Lambsheim / Maxdorf RHEINPFALZ Plus Artikel Rückkehr des Bibers beschäftigt die Politik

Biber sind gut an das Leben im Wasser angepasst.
Biber sind gut an das Leben im Wasser angepasst.

Seit 1840 galt der Biber in Rheinland-Pfalz als ausgestorben, bis vor wenigen Jahren die ersten Nagetiere wieder einwanderten. Oftmals verträgt sich das Wirken des Bibers mit Mensch und Umwelt. Doch manchmal kommt es zu Konflikten, so wie in Lambsheim und Maxdorf. Darüber hat sich Umweltministerin Katrin Eder jetzt informiert.

Der Grund für den Besuch von Katrin Eder (Grüne) am Donnerstag in Lambsheim ist mit der Ansiedlung des Bibers in der Region zwar ein neuer. Die hiesigen Akteure sind für die Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität jedoch gute Bekannte.

Den Gewässerzweckverband Isenach-Eckbach mit dessen Geschäftsführer Hans-Peter Theiß lobt die Politikerin als „positives Beispiel bei der Hochwasservorsorge im Land“. Der Biber ist aus Sicht des Verbands nun neu auf der Bildfläche als Akteur im „Gewässerbau“ erschienen. Bei der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (Gnor) und deren Präsidentin Andrea Tappert bedankt sich Eder für die „gute Kooperation bei vielen Themen“, etwa dem Kiebitz-Schutzprojekt und nicht zuletzt dem Bibermanagement. Denn das Biberzentrum Rheinland-Pfalz wird von der Gnor getragen und großteils vom Land mit Mitteln der „Aktion Grün“ finanziert.

„Nicht mehr daran gewöhnt“

„Es gibt viele Tierarten, die hier einmal heimisch waren, ausgerottet wurden und nun wieder zu uns zurückkehren“, stellt die Ministerin fest und nennt Wolf und Biber als Beispiele. „Die Menschen sind an diese Tierarten nicht mehr gewöhnt“, sagt Eder. Deshalb sei Kommunikation gefragt. Diese leiste im Fall des Nagetiers vor allem das Biberzentrum mit der hauptamtlichen Projektleiterin Stefanie Venske und mehr als 20 ehrenamtlichen Biberbetreuern.

„Ich habe zwar keine Millionen dabei“, spielt die Politikerin auf im Raum stehende Zuschüsse an, doch liefen derzeit Gespräche über eine höhere Förderung des Biberzentrums in den nächsten beiden Jahren. Diesen Moment nutzt Gnor-Präsidentin Andrea Tappert, um der Ministerin eine rote Mappe mit den entsprechenden Antragsunterlagen zu überreichen. 2022 seien 18.000 Euro und in diesem Jahr 25.000 Euro aus Mainz in das Biberprojekt geflossen, teilt die Ministerin mit. Bis Ende des Jahres ist das Biberzentrum noch im Naturerlebniszentrum Wappenschmiede in Fischbach bei Dahn untergebracht. Weil das Gebäude ab Anfang 2024 anderweitig genutzt wird, kommt das Biberzentrum erst mal in der Gnor-Geschäftsstelle in Mainz unter.

Mehr als 1000 Biber im Land

Die Aufgaben des Zentrums sind nach Auskunft von Projektleiterin Stefanie Venske das Monitoring der Biberverbreitung, die Beratung und Koordinierung von Schutzmaßnahmen bei Konflikten sowie die Öffentlichkeitsarbeit in Form von Exkursionen, Broschüren und Informationsveranstaltungen. „In Rheinland-Pfalz gibt es inzwischen wieder mehr als 1000 Biber“, informiert sie. Das Nagetier schafft durch die Anlage von Dämmen an Fließgewässern für seinen Biberbau, dessen Eingang zum Schutz vor Feinden unter Wasser liegen muss, ökologisch besonders wertvolle Biotope. Das ist auch im Gebiet Lambsheim/Maxdorf nicht anders, allerdings sorgt es dort für Unruhe unter Anwohnern wie Hochwasserschützern.

Stefanie Venske zeigt gemeinsam mit dem ehrenamtlichen Biberbetreuer Ewald Marx aus Bobenheim-Roxheim der Ministerin einen Biberdamm im Lambsheimer Mittelgraben kurz vor dessen Einmündung in den Floßbach. Durch diesen Damm staut sich Wasser bis in das Regenrückhaltebecken in Maxdorf zurück. „Weil darin nun ständig Wasser steht, erfüllt das Becken seine Funktion nicht mehr“, sagt André Voges, Leiter des Fachbereichs Natürliche Lebensgrundlagen und Bauen bei der Verbandsgemeinde Maxdorf.

