach Jahreszeit oder mit einer Lichterkette dekoriert, sehen sie besonders schön aus. Und weil sie es bald satt hatte, für alle eine Kugel anzufertigen, brachte sie es ihnen kurzerhand bei. Der Rebkugel-Workshop war geboren. Zum fünften Mal fand so ein Kurs am Samstag im Hof der Vinothek der Großkarlbacher Sektkellerei Schreier und Kohn statt. Unter Leitung von Uli und Moni Schreier und mit befreundeten „Wiederholungstätern“ sowie Leuten, welche die Werbung dafür gelesen hatten. Zum Beispiel zwei Frauen aus Kirchheim, von denen eine die Kursteilnahme als Geburtstagsgeschenk bekommen hat, oder ein ältere Dame aus Kaiserslautern mit ihrer Tochter aus Schifferstadt, die regelmäßig in der Vinothek zu Gast ist. Das Ehepaar Miethig aus Maxdorf berichtet: „Wir haben solche Kugeln auf Bauernmärkten gesehen, haben sie aber nie gekauft.“ Jetzt hat das Paar zwei Exemplare für den Garten und ist hochzufrieden mit dem Ergebnis der dreistündigen Arbeit. Wenn die Winzer in den ersten Monaten des Jahres ihre Weinstöcke beschneiden, bleibt der Rebschnitt normalerweise gehäckselt als Dünger im Weinberg liegen. Am Samstagmorgen dagegen brachte Harry Schreier die frisch abgeschnittenen Triebe zur Vinothek, von der Menge her etwa die Ausbeute einer Rebzeile. Frisch müssen die Triebe sein, weil sie sonst bei der Verarbeitung brechen. Das bedeutet, dass man die Kugeln zu der Jahreszeit machen muss, in der der Rebschnitt erfolgt. Die Herstellung ist recht einfach. Man nehme einen Zweig, biege ihn zum Kreis und halte diesen mit einem Ösendraht in Form. Dieser Kurzdraht mit Schlingen an beiden Enden wird im Weinberg verwendet, um die Triebe festzubinden. Der Draht wird nun mit einem ebenfalls im Weinbau üblichen Drillapparat (pfälzisch: Zwirbler) verdreht. Fertig ist der erste Kreis. Mehrere Kreise werden ineinandergesteckt, um das Grundgerüst zu erhalten. Durch dieses kann man Zweige kreuz und quer quasi weben. Je mehr Zweige man nimmt, desto dichter wird die Kugel, ganz nach Geschmack. Je nachdem, wie widerspenstig die Zweige sind, sind Teamarbeit und Durchhaltevermögen gefragt. Drei bis vier Stunden dauert es, eine Rebkugel von 40 bis 80 Zentimeter Durchmesser herzustellen. Für Harry Schreier ist der handwerkliche Kurs eines von mehreren Angeboten, mit denen er Leute mit Affinität zum Wein in die Vinothek lockt. „Das ist das Prinzip, mit dem wir die Vinothek am Laufen halten“, sagt er. Und weil der Rebkugelkurs mittlerweile so einen enormen Zulauf hat, findet er am kommenden Samstag noch einmal statt. Um Anmeldung unter Telefon 06238 989810 wird gebeten. |khö