Leute im Landkreis
Roland Strub ist Handwerker und Tierfreund
Man braucht aber auch Glück, Kontakte und einen guten Familien- und Freundeskreis, findet der gebürtige Mutterstadter, der seinen 90. Geburtstag feiert – mit eben diesem großen Kreis. Das alles habe er glücklicherweise. Seinen Namen kennen wohl viele von den roten Lieferwagen aus dem Fuhrpark der Schreinerei, die Roland Strub vor mehr als 50 Jahren gegründet hat und die heute sein Sohn Georg führt. Der Weg dahin war durchaus auch steinig und kurvig und Strub kann vieles berichten.
1939 wurde Strub, ältester von fünf Geschwistern, eingeschult: „Ich hatte nur vier Jahre Volksschule, dann Sonderunterricht im Keller, dann nichts mehr.“ Das Schicksal eines Kriegskindes, das schon früh einiges miterleben musste. Sein um einiges älterer Kinderfreund Werner Dellheim musste 1939 mit einem Kindertransport nach England fliehen. Der kleine Roland beobachtete später, wie Werners Cousins und Cousinen „abgeholt“ wurden – sie seien alle ermordet worden, sagt er. Die Freundschaft mit Werner Dellheim lebte viele Jahre später wieder auf und bestand bis zu dessen Tod vor einigen Jahren. Immer wieder haben sich die beiden gegenseitig besucht, „bestimmt zehnmal“ war Strub in Florida bei Dellheim, hat mit ihm auch Mittelamerika bereist. Und bei einigen Besuchen Pferde von ihm gekauft und per Luftfracht in die Pfalz gebracht.
Auf Montage unterwegs
Der junge Roland Strub lernte zunächst Schreiner bei seinem Vater, arbeitete dann für eine Fremdfirma in der BASF, die ihn im Winter, als es nichts zu tun gab auf dem Bau, an das Chemieunternehmen „auslieh“, Generatoren wurden sein Metier. Und er blieb, ging bereits nach einem Jahr auf Montage ins Ausland. Ein halbes Jahr im damaligen Jugoslawien, zwei Jahre Spanien, zwei Jahre Türkei, zwischendurch im nordrhein-westfälischen Wesseling – Roland Strub kam herum.
Gelitten hat darunter allerdings seine Sportlerkarriere. Denn Roland Strub hatte sich als Jugendlicher dem Gewichtheben verschrieben. Im Ludwigshafener Stadtteil Maudach ging er zunächst diesem Metier nach, wechselte dann zum Ringen – natürlich – in die Hochburg Schifferstadt und stemmte Gewichte beim AC Mutterstadt. Mit 21 Jahren war er sogar bei den deutschen Meisterschaften im Ringen am Start, „da habe ich aber nicht gut abgeschnitten, das muss ich ehrlich sagen“. Die vielen Auslandsaufenthalte und Probleme mit den Knien beendeten dann die Kraftsportkarriere.
Aber ohne Sport? Nein – Roland Strub entdeckte das Radfahren für sich. Und wieder waren es Kontakte zu alten Freunden, die ihn letztlich in die Radsporthochburg nach Ludwigshafen-Friesenheim führten. Mit 27 Jahren holte er sich eine Lizenz fürs Radrennen. „Da haben schon einige gelacht“, erinnert er sich schmunzelnd, da er vom Kraftsport aufs Zweirad wechselte. Aber: Mit der Mannschaft holte er mehrere Pfalzmeisterschaften auf der Bahn und der Straße.
Bis er sich für den Weg in die Selbstständigkeit entschied. Mit etwa 35 Jahren kaufte er mit seiner Frau, einer Sonderschullehrerin, ein großes Grundstück in Dannstadt, mit einem Hühnerhaus. Das baute er zunächst um als Unterkunft, und dann wurde nach und nach das Wohnhaus gebaut und erweitert. Und schließlich die Schreinerei gegründet. „Da habe ich eine gute Zeit erwischt“, urteilt Strub rückblickend. Denn Trockenbau „kam gerade so richtig auf“, wurde stark nachgefragt. Große Aufträge gingen ein bei dem jungen Unternehmen. Das Mosch-Hochhaus in Ludwigshafen, das Hochhaus der Stadtwerke in Mannheim, das Collini-Center. Glück und Kontakte – sie halfen dem jungen Handwerksbetrieb auch hier.
118 Bäume gepflanzt
Die Firma wuchs, Sohn Georg trat in die Fußstapfen des Vaters, übernahm den Betrieb vor 25 Jahren und baute ihn noch weiter aus, wie Strub senior stolz berichtet. Roland Strub ging in Ruhestand – und widmete sich nun noch mehr seinen Tieren.
Vor vielen Jahren hat der Wahl-Dannstadter unweit seines Hauses am Ortsausgang ein riesiges Grundstück erstanden. Durch den Sandaushub für den Bau der A65 war ein stattlicher Weiher entstanden. Drumherum viel Grün, aber keine Bäume. 118 Bäume habe er dort gepflanzt, berichtet Strub. Das erste von ihm gekaufte Pferd führte er zu Fuß von Hochdorf auf die neue Koppel – es war die Zeit der Ölkrise und der Fahrverbote, erinnert er sich. „Schon immer“ sei er gerne geritten, lernte kutschieren und hat auch den „Führerschein“, um Vierspänner zu lenken. Strub habe zu den Mitbegründern des Pferdesportvereins Dannstadter Höhe gehört, „der macht eine tolle Jugendarbeit“.
Doch nicht nur Pferde tummeln sich auf dem Strub’schen Grundstück. „Zwölf Hühner, 25 Enten, sieben Gänse, fünf Hasen“, zählt der fitte 90-Jährige auf. Fledermäuse gebe es auf dem Gelände, Eulen finden Nistkästen in den Stallungen. Beim Besuch am Weiher steht ein weißer Reiher am Ufer, ein Silberfasan stakst mit den Hühnern durch den Stall. Jeden Freitag trifft Strub sich hier in seinem Idyll mit alten Freunden. Seine Frau ist vor vier Jahren verstorben, schon mit 36 Jahren verstarb die Tochter, deren Kinder dann bei den Großeltern aufwuchsen. Über drei Enkelkinder freut sich Roland Strub. Einer lernt Schreiner. Vielleicht die dritte Generation im Familienunternehmen.