Maxdorf RHEINPFALZ Plus Artikel Realschule: Kreis in Baustellen-Bredouille

Verwaiste Baustelle. Die Absprache mit der Baufirma läuft laut Kreisverwaltung schlecht. Landrat Clemens Körner sorgt sich auch,
Verwaiste Baustelle. Die Absprache mit der Baufirma läuft laut Kreisverwaltung schlecht. Landrat Clemens Körner sorgt sich auch, dass künftige Arbeiten womöglich nicht ordentlich ausgeführt werden könnten.

Nichts rührt sich mehr auf der Baustelle. Dort wo ein Erweiterungsbau für die Maxdorfer Realschule entstehen soll, sind Rohre und Folien zu sehen. Dabei sollte bereits der Rohbau stehen. Es gibt Probleme mit der Baufirma und bislang keine richtige Lösung, wie es weitergeht.

Beraten wird das ganze Dilemma um die Baustelle an der Maxdorfer Realschule gerade verwaltungsintern beziehungsweise nichtöffentlich in den politischen Kreisgremien. Zuviel will Landrat Clemens Körner (CDU) nicht an die Öffentlichkeit geben, schon gar keine Strategie verraten. Sofern es eine solche überhaupt gibt. Denn die „Sache ist ganz schön verfahren“, wie aus unterrichteten Kreisen zu hören ist.

Vor vier Jahren, im Februar 2018, wurde im Kreisausschuss die Entwurfsplanung für den Erweiterungsbau vorgestellt. Demnach sollen darin 13 Klassensäle und einige Nebenräume Platz finden. Das neue Gebäude ist nötig geworden, weil 2017 der Beschluss gefallen war, die neunten und zehnten Klassen der Realschule nach Maxdorf ans Schulzentrum zu holen und die Außenstelle der Lambsheimer Karl-Wendel-Schule aufzulösen. Das sollte zum einen den Schulalltag vor allem für die Lehrer, die pendeln mussten, erleichtern und die Schulgemeinschaft zusammenwachsen lassen. Die Ortsgemeinde Lambsheim hatte außerdem mehr Platz beansprucht für Kita und Grundschule. Seither ist man in Maxdorf zusammengerückt. Klassen werden teilweise in Containern, teilweise im benachbarten Gymnasium unterrichtet. Der Neubau soll geordnete Verhältnisse schaffen. Doch jetzt ist das Projekt komplett ins Stocken geraten.

Stillstand lässt sich nicht verheimlichen

Das Hausmeistergebäude an der Schulstraße, das dem Neubau weichen musste, ist abgerissen. Aber von etwas „Neuem“ ist noch nichts zu sehen. „Seit Mitte Dezember rührt sich da draußen gar nichts mehr“, sagt Landrat Körner auf Anfrage. Das sei Fakt und lasse sich auch gar nicht verheimlichen. „Die Lehrer fragen ja schon. Und die Maxdorfer, die da draußen unterwegs sind, sehen, dass es nicht weitergeht.“

Für die Kreisverwaltung ist es eine schwierige Situation. Das geht aus Körners Ausführungen hervor. Die Zusammenarbeit mit der sizilianischen Firma, die den Rohbau fertig stellen soll, gestaltet sich als kompliziert hinsichtlich Absprachen und Termineinhaltung. „Sollte das Unternehmen klamm sein, werden wir nicht in Vorkasse treten, um nicht in Gefahr zu laufen, am Ende keine Leistung zu erhalten“, sagt Körner. Ihn treibt außerdem die Sorge um, dass der Unternehmer aus finanziellen und zeitlichen Gründen nicht ordentlich arbeiten könnte. So müssen etwa noch Baustahlmatten für die Bewehrung vor dem Betonieren abgenommen werden. Diesen Nachweis konnte die Firma bislang nicht bringen. Das mit der Bauleitung beauftragte Architektenbüro raufe sich angesichts der schwierigen Zusammenarbeit bereits die Haare. „Der Rohbau sollte im Dezember fertig sein. Es liegt nicht einmal die Bodenplatte“, sagt Körner. Da helfe es wohl auch nicht mehr, dass man die Frist der Fertigstellung verlängere.

Rat des Anwalts gefragt

Und jetzt? Ist guter Rat teuer. Der soll unter anderem vom Anwalt des Vertrauens der Kreisverwaltung kommen. Denn die Frage ist nun, wie man weiter verfährt, ohne sich in juristische Nesseln zu setzen. Aber auch baufachlich gilt es, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Bringe es denn etwas, auf Einhaltung von Fristen zu pochen und dann „rückt an einem Wochenende ein Bautrupp mit 100 Mann an, aber nichts ist gescheit gemacht?“

Was ist jedoch, wenn eine Frist verstreicht und nichts ist passiert? Nochmals verlängern? Oder den Vertrag kündigen? „Dann geht jedenfalls alles von vorne los. Wir können ja nicht einfach den zweitgünstigsten Anbieter aus der alten Ausschreibung nehmen. Wir müssen den Auftrag neu ausschreiben. Und haben obendrauf möglicherweise einen Prozess mit der jetzigen Baufirma zu führen“, meint der Landrat und seufzt. Er hätte gerne, dass der Erweiterungsbau an der Realschule so schnell wie möglich steht. Und jetzt das. Eine Fertigstellung und Übergabe an die Schule scheint in unbestimmte Ferne gerückt. In den kommenden Tagen, mit Rat des Anwalts und Zustimmung der Kreisgremien, sollen Entscheidungen zu den nächsten Schritten fallen.

Für die Schulgemeinschaft der Realschule heißt es weiter warten. Dabei zieht sich die Sache Erweiterungsbau für Schüler wie Lehrer ohnehin schon eine gefühlte Ewigkeit hin. Alleine die Vorplanungen mit allen Details, Einwendungen und Formalitäten haben lange gedauert, meint die erste Konrektorin Ulrike Busching, die derzeit die Schule kommissarisch leitet. Das möge normal sein, aber der Stillstand jetzt sei schon ein Unding. „Wir gucken sehnsüchtig auf die Baustelle und hoffen, dass es endlich weitergeht“, sagt sie. Es werde Zeit, dass sich die Situation an der Schule verbessert. „Ich werde ja schon neidisch, wenn ich nebenan durchs Gymnasium laufe.“

Beengt und dann noch Corona

Seit Auflösung des Lambsheimer Standorts 2017 ist man, wie gesagt, an der Maxdorfer Realschule zusammengerückt. „Grundsätzlich hat es uns gut getan, nicht mehr zweigeteilt zu sein. Mit den Klassen an der Karl-Wendel-Schule hatten sich fast zwei Schulen entwickelt. Aber seit der Zusammenführung sitzen wir eben auch sehr eng aufeinander und das ist nicht schön“, sagt Busching. Auf der Rückseite der Schule stehen ihr zufolge zwei Container. Ein großer und ein kleiner. Drei Klassen sind darin untergebracht. Zwei Klassen haben Asyl im Gymnasium gefunden. Eine andere Klasse hat ihre Zelte derzeit im Biologiesaal aufgeschlagen. „Unsere Fachräume werden immer wieder zweckentfremdet. Schlimmer aber noch ist, dass wir eigentlich keine Sozial- oder Rückzugsräume mehr haben“, sagt die Konrektorin.

So gebe es derzeit keinen Raum für die Schulsozialarbeiterin oder den Berufseinstiegshelfer. Es gebe kein Elternsprechzimmer oder einen Ruheort für Ganztagsschüler. Es gebe ein Arbeitszimmer für 45 Lehrer. „Unsere Bibliothek wird drei- oder vierfach genutzt: als Bibliothek eben, als Auszeitraum, als Elternsprechzimmer und bei Notfällen auch mal als Sanitätsraum. So behelfen wir uns jetzt schon sehr lange und das bei so hohen Schülerzahlen wie noch nie“, beschreibt Busching die angespannte Raumsituation. Und dann sei ja noch Corona dazu gekommen. Abstand halten, wenn ohnehin alles zu eng ist. „Das sind echte Herausforderungen.“ Buschings Unmut ist herauszuhören. Ganz resigniert hat sie noch nicht. Irgendwann muss es da draußen auf der Baustelle doch mal weiter- und dann hoffentlich auch vorangehen.

Ein Kran steht schon mal, aber er alleine nützt nichts.
Ein Kran steht schon mal, aber er alleine nützt nichts.
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