Rhein-Pfalz-Kreis Ratekrimi: Palzki und der Landratswingert
Es hätte so ein schöner Tag werden können. Urlaubsplanung und weitere wichtige Dinge standen zurzeit auf unserer Tagesordnung und überlagerten die Polizeiarbeit. Und da passierte es: Während wir im Kollegenkreis diskutierten, ob wir die tägliche Pizza-Lieferung auf die Dienststelle für das nächste Jahr neu ausschreiben sollten, platzte KPD, wie wir unseren Chef Klaus P. Diefenbach nennen, in unsere Runde.
„Herr Palzki, ich suche Sie überall. Warum sind Sie nicht in Ihrem Büro?“ Oft war es hilfreich, ihm etwas zu schmeicheln. „Oh, jetzt haben Sie uns überrascht, wie wir gerade über das Geschenk diskutieren, das wir Ihnen zum Geburtstag schenken wollen.“ Während sich die Kollegen zur Seite drehten, um nicht herauszulachen, war unser Chef beeindruckt. „Ich wusste, dass ich als guter Chef dieser Dienststelle auf Sie abfärbe. Ich bin sehr zufrieden mit Ihnen.
Eigentlich wollte ich Ihnen nur sagen, Herr Palzki, dass Sie mich gegen Abend zu einem Termin in Waldsee begleiten dürfen.“ Dürfen? Das hieß bei KPD stets müssen. „Was wollen wir dort?“, fragte ich vorsichtig nach. „Wein“, sagte KPD. „Es geht um Wein.“ Mir fiel die Kinnlade nach unten. Wein, ausgerechnet Wein! Ich musste unbedingt vorher überprüfen, ob ich genügend Tabletten gegen Sodbrennen dabeihatte.
Ein trinkbarer Tropfen
Am späten Nachmittag ging es los. Ich durfte im neuen Dienstwagen meines Chefs mitfahren. „Das ist die Waldseer Sommerfesthalle“, sagte er, als wir das Ziel erreichten und tat so, als wären wir zum ersten Mal an diesem Ort. Ein freundlich lächelnder Mann kam auf uns zu. „Hallo, Herr Diefenbach“, begrüßte er meinen Chef. „Schön, dass Sie auf Ihrer Dienststelle abkömmlich sind und zu unserem jährlichen Weinevent kommen konnten.“
„Selbstverständlich, Herr Platz“, antwortete KPD stolz. „Als Weinkenner und Weinliebhaber lasse ich mir doch die Vorstellung des neuen Regent nicht entgehen. KPD ging mit keinem Wort auf mich ein. Ich dagegen fragte mich, wer der Regent sein könnte, den KPD gemeint hatte. Nach einer kleinen Unterhaltung befahl mir mein Chef, ihn in die Halle zu folgen. Nachdem er auch den Landrat Clemens Körner begrüßt hatte, setzten wir uns an einen der langen Tische. KPD bestellte für sich und mich einen Wein. Trotz größter Befürchtungen war er für mich durchaus trinkbar.
„Ich darf Sie alle begrüßen“, sprach der Landrat, der auf der Bühne stand, zum Auftakt in ein Mikrofon. „Wieder einmal liegt ein tolles Weinjahr hinter uns“, sprach Körner weiter. „Heute werde ich wieder rund zwei Dutzend Weinpatinnen und Weinpaten ehren, die neben einer Urkunde eine 1,5 Liter Magnumflasche des aktuellen 2022er Jahrgangs erhalten.“ Er wurde durch einen heftigen Applaus unterbrochen. „Lassen Sie mich zunächst noch von den Aktionen berichten, bei denen die bisherigen Weinpaten mitgewirkt haben. Wie jedes Jahr, fand zum Sommeranfang, passend zum Ende der Spargelzeit, der diesjährige Rebenschnitt statt. Doch hierzu erzählt Ihnen Sonja Merkel vom Weingut Merkel näheres.“
Hochinteressant, aber falsch
Er gab das Mikrofon an Frau Merkel weiter, die zunächst ebenfalls alle Anwesenden begrüßte. „Im Landratswingert, in dem der Regent seit Jahren unter unserer fachlichen Anleitung wächst, wurden an dem vom Landrat genannten Termin die Reben geschnitten. Die Weinpaten haben dabei gelernt, dass je Quadratmeter, die ein Rebstock an Bodenfläche zur Verfügung hat, etwa acht Augen eines Zweiges stehen bleiben. Der Rest wurde durch die Weinpaten abgeschnitten.“ Sie holte kurz Luft. „Dadurch ist eine reichhaltige Lese möglich und die Qualität der Trauben wird entsprechend gut. Der Regent gilt als robust, stark und kann sich gut gegen Pilzkrankheiten wehren.“
Inzwischen hatte selbst ich kapiert, dass der Regent eine Weinsorte war und keine Person. Nun hielt Landrat Clemens Körner eine Magnumflasche des Landratweins in die Höhe. „Die Regenttrauben haben dieses Mal ein Mostgewicht von 83 Grad Oechsle.“ KPD stieß mich in die Seite. „Ich hoffe, dass ich auch als Weinpate geehrt werde. Solch ein guter Tropfen fehlt noch in meiner Sammlung. Haben Sie auch gut zugehört, Herr Palzki? Die Erklärungen des Landrats und der Dame vom Weingut waren höchst interessant und dabei voll und ganz zutreffend. Hier konnte sogar ich noch was lernen.“
In dem Moment meldete sich der Landrat wieder zu Wort. „Als kleinen Spaß haben Frau Merkel und ich, wie bestimmt einige bemerkt haben, zwei kleine Falschinformationen eingebaut. Na, wer von Ihnen weiß Bescheid?“ Nun schaute KPD wie ein begossener Pudel aus der Wäsche und ich freute mich wie ein kleines Kind. Mir waren die beiden Fehler nämlich sofort aufgefallen.
Lösen Sie den „Fall“
Wissen Sie, was war Kommissar Palzki aufgefallen war? Schicken Sie die Lösung mit Ihrem Namen und Ihrer Anschrift per E-Mail an redrpk@rheinpfalz.de oder postalisch an DIE RHEINPFALZ, Rhein-Pfalz-Kreis-Redaktion, Amtsstraße 5-11, 67059 Ludwigshafen. Der Einsendeschluss ist Montag, 26. September. Zu gewinnen gibt es ein handsigniertes Buch von Harald Schneider.
Auflösung
Im vergangenen Ratekrimi „Palzki und Maxdorfs tragisches Ende“ entlarvte sich Klaus Rook als Betrüger, denn sein Ausweis war gefälscht. 1942 gab es des Bundesland Rheinland-Pfalz, das in dem angeblichen Dokument vermerkt war, noch nicht. Viele Ratekrimi-Fans sind diesem Betrug auf die Schliche gekommen. Gewonnen haben Beate Hauck aus Maxdorf und Hans-Jürgen Rapp aus Ludwigshafen. Herzlichen Glückwunsch!