DUDENHOFEN / WALDSEE
Rathäuser: Die Türen bleiben erst mal zu
Der Wille wieder zu öffnen sei da, sagen Detlef Schneider und Stefan Schall, die Büroleiter der Verbandsgemeindeverwaltungen Rheinauen und Römerberg-Dudenhofen fast unisono. Doch einfach wieder die Tür aufsperren, so einfach sei das eben nicht. „Es ist echt schwierig“, seufzt Schall. Seine Verwaltung hatte in der Pandemie – ebenso wie die Verbandsgemeinde Rheinauen, aber anders als beispielsweise die Verbandsgemeinde Lingenfeld – entschieden, das Rathaus zu schließen. Natürlich konnten Bürger ihre Angelegenheiten weiterhin dort bearbeiten lassen. Allerdings mussten sie dazu einen Termin ausmachen, auf den sie schon mal etliche Wochen warten mussten. Mit dem näherrückenden Ende der Pandemie steigt der Druck auf die Verwaltungen, wieder regulär zu öffnen. „Mit fallenden Inzidenzen können wir uns als Dienstleister dem nicht entziehen, das Angebot wieder zu erhöhen“, sagt Schneider.
Vergangene Woche ist das Thema in der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen in einer Bürgermeisterdienstbesprechung ausgiebig diskutiert worden, wie Schall berichtet. Doch so wie vorher, das zeichnet sich ab, wird es wohl nicht mehr werden. „Wir denken schon daran, das System der Terminvereinbarung beizubehalten“, sagt der Büroleiter. Das betreffe zum Beispiel das Bürgerbüro und die Kfz-Zulassung, aber auch Standesamt, Bestattungswesen oder den sozialen Bereich. „Die Leute wissen, sie haben einen Termin und kommen auch dran“, nennt Schall den entscheidenden Vorteil dieser Regelung. Und auch im Waldseer Rathaus wird darüber nachgedacht, das System der Terminvergaben langfristig zu etablieren.
Das Problem: Derzeit müssen die Bürger mehrere Wochen warten, bis sie überhaupt einen Termin bekommen. Besserung ist aber in Sicht, wenn wieder mehr Menschen gleichzeitig zum Beispiel ins Dudenhofener Bürgerbüro kommen dürfen und wenn die Verwaltungsmitarbeiter aus dem Homeoffice zurückgekehrt sind.
Noch viele im Homeoffice
Denn momentan ist es noch ziemlich leer auf den Rathaus-Fluren. „Die Verordnung, die Arbeitgeber zum Angebot von Homeoffice verpflichtet, gilt noch bis 30. Juni“, sagt Schneider. Perspektivisch wolle man die Mitarbeiter aber wieder zurückholen. „Das müssen wir, damit der Betrieb vollumfänglich stattfinden kann“, erklärt der Büroleiter.
Was Stefan Schall mit Blick auf eine mögliche Öffnung der Rathäuser vor allem Bauchschmerzen macht: Wie lässt sich die Kontrolle über die Besucherströme behalten? „Es gibt nach wie vor die Möglichkeit, dass man sich anstecken kann“, verweist er darauf, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist. Es sei mitnichten so, dass die Verwaltungsmitarbeiter alle durchgeimpft seien, ergänzt Detlef Schneider. Mindestens die Hälfte habe noch keinen vollen Impfschutz, schätzt er.
In beiden Verwaltungen sollen deshalb in den kommenden Wochen noch interne Gespräche stattfinden, wann und wie geöffnet wird. „Es gibt noch kein abschließendes Szenario“, sagt Schneider. Seine Prognose: „In oder nach den Sommerferien“ werde die Verbandsgemeindeverwaltung Rheinauen schrittweise in den regulären Dienstbetrieb zurückkehren. „Immer vorausgesetzt die Inzidenzwerte bleiben auf einem niedrigen Niveau“, sagt er. Schall äußert sich für sein Haus noch vorsichtiger: „Wir müssen die Dinge noch intern in einem engen Kreis durchleuchten. Es sind noch viele Punkte zu klären“, sagt er. Eins sei klar: „Wenn wir öffnen, dann müssen beide Rathäuser – Dudenhofen und Römerberg – offen sein. Etwas anderes könnte der Bürger nicht nachvollziehen.“ Dass andere Verwaltungen wie die Lingenfelder während der gesamten Pandemie geöffnet bleiben konnten, erklärt er mit Zusatzaufgaben, die es in Dudenhofen gebe und die zu einem großen Besucherandrang führten. „Wenn wir die Kfz-Zulassung nicht hätten, wäre hier auch manches entspannter“, ist Schall sicher.
Zur Sache: Räte und Ausschüsse
Auch über die Rückkehr der Kommunalpolitik in den Normalbetrieb machen sich die Gemeinden Gedanken. In der Verbandsgemeinde Rheinauen wurde in den vergangenen Monaten konsequent auf Videokonferenzen gesetzt, wenn es darum ging, wie die Ausschüsse und Räte tagen. „Es ist angedacht, die Sitzungen nach den Sommerferien wieder in Präsenz stattfinden zu lassen“, sagt Büroleiter Detlef Schneider. In der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen waren Videokonferenz-Sitzungen die Ausnahme geblieben. Die Räte und Ausschüsse waren stattdessen auf größere Räume und Hallen ausgewichen. Wie lange die Sitzungen noch in den Ausweichquartieren stattfinden, müsse noch geprüft werden, sagt der büroleitende Beamte Stefan Schall. Denn diese werden mit den Lockerungen der Corona-Beschränkungen auch verstärkt wieder von den Vereinen gebraucht. In der Verbandsgemeinde Lingenfeld sollen laut Büroleiter Jens Hinderberger voraussichtlich Ende Juni wieder alle Sitzungen in Präsenz stattfinden. Dann tagen zum Beispiel die Ortsgemeinderäte Lingenfeld und Schwegenheim sowie der Verbandsgemeinderat.