Bauabteilung ratlos

„Bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd heißt es, wir müssten deshalb an anderer Stelle ein neues Regenrückhaltebecken bauen. Doch die Grundstücke ringsum gelten bei einem statistisch alle 100 Jahre zu erwarteten Hochwasser als Überschwemmungsflächen. Darauf sind keinerlei bauliche Veränderungen erlaubt“, teilt Voges mit.

Für Hans-Peter Theiß vom Gewässerzweckverband ist die Überflutung von Verkehrswegen und landwirtschaftlichen Flächen, aber auch von Wohnbebauung in Maxdorf eine Gefahr, die von Bautätigkeiten der Biber ausgehe und die es abzuwehren gelte. „Wir leben mit dem Biber“, spricht er dem Nagetier zwar nicht dessen Existenzberechtigung in der Region ab. Doch sei der Aufwand der bisherigen Praxis, teilweise die Dämme abzutragen, mit hohem Aufwand verbunden – bürokratisch wie personell. Denn dafür sei in jedem Fall eine Ausnahmegenehmigung der Oberen Naturschutzbehörde nötig. Und die Anzahl der Biberstandorte im Bereich des Zweckverbands nehme ständig zu. Derzeit seien es acht.

Hoffen auf Vereinfachungen

Ministerin Eder begrüßt es, wenn eine politische Debatte über den Biber geführt wird, der gesetzlich streng geschützt ist. Es gelte, für jeden Konfliktfall einen Ausgleich der unterschiedlichen Interessengruppen zu finden, meint sie. Dabei kann auch mal der Trinkwasserschutz eine Rolle spielen, wie im Fall eines Biberreviers an der Felsalbe bei Vinningen (Landkreis Südwestpfalz). Der dortige Biberbetreuer Klaus Meissner berichtet, dass das Grundwasser, aus dem dort Trinkwasser gewonnen wird, genau überwacht wird. Bisher sei noch keine Beeinträchtigung durch den Biber bemerkt worden.

Der Biber, der zu Jahresbeginn in der Nähe des Eckbachs auf den Gemarkungen von Beindersheim und Großniedesheim sichtbare Schäden an mehreren Bäumen hinterlassen hat, ist seitdem nicht wieder aufgetaucht. Wie Michael Walther (SPD), Ortsbürgermeister von Großniedesheim, auf RHEINPFALZ-Anfrage bestätigt, gab es seitdem keine Schäden mehr. Das müsse jedoch nicht heißen, dass das Tier hier nicht ansässig geworden ist. „Biber fressen den Sommer über vor allem Gräser“, sagt Walther. Erst im Winter, wenn das Grasangebot auf den Wiesen nicht mehr da sei, gingen die Nagetiere wieder zu Baumrinden über. Ob ein Biber rund um den Eckbach wirklich ansässig geworden ist, könnte sich im kommenden Winter zeigen.

Bald Thema für andere Gemeinden

Andreas Kiefer, beim Umweltministerium für Artenschutz zuständig, rät André Voges von der Maxdorfer Bauabteilung, der Ministerin einen Brief zu schreiben, in dem er das Dilemma um die Regenrückhaltung schildert. An dem Gespräch mit dem Fachmann aus Mainz beteiligen sich auch Voges Kollegin Sabine Josy von der VG Lambsheim-Heßheim und Verbandsbürgermeister Michael Reith (SPD). Sie alle hoffen auf Vereinfachungen beim Bibermanagement.

Das Thema wird angesichts der erwarteten weiteren Ausbreitung des Nagetiers immer mehr Gemeinden betreffen. Noch ungeklärt ist zum Beispiel, wer grundsätzlich für Schäden durch den Biber aufkommt – ob an Bäumen, Ackerfrüchten oder Gebäuden.

Umweltministerin Katrin Eder (links) macht sich ein Bild vom Wirken des Bibers in der Region. Projektleiterin Stefanie Venske er
Umweltministerin Katrin Eder (links) macht sich ein Bild vom Wirken des Bibers in der Region. Projektleiterin Stefanie Venske erklärt ihr den Hintergrund, der ehrenamtliche Biberbetreuer Ewald Marx hört zu.
Dammbau: Das Nagetier hat den Mittelgraben bei Lambsheim nahe des Floßbachs aufgestaut.
Dammbau: Das Nagetier hat den Mittelgraben bei Lambsheim nahe des Floßbachs aufgestaut.
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