Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Rückblick: Koalition von 2019 hat nicht gehalten

Im Ratssaal werden für Bobenheim-Roxheim wichtige Entscheidungen getroffen.
Im Ratssaal werden für Bobenheim-Roxheim wichtige Entscheidungen getroffen.

Als die Bobenheim-Roxheimer Wähler 2019 die 28 Plätze im Gemeinderat vergaben, waren die CDU mit zehn und die SPD mit neun Mandaten die Gewinner. Die Grünen freuten sich über fünf Sitze und machten sich in der Folge Hoffnungen, das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters besetzen zu können.

Für den Sozialdemokraten Michael Müller endete 2022 die erste achtjährige Amtszeit. Die Bürgermeisterwahl im September 2021 hatte diesen Schatten vorausgeworfen, als sich der Rat, zu dem auch vier Freie Wähler gehören, konstituierte. Deshalb war es gar nicht so verwunderlich, dass die CDU mit der SPD keine große Koalition mehr eingehen wollte, sondern FWG und Grüne um die Zusammenarbeit bat. Denn dass die Christdemokraten Bürgermeister Müller mit einem Kandidaten herausfordern würden, war klar.

Die Roten machten auf mögliche unüberbrückbare Differenzen in dem Dreierbündnis aufmerksam, doch zunächst ging es gut. Die Allianz verdeutlichte ihren Machtanspruch, in dem sie drei Beigeordnete durchsetzte: Frank Peter (CDU) als ersten Stellvertreter Müllers sowie Simone Lobocki (FWG) und Oliver Bittern (Grüne). Zusätzlich wurden zwei neue Ehrenämter installiert und mit Grünen besetzt: Manfred Pfeifer wurde Umweltbeauftragter, Pia Maffenbeier Jugendbeauftragte.

Fünf Jahre später muss man sagen: Dieser Personalplan ist krachend gescheitert. Zuerst schmiss Pfeifer hin, dann seine Nachfolgerin Nicole Born, dann Maffenbeier. Ihre Ämter blieben unbesetzt. Im November 2023 dankte Lobocki ab, weil sie ihrem Amt als Beigeordnete nicht gerecht geworden war, wie sie einräumte. Der dritte Beigeordnete, den es 2019 aus Sicht der Koalition unbedingt brauchte, ist als solcher öffentlich nicht in Erscheinung getreten, und Frank Peter eckte bei seinen Parteifreunden an, weil er sich in Streitfragen meist auf der Seite der Verwaltung sah.

Diesmal mehr als 80 Ratskandidaten

Schließlich behielten die Sozialdemokraten recht: Die Koalition zerbrach Ende 2022 an den gegensätzlichen Positionen von CDU und Grünen bei den Themen Silbersee-Bebauungsplan, Umgehungsstraßenbau und Baugebietserschließung. Ein Jahr zuvor war bei der Bürgermeisterwahl die Grüne Nicole Born im ersten Wahlgang ausgeschieden, Christian Reber (CDU) musste sich Müller in der Stichwahl geschlagen geben. Die nächste Direktwahl des Bobenheim-Roxheimer Oberhaupts steht erst 2029 wieder an.

Die Wähler haben am 9. Juni also auf lokaler Ebene nur über die Zusammensetzung des Gemeinderats zu entscheiden, und dafür bieten die vier Parteien insgesamt 84 Kandidaten an. Während die Listen von CDU und SPD mit recht vielen Leuten mit Gremienerfahrung besetzt sind, haben die anderen beiden Gruppen vorwiegend Neulinge aufgestellt. Das muss kein Nachteil sein, sofern sie motiviert und engagiert sind. FWG-Spitzenkandidat Manfred Schärf jedenfalls ist von seiner kleinen, jungen Mannschaft begeistert, und die Grünen beweisen allein durch die Länge ihrer Liste, dass sie mit ihren Wünschen und Zielen für Bobenheim-Roxheim keine Außenseiter sind.

Den Wahlkampf führen die vier Gruppen ähnlich, aber mit unterschiedlicher Gewichtung der Mittel. Die CDU etwa verzichtet aus Umweltgründen auf die herkömmlichen Plakate an Lampenmasten und setzt laut Georg Zwilling hauptsächlich auf Flyer und Facebook. Die SPD klingelt Jens Becker zufolge gern an Haustüren und tauscht sich an Infoständen mit Wählern aus. Angelika Walter nennt Veranstaltungen wie den Fledermaus-Spaziergang als gute Möglichkeit der Grünen, sich den Bobenheim-Roxheimern vorzustellen. An Erstwähler seien Briefe verschickt worden. Schärf verweist auf knappe finanzielle Mittel und die Auftritte der FWG im Internet, zum Beispiel auf Facebook.

Wahlergebnis 2019

CDU 33,2 Prozent, SPD 33,1, Grüne 18,2 und FWG 15,4 Prozent, Wahlbeteiligung 60,9 Prozent.

Kandidatenlisten

CDU: Georg Zwilling, Christian Reber, Emily Schmid, Martin Zauchner, Jan Wolfmüller, Matthias Bender, Sylvia Lobocki, Dominik Rieger, Klaus Graber, Tobias Walter, Rita Regenauer-Steiner, Franz Freer, Michael Remmele, Ludwig von Heyl, Tamino Erban, Gerhard Karl Jung, Andreas Renter, Ulli Kissel, Volker Hack, Daniela Krackl, Michaela Gärtner, Ingolf Rehwald, Andrea Graber-Jauch, Michael Voll, Rainer Wagner, Stephan Lewin, Marco Erban, Bernd Polasinski.
SPD: Jens Becker, Heidelore Bigott, Gerhard Schlieger, Elfi Guth, Werner Bigott, Merelyn Graber, Kai Neiheiser, Felix Hartkorn, Manuel Hettmannsperger, Alexander Schmitt, Patrick Janz, Housen Gauer, Christa Burkhardt, Sonja Adelhardt, Jens Rusterholz, Gudrun Schlieger, Wolfgang Bohn, Michael Müller, Dagmar Richter, Jusuf Veselaj, Manfred Fischer, Ute Heppes, Peter Adelhardt, Anna Maria Labanauskas, Britta Müller, Hanne Schmidt, Hans Rainer Schiffmann.
Grüne: Nicole Born, Steffen Mosis, Dagmar Schindler, Thorsten Wohninsland, Alma-Mara Brandenburg, Thomas Schörgendorfer-Lorenz, Helga Guthmann, Manfred Alban Pfeifer, Liