Mutterstadt
Real-Markt-Schließung: Verlieren die anderen Geschäfte Kunden?
Großer Gewinner der Schließung des Real-Markts könnte Aldi sein, der dann im Gewerbegebiet der einzige große Markt mit einem umfassenden Lebensmittel-Angebot sein wird. Doch darüber möchte Tobias Heck, bei Aldi Süd Leiter der regionalen Filialentwicklung, nicht spekulieren und bekräftigt: „Wir werden an unseren Plänen festhalten und unsere Filiale dort modernisieren, sobald die Genehmigungen vorliegen.“
Geplant ist, die Filiale Mitte 2022 umzubauen, die Verkaufsfläche um 200 auf 1200 Quadratmeter zu vergrößern und Ende 2022 wieder zu öffnen. Die Filiale soll während des Umbaus fast durchgehend geöffnet bleiben.
Unabhängig davon gibt es im Gewerbegebiet noch kleinere Lebensmittelmärkte mit einem spezialisierten Angebot, zum Beispiel der Gemüsehändler Vollreif, Herrmanns Feinkost oder der Getränkemarkt Schulz. Inhaber Sebastian Schulz spricht in diesem Zusammenhang von zwei Seiten der Medaille. „Einerseits kommen schon jetzt Real-Markt-Kunden, darum hoffen wir, dass wir noch mehr gewinnen können. Andererseits haben wir schon die Befürchtung, dass die Leute nicht mehr für ihren Lebensmitteleinkauf ins Gewerbegebiet kommen“, sagt er. Den Anteil dieser Laufkundschaft schätzt er auf 20 bis 30 Prozent. Er wolle jetzt gezielt Real-Markt-Kunden ansprechen.
Kunden kommen gezielt
Auch die Non-Food-Geschäfte profitieren von den Real-Markt-Kunden. Eine monatelange Schließung könnte sich im Umsatz bemerkbar machen. So nutzen viele ihren Einkauf, um im Gewerbegebiet zu tanken. Wie sich bei der dortigen Tankstelle in der Schließzeit Umsatz- und Kundenzahlen entwickeln könnten, darüber möchte die Jet Tankstellen Deutschland GmbH keine Auskunft geben, sagt Pressesprecher Niels Wick. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben die Tankstelle gemietet und betreibt diese über einen Pächter. Ebenso äußert es sich nicht darüber, ob bei der Tankstelle alles so bleibt wie bisher.
Vis-à-vis vom Real-Markt liegt die Filiale des Adler-Modemarkts. Das Unternehmen gehört seit September 2021 der Zeitfracht GmbH & Co. KGaA mit Sitz in Berlin. Das Logistik-Unternehmen vereint mehrere Firmen unter seinem Dach, informiert Sprecher Matthias Burkhard. Er ist überzeugt, dass die Real-Markt-Schließung keinen Einfluss auf den Umsatz der Filiale haben wird: „Die Kunden kommen direkt zu uns, auch weil wir viele Sonderaktionen bewerben. Ich glaube sogar, dass der Real-Markt von unseren Kunden profitiert hat“, sagt er.
Zudem sei das Angebot seit Übernahme erweitert worden, zum Beispiel um Bücher und Haushaltselektronik. In Zukunft soll es auch ein Café im Markt geben. Ebenso optimistisch ist man im Drogeriemarkt dm: „Die große Mehrheit unserer Kunden kommt ganz gezielt zu unserem dm-Markt“, sagt der Gebietsverantwortliche Thorsten Herfeldt.
Neuer Markt gibt Hoffnung
Ähnlich zuversichtlich ist das Unternehmen Jysk. Grund sei der Mix aus Stammkunden, Laufkundschaft und Kunden, die gezielt auf Prospekt-Werbung reagieren, erläutert Michael Rotermund, Sprecher von Jysk Deutschland. „Mit der Werbung sind wir sehr aktiv, um immer wieder Impulse für die Kunden zu geben.“ So könne man auch schnell mit Aktionen reagieren, etwa wenn sich die Schließung doch bemerkbar machen sollte. „Wir werden die Situation vor Ort genau beobachten“, sagt der Sprecher. Seit September 2021 firmiert das Unternehmen in Deutschland unter dem Namen Jysk, zuvor hieß es hierzulande Dänisches Bettenlager.
Gelassen sieht auch Ralf Häge, Geschäftsführer von Henrys Auktionshaus, die Real-Schließung. Die meisten seiner Kunden sind sogenannte registrierte Kunden. „Sie haben vor Auktionen einen Katalog von uns erhalten und kommen daraufhin aus Interesse direkt zu uns“, sagt er. Das seien meist auch die Leute, die dann in der Modeabteilung vorbeischauen, wo es hochwertige Markenware zu reduzierten Preisen gibt. Kunden, die spontan nach oder vor einem Einkauf im Real kommen, gebe es nur sehr wenige. Für die Autowaschanlage, die er in unmittelbarer Nähe des Auktionshauses betreibt, ist Ralf Häges Prognose noch offen: „Da müssen wir schauen, wie sich das in der Zeit der Schließung entwickelt.“ Doch er ist zuversichtlich, weil er auch hier viele Kunden übers sogenannte Direktmarketing, etwa mit Gutscheinen, erreichen würde. Außerdem habe sich für die Waschanlage ein Stammkundenkreis etabliert. Grundsätzlich sieht Ralf Häge den Umbau des Real-Marktes und die Neueröffnung durch – sehr wahrscheinlich – Edeka positiv: „Das wird für den Lebensmittelmarkt eine Aufwertung.“ Und davon profitierten alle.
Lieferengpässe bereiten eher Sorge
Auch zu Fahrrad Koch kommen fast alle Kunden gezielt, berichtet Nadja Koch von der Geschäftsleitung. „Ein Grund ist, dass wir hier im Gewerbegebiet etwas versteckt liegen“, berichtet sie. Kunden, die zum Real einkaufen wollen, fahren nicht direkt am Geschäft vorbei. „Darum wird die Schließung sich wohl nicht auf unseren Umsatz auswirken.“ Viel mehr Sorgen machen ihr die weltweiten Lieferengpässe bei den Händlern, die auch die Fahrrad-Branche zu spüren bekomme. Liefertermine für Räder und Ersatzteile würden sich verschieben und alles verteuern. Dennoch liefen die Geschäfte gut, seit Corona sei das Radeln beliebter denn je, berichtet Nadja Koch.
Verlierer der Corona-Krise ist mit Sicherheit die Gastronomie. Der letzte Dämpfer sei die Einführung der 2G-plus-Regelung wenige Wochen vor Weihnachten gewesen, berichtet Manuela Della Pepa. Sie betreibt in der Fohlenweide das Café Nostalgie. Mit der Einführung seien schlagartig die Gäste weggeblieben, gerade einmal zehn Prozent ihres üblichen Umsatzes konnte sie danach erwirtschaften. „Eine Katastrophe“, sagt sie, „eigentlich hätten wir auch zumachen können.“ So langsam aber kämen wieder Gäste. Ob die Schließung des Reals noch einmal einen Rückschlag bedeuten könnte oder vielleicht sogar einige Kunden bringen werde, die sonst in der Bäckerei Görtz Kaffee und Kuchen genießen, das könne sie nicht einschätzen. „Seit gut zwei Jahren ist ja nichts mehr normal“, meint Manuela Della Pepa. Sie hofft natürlich sehr, dass der Umstand keine weiteren negativen Folgen für sie hat, denn sie leide immer noch wirtschaftlich unter den Folgen der Corona-Krise.