Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ-Fotograf blickt auf 14 Olympische Spiele zurück

Schwarz-weiß-Bild von Skifahrerin Rosi Mittermaier.

Alles geht irgendwann mal zu Ende. Für den Mutterstadter RHEINPFALZ-Fotografen Bernhard Kunz waren die Olympischen Spiele 2016 in Rio das letzte sportliche Großereignis einer illustren Karriere. Angefangen hat alles 1976 bei den Winterspielen in Innsbruck – mit einem Schwarz-Weiß-Bild von Rosi Mittermaier.

MUTTERSTADT

. Wo könnte man besser einen Eindruck von dem bekommen, was Bernhard Kunz (68) in 40 Jahren hinter der Kamera erlebt hat, als in seinem Büro? Das befindet sich im Keller seines Hauses in Mutterstadt. Aktenordner stehen fein säuberlich geordnet in Regalen. Darin sind natürlich Fotos – vom 1. FC Kaiserslautern, von Persönlichkeiten und, und, und. Heute ist alles digitalisiert. Am Schrank neben dem Schreibtisch hängen Akkreditierungen – Zeugen eines bewegten Fotografenlebens. Eines der ersten Bilder, das Bernhard Kunz bei Olympischen Spielen gemacht hat, und bei dem noch heute Stolz in der Stimme mitschwingt, stammt aus dem Jahr 1976. Es zeigt „Gold-Rosi“ Mittermaier beim Slalom auf ihrem Weg zur Goldmedaille. „Damals war ich noch nicht offiziell für die RHEINPFALZ akkreditiert“, erinnert er sich. Auch beim Gewinn der Bronzemedaille der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft war er dabei. In den Kameras waren Filme, keine Speicherchips. Die Bilder mussten entwickelt werden und waren schwarz-weiß. Die Fotografie sei damals ein Hobby gewesen, sagt Kunz. „Ich hatte noch einen ,ordentlichen“ Beruf. Ich bin eigentlich gelernter Chemotechniker.“ Das Fotografieren sei damals noch hauptsächlich aufs Wochenende beschränkt gewesen. Anfang der 80er-Jahre sei aus Spaß Ernst geworden, das Fotografieren zum Hauptberuf. Und damit auch die Begeisterung für Fußball-Weltmeisterschaften und Olympische Spiele. „Meine ersten Sommerspiele waren die 1992 in Barcelona.“ Die Erinnerungen daran sind noch sehr lebendig. Kunz erzählt von viel Kultur, Festen nach den Wettkämpfen und dem Deutschen Haus. Er sei immer mit Passion und Freude dabei gewesen. Bernhard Kunz schaltet seinen Computer an. Ein Streifzug durch die olympische Geschichte beginnt. Springreiter Hugo Simon ist zu sehen und Hürdensprinterin Gabi Lippe. „Sie ist damals ausgeschieden, weil die Läuferin neben ihr gestürzt ist und sie irritiert hat“, berichtet Kunz. Auf dem Bildschirm erscheint der US-amerikanische Sprint-Star Carl Lewis in Jubelpose bei den Olympischen Spielen in Atlanta. Der deutsche Skirennläufer Markus Wasmeier jubelt im norwegischen Lillehammer über seine Goldfahrt. Triumphe und Tränen – Bernhard Kunz hat sie für die Ewigkeit festgehalten. „Ich habe in Rio etwa 1600 Bilder pro Tag gemacht. Am Ende müssen es rund 20.000 Bilder gewesen sein“, erläutert er. Auf dem Monitor erscheinen Radfahrer Miguel Indurain, Gewichtheber Ronny Weller und Diskuswerfer Lars Riedel. „1996 waren tolle Spiele. Auch, weil Deutschland recht erfolgreich war“, sagt er und lächelt. Ein Pflichttermin sei immer die Eröffnungsfeier gewesen. „Davon wollte die RHEINPFALZ auch immer Bilder haben.“ Bei den Wettkämpfen gehe es dann darum zu beobachten, welche Sportler von der Redaktion verlangt werden könnten. Welcher Außenseiter schiebt sich auf die Medaillenränge? Welcher Favorit strauchelt? Wo landen die Deutschen? Die US-amerikanische Skirennläuferin Picabo Street ist auf dem Bildschirm erschienen. Besser gesagt: ihr Helm, auf dem ein Tigerkopf zu sehen ist. Der Blick fürs Detail abseits der Wettbewerbe gehört einfach dazu. Die Vorbereitungen auf ein sportliches Großereignis beginnen in der Regel ein Jahr vorher, sagt Bernhard Kunz. Akkreditierung organisieren, den Ablauf vor Ort regeln, die Wettkämpfe, zu denen man will, koordinieren, Hotel und Flüge buchen. 14-mal war er bei Olympischen Spielen vor Ort. Da stellt sich automatisch die Frage nach den schönsten Spielen. „Peking 2008. Die waren perfekt durchorganisiert.“ Generell habe er aber nur schöne Erinnerungen an die Spiele im Zeichen der fünf Ringe. Egal ob bei minus 27 Grad in Lillehammer oder bei starkem Schneefall in Turin. „Ich bin Sportfan“, bekennt er. Gibt’s trotzdem eine Sportart, die er bei Olympischen Spielen kritisch sieht? „Golf. Da konkurrieren Multimillionäre um öffentliche Aufmerksamkeit mit Ringern wie Denis Kudla, die noch nicht mal ein Hundertstel von dem verdienen.“ Wir sind beim Durchklicken in Rio angekommen. Momente des Sommers 2016 werden noch mal lebendig: die Beachvolleyballerinen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst mit ihren Goldmedaillen, der Schifferstadter Ringer Denis Kudla mit der Deutschlandfahne. Bei einem guten Foto seien 50 Prozent Glück. Auch weniger schöne Momente hat er erlebt. Der Bombenanschlag 1996 in Atlanta – der war direkt neben seinem Hotel. Ein paar Klicks weiter sind Lance Armstrong, Andreas Klöden, Jan Ullrich und Alexander Winokurow. Auch die gedopten Radfahrer sind in der Sammlung des Mutterstadters. Das hat schon sein Vertrauen in den Spitzensport erschüttert. „Ich traue dem Leistungssport nicht mehr. Das kratzt schon.“ Der Kommerz sei mit den Jahren größer geworden, bedauert der Mutterstadter. Die Folge: „Die Sponsoren bestimmen durch die Kartenkontingente, die sie bekommen, die Anzahl der Zuschauer bei den Wettkämpfen.“ Diese verteilten dann die Eintrittskarten an ihre Kunden. „Und wenn der Kunde nicht sportbegeistert ist, bleiben die Plätze leer und der Sportfan schaut in die Röhre.“ Jetzt ist also Schluss. Oder? Für Olympische Spiele in Paris könnte er vielleicht noch mal rückfällig werden. Wehmütig sei er aber in Rio nicht in den Flieger nach Hause gestiegen, wo er schon beim Sieg der Fußballnationalmannschaft 2014 war. „Es hat alles seine Zeit.“ Die Geschichten, die er erlebt hat, reichen für mehr als einen langen Winterabend am Kamin.

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