Frankenthaler Umland
Radon: Unsichtbare Gefahr im Haus
Das Landesamt für Bergbau und Geologie (LBG) fordert bei der Planung von Neubaugebieten, die Radonkonzentration im Boden zu messen, und das Landesamt für Umwelt (LfU) rät zu Messungen für den einzelnen Bauplatz. Frank Wolf von den P4-Architekten in Frankenthal lässt generell bei Bauvorhaben ein Bodengutachten erstellen, das neben der Radonbelastung auch Bodenbeschaffenheit, Schadstoffe und Grundwasserstand untersucht. „Bislang hatten wir nur einmal in Rheinhessen eine kritische Radonkonzentration“, sagt er auf Anfrage.
Im Frankenthaler Umland finden sich Gebiete mit höheren Radonkonzentrationen zum Beispiel im Heßheimer Deponiegebiet, im nördlichen Gewerbegebiet Frankenthal und im Recyclinghof Sandgrube Gratwohl nördlich von Dirmstein. Das zeigt ein Blick auf die Karte „Radonkonzentration“ des LfU. Was die Karte noch verdeutlicht: Gerade in den dicht besiedelten Gebieten der Vorderpfalz gibt es viele Messlücken.
Ansammlung im Keller
Im geplanten Heßheimer Baugebiet Südwest liegt die Radonkonzentration beispielsweise zwischen 12.000 und 22.000 Becquerel pro Kubikmeter, wie Messungen im vergangenen Jahr zeigten. Eine laut Gutachter niedrige Konzentration. Doch wenige Tausend Becquerel Radon pro Kubikmeter Bodenluft reichen laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) aus, damit sich das Gas in undichten und wenig belüfteten Kellern ansammelt. „Die Konzentration im Erdgeschoss ist meist schon bedeutend geringer, sie nimmt für die höher liegenden Stockwerke weiter ab“, teilt die Kreisverwaltung mit. Bei schlechter Lüftung könne das Gas allerdings aus höheren Geschossen nicht entweichen.
Bei Neubauten besteht laut Strahlenschutzgesetz die Pflicht, „durch bauliche Maßnahmen weitgehend zu verhindern, dass Radon in das Gebäude eindringen kann“. Explizit nennt der Gesetzgeber als Maßnahme einen Feuchteschutz. Das kann durch die sogenannte Weiße Wanne gewährleistet werden, einer wasserundurchlässigen Stahlbetonkonstruktion. Oder durch Beschichtung der Außenwände des Kellers mit Bitumen- oder Kunststoffbahnen, auch Schwarze Wanne genannt. Die Kreisverwaltung verweist auf eine Planungs- und Ausführungsnorm für die Abdichtung von Bauwerken und Bauteilen im Neubau. Eine Pflicht zum Schutz vor Radon besteht laut Gesetz auch bei baulichen Veränderungen.
Den künftigen Bauherren im Wohngebiet Südwest rät das Planungsbüro zu einem „allgemein üblichen Schutz gegen eindringende Bodenfeuchte und eine gasdichte Durchführung von Versorgungsleitungen“. Dazu das LfU auf seiner Internetseite: Ein kaum wahrgenommener Riss sei für das Gas ein weit geöffnetes Scheunentor. Auch Baumaterialien wie Fliesen, Granit, Kalksandstein, Gips oder Beton können Radon im Haus freisetzen. Doch laut BfS liegt dieser Anteil unter 20 Becquerel pro Kubikmeter.
Kritisch wird es bei Radon in älteren Gebäuden, die Naturböden im Keller haben, etwa Sandsteinpflaster. Durch undichte Fugen kann das Edelgas eindringen. „Ich habe schon Altbauten gesehen, da war die Bausubstanz im Keller so mangelhaft, dass wir eine Radonkonzentration von 5000 Becquerel pro Kubikmeter gemessen haben“, sagt Patrik Neuschwander, Leiter Technik bei SafeRadon in Heidelberg. Das Unternehmen widmet sich dem Radonschutz an Gebäuden und bietet Messgeräte an, die Kunden zur Auswertung an das firmeneigene Labor schicken können.
Messung über Monate
Gemessen wird über sogenannte Exposimeter. Die kosten zwischen 20 und 50 Euro. Eine Messreihe wird mit zwei Geräten empfohlen, die über drei bis sechs Monate im Keller und Erdgeschoss platziert werden. Die Funktionsweise: Radon dringt in den Behälter ein. Beim Zerfall der Atome hinterlässt die Strahlung mit sogenannten Alphateilchen Spuren auf einer Detektorfolie. Daraus lässt sich die Radonkonzentration ableiten.
Messungen im Bestand sind nach BfS-Angabe nicht zwingend, jedoch sollten Behörden über Gesundheitsrisiken durch Radon informieren und Bürger für Schutzmaßnahmen gewinnen. Die Messungen im Wohnhaus oder auf einem Grundstück sollten über längere Zeit erfolgen. „Hohe Feuchtigkeit macht den Boden dicht, das Gas kommt nicht raus, und man misst eine hohe Radonkonzentration“, erklärt Neuschwander. Wenn im Hochsommer der Boden brüchig sei, ströme das Gas dagegen in die Atmosphäre, und die Konzentration sei niedrig.
SafeRadon arbeitet nach eigenen Angaben bundesweit. Neuschwander weiß: „Selbst bei uns in der Region herrscht in vielen Gebäuden eine schädliche Konzentration vor.“ Gebe es ein Radonproblem im Bestandsbau, bei dem intensives Lüften keine Hilfe bringt, dann heiße es: nachträglich abdichten. Auch absaugen oder eine Radondrainage seien Möglichkeiten.
Noch Fragen?
Das Radon-Handbuch des BfS findet sich unter www.bfs.de/radon-handbuch.