Otterstadt
Remigiusbücherei hofft auf Zuschüsse
„Freitag der 13. ist für uns wirklich ein Unglückstag“, sagt Straßer. Am Freitag, dem 13. Dezember, fand eine Brandschutzbegehung der Kita Casa Vincentina statt, bei der auf dem Weg in den Heizraum quasi nebenbei die Bücherei im Keller besichtigt und prompt der Raum mit den Kinderbüchern geschlossen wurde. Kein Fluchtweg. Daraufhin hat das Team die Bücherei geschlossen und ein Konzept erarbeitet, wie die Einrichtung nur mit dem Hauptraum weiter betrieben werden kann.
Für die Otterstadter ein herber Schlag, denn für die Weihnachtsferien konnten sie keine Bücher und Spiele ausleihen. Kaum war die Bücherei nach den Ferien wieder geöffnet, folgte Lockdown Nummer zwei im Januar. Denn auch der Hauptraum durfte aus Brandschutzgründen so nicht geöffnet sein, sagt Straßer. Also wurde das Fenster umgebaut, es wurde eine Treppe davorgestellt, über die der Raum verlassen werden kann, Aufkleber für Rettungswege wurden angebracht, die Regale im Flur leer geräumt, und das Büchlein wurde ausgelegt. Ende Januar war Wiedereröffnung und auch danach währte die Freude nicht lang, denn mit der Corona-Pandemie folgte Lockdown Nummer drei, am Freitag, dem 13. März.
Angst, Nutzer zu verlieren
Am 6. Mai öffnete die Bücherei mit Hygienekonzept und Brandschutzauflagen, doch die Lage ist unbefriedigend: Wegen der Ansteckungsgefahr dürfen sich nur ein Besucher oder Personen aus einem Haushalt in dem einzig nutzbaren Raum aufhalten. Die anderen stehen Schlange vor der Bücherei. Straßer hat deshalb Angst, Nutzer auf Dauer zu verlieren, denn eins ist klar: Im Winter mag wohl keiner mehr lange im Freien anstehen.
Würden die Forderungen für den Brandschutz schnellstmöglich umgesetzt, wäre der Raum mit den Kinderbüchern bald wieder nutzbar. Dazu müssen unter anderem Fenster ausgetauscht und eine Fluchttreppe angebracht werden. Außerdem müsste die Eingangstür nach außen öffnen. Zusammen mit dem Umbau im Hauptraum kostet das 17.400 Euro. Hinzu kommt die Sanierung der maroden Beleuchtung, die schon gebrochen ist und ein Sicherheitsrisiko darstellt, für rund 7000 Euro. Soll die Bücherei langfristig erhalten werden, müssten nach Schätzung der Bauabteilung der Verbandsgemeinde Rheinauen, noch einmal 65.000 Euro in Sanierungen gesteckt werden.
Kosten teilen
Zahlen müsste das die Kirchenstiftung Otterstadt, die für Nebenkosten aufkommt sowie die Räume und das Personal stellt – im Moment sind das rund 25 Ehrenamtliche, weitere haben Interesse bekundet. Von der Ortsgemeinde Otterstadt gibt es jährlich 6000 Euro für Medien, vom Bistum Speyer noch einmal 2000 Euro plus einen Online-Katalog und Teilnahme an der Onleihe. „Die Kirchenstiftung Otterstadt kann die erforderlichen Maßnahmen nicht alleine stemmen“, sagt Dekan Frank Aschenberger. Er bittet deshalb die Ortsgemeinde, die Hälfte der Kosten zu übernehmen. Der Bauausschuss bespricht das Thema am Mittwochabend, der Rat entscheidet Ende September.
Wenn die Gemeinde die Hälfte der Kosten übernimmt, so Straßer, dann bleibe die Bücherei das, was die vielen Nutzer so schätzen: das Herz von Otterstadt – ein Ort, an dem man nicht nur Medien ausleihen, sondern – wenn die Pandemie überstanden ist – auch wieder Freunde treffen kann.