Rhein-Pfalz Kreis Rettung aus dichtem Disco-Nebel

Mutterstadt/Limburgerhof. Buchstäblich im Nebel sind die Feuerwehrleute gestanden, die im Aquabella-Hallenbad nach Verletzten suchen sollten. Die Personenrettung unter erschwerten Bedingungen war Teil der gemeinsamen Übung der Feuerwehren Mutterstadt und Limburgerhof. Ziel der Übung war, die Zusammenarbeit und Kommunikation zu üben, erklären die Übungsleiter Sven Doppler aus Mutterstadt und Sven Wilhelmi aus Limburgerhof.
„Hallo! Hilfe!“, ruft ein Mann auf dem Dach und winkt aufgeregt. Hinter ihm steigt schwarzer Rauch auf. Feuerwehrleute rennen in seine Richtung. „Mein Kollege! Er liegt da!“, ruft der Mann und hustet spektakulär. Die Feuerwehrleute fordern eine Drehleiter an und fragen, was passiert sei. Er habe mit dem Kollegen auf dem Dach gearbeitet, sagt der Mann. Es gebe noch Gasflaschen, aber die seien geschlossen, sagt er auf Nachfragen der Wehrleute. Unter dem Dacharbeiter sieht die Glasfront des Aquabella inzwischen aus, als sei sie aus Milchglas. Tatsächlich sei das weißer Nebel aus einer Nebelmaschine, die sich die Feuerwehr von einem Eventmanager geliehen habe. „Es ist Disco-Nebel, mit dem einzigen Unterschied, dass wir hier extra viel davon drauf geben“, sagt Wilhelmi. Weitere Feuerwehrfahrzeuge und Mannschaften aus Mutterstadt und Limburgerhof sind inzwischen eingetroffen. Der Mann vom Dach wird mit einer Drehleiter gerettet, sein bewusstloser Kollege, in Gestalt eines Dummies, wird von einem weiteren Trupp mit einer Trage über den Korb der Drehleiter evakuiert. Dann beginnt der Löschangriff über das Dach. „Die Lage entwickelt sich dynamisch“, stellt Doppler fest. Einen Löschangriff von oben hatte er nicht erwartet. „Das ist die Entscheidung des Abschnittsleiters, der sich ein Bild der Lage macht und dann das Vorgehen seiner Wehrleute plant“, erklärt Doppler. Wichtiger Teil der Übung sei das Einteilen der Einsatzlage in Abschnitte und die Koordination der beiden Feuerwehren. „Mein Kind! Wo ist mein Kind?“, ruft es aus einer Gruppe aufgeregter Frauen. „Mein Kind ist noch da drin!“ Die besorgten Mütter gehören zum Übungsszenario. Neun Personen sind noch vermisst, sechs davon werden von Nachwuchskräften der Jugendfeuerwehr Mutterstadt dargestellt, drei „ohnmächtige Personen“ sind in Gestalt weiterer Dummies im Gebäude versteckt. Trupps mit Atemschutz dringen in den vernebelten Umkleidebereich des Hallenbads vor. „Es ist ziemlich schwer, sich in diesem verwinkelten Bereich zurechtzufinden, wenn man kaum die Hand vor Augen sieht“, erklärt Wilhelmi. Ein wichtiges Hilfsmittel bei der Suche nach Vermissten sei die Wärmebildkamera, die mit ihrem Infrarot-Auge die Wärme menschlicher Körper von der Umgebung unterscheiden könne. Es gebe aber immer noch Situationen, in denen Feuerwehrleute sich nur mithilfe des Tastsinns vorarbeiten müssen. Alle vermissten und verletzten Personen werden gefunden und von den Wehrleuten zu einem Sammelplatz gebracht. Hier kümmern sich die an der Übung beteiligten Rettungssanitäter des Katastrophenschutzes um sie. Dort können auch die besorgten Mütter ihre Sprösslinge wieder in Empfang nehmen. Die Kommunikation der beiden Feuerwehren sollte durch die Übung geprobt werden. Während Limburgerhof schon digital funkt, arbeite Mutterstadt noch analog, erklären die Übungsleiter. Hier die richtigen Schnittstellen zu haben, müsse geübt werden. Dem ersten Eindruck zufolge habe das recht gut geklappt, berichten Doppler und Wilhelmi. Eine genauere Auswertung nahmen die Feuerwehren bei der gemeinsamen Abschlussbesprechung im Mutterstadter Gerätehaus vor. Im Einsatz waren aus Mutterstadt fünf Fahrzeuge und 26 Wehrleute, aus Limburgerhof sechs Fahrzeuge mit 28 Wehrleuten. Die Zusammenarbeit benachbarter Feuerwehren werde immer wichtiger, betonen die Übungsleiter. Die Einsatzbereitschaft tagsüber zu gewährleisten werde schwieriger. „Die Menschen arbeiten in immer weiteren Entfernungen von ihrem Wohnort, das gilt auch für Wehrleute“, stellt Wilhelmi fest. Früher meldeten sich auch junge Männer, die sich als Alternative zum Wehrdienst bei der Feuerwehr verpflichteten. Nach dem Wegfall der Wehrpflicht fehlt diese Motivation. Hoffnung setzen die Feuerwehren auf frühe Förderung: Sowohl in Limburgerhof als auch in Mutterstadt gebe es eine Jugendfeuerwehr.