Hochdorf-Assenheim / St. Wendel
Reisemobile: Dörr-Gruppe übernimmt in Hochdorf-Assenheim
Auf der Homepage der Dörr Reisemobile GmbH ist es schon zu sehen: Dort wird Hochdorf-Assenheim als Standort der Firma genannt. Das hellblaue Banner in der rechten oberen Ecke des Bildes weist mit dunkelblauer Schrift darauf hin: Neue Filiale. Als Adresse ist die Ludwigshafener Straße 22 angegeben. Wer hier Halt gemacht hat, ist bis vor wenigen Tagen noch bei Reisemobile Euch gelandet. Doch Inhaber Matthias Euch hatte Anfang Mai den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Ludwigshafen stellen müssen.
Der Betrieb in Hochdorf-Assenheim soll aber weitergehen, wie Sandra Wirtz (Depré Rechtsanwalts AG, Mannheim) berichtet. Sie war seinerzeit als vorläufige Insolvenzverwalterin für die Einzelfirma bestellt worden. Der Betrieb sei bis 31. Juli nahtlos fortgeführt worden. Ein großes Lob von ihrer Seite geht daher an Firmeninhaber Matthias Euch und die gesamte Belegschaft. Die Situation sei für alle Beteiligten sehr belastend gewesen. Die Mitarbeiter hätten in den vergangenen Wochen jedoch „uneingeschränkt ihre Arbeitsleistung gebracht“, berichtet Wirtz. „Auch Matthias Euch hat mit seinem Know-how und seinen Vernetzungen uneingeschränkt zur Betriebsfortführung beigetragen.“ So konnten Kundenbestellungen noch abgearbeitet werden. Löhne und Gehälter seien über das Insolvenzgeld für die vollen drei Monate bezahlt worden. Auch die beteiligten Hersteller und Banken hätten ihre Unterstützung zugesagt und die Fortführung unterstützt.
Insolvenzverfahren eröffnet
Zum 1. August sei das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Wirtz ist nach eigener Aussage zur Insolvenzverwalterin bestellt worden. In dem geht es für Sie jetzt darum, die Firma Euch „abzuwickeln“. Ein laufender Geschäftsbetrieb des Einzelunternehmens finde nicht mehr statt. Wirtz’ Aufgabe ist es jetzt, Vermögenswerte zu realisieren, den Stand der Verbindlichkeiten zu ermitteln und dann gegebenenfalls eine sogenannte Insolvenzquote zu ermitteln.
Tobias Dörr, Inhaber und Geschäftsführer der Firma, kennt die Region bereits. Einer seiner jetzt sieben Standorte befindet sich in Hockenheim. „Der Standort ist quasi eskaliert“, berichtet er im RHEINPFALZ-Telefonat von dort offenbar sehr gut laufenden Geschäften. Von daher sei er in der Umgebung auf der Suche nach neuen Immobilien gewesen. Daher habe er Euch übernommen. Sitz der Dörr-Gruppe ist im saarländischen St. Wendel. Außerdem hat die Firma noch Dependancen in Ilmenau (Thüringen), Rees am Niederrhein (Kreis Kleve), Burgoberbach (Landkreis Ansbach) und Beverungen (Kreis Höxter).
Dörr hat einiges vor
Dörr hat nach eigener Aussage auch noch einiges vor mit dem Standort in der Vorderpfalz. So sollten die Werkstattkapazitäten ausgebaut werden. Dafür sollen zehn neue Stellen geschaffen werden. Am Ende soll der Service in der Region zum Großteil in Hochdorf-Assenheim über die Bühne gehen. Ins operative Geschäft wolle man ab Anfang September starten. Aufträge würden aber schon ab 15. August angenommen werden. Auch eine repräsentative Ausstellung soll es in absehbarer Zeit geben.
„Ich glaube, dass hier noch viel möglich ist“, betont der 39-Jährige. Er wolle auch nicht ausschließen, dass am Standort Hochdorf-Assenheim noch mal baulich nachgelegt werde. Im Fokus stehe jedoch zunächst mal, den neuen Standort ans Laufen zu bringen. In ein bis zwei Jahren werde man schauen, ob man die vorhandene Infrastruktur noch ausbauen könne.
Circa 300 Mitarbeiter
Dörrs Werdegang ist dabei ähnlich gelagert wie bei Matthias Euch. Dörr hat nach eigener Aussage mit einem Autohandel angefangen. Über seinen Vater sei er dann ins Geschäft mit den Reisemobilen gekommen. Mittlerweile gebe es die Firma seit 29 Jahren. Die Filialen seien alle unter seiner Ägide gegründet worden. Und mit Hochdorf-Assenheim soll noch lange nicht Schluss sein. Tobias Dörr will mittelfristig zwölf Standorte etablieren. Aktuell habe die Firma circa 300 Mitarbeiter. Für dieses Jahr peile man einen Umsatz von rund 130 Millionen Euro an. Der überwiegende Teil des Geschäfts spiele sich im deutschsprachigen Raum ab, erklärt Tobias Dörr, der einen Großteil der bisherigen Belegschaft übernehmen will.
Der Betrieb in der Ludwigshafener Straße hatte 1974 seinen Ursprung mit einer Tankstelle. Über die Schiene Autohaus, das laut Matthias Euch 2004 geschlossen worden sei, entstand in den 1990er-Jahren die Firma für Reisemobile. 2022/23 ist laut Matthias Euch noch der Anbau an die Werkstatt realisiert worden. Die Kunden kämen aus Europa, aber auch aus der Mongolei und aus Saudi-Arabien. Gelitten hat die Firma in den vergangenen Monaten laut Euch vor allem unter dem Preiseinbruch nach der Corona-Pandemie. Das Firmengelände erstreckt sich auf eine Fläche von rund 8500 Quadratmeter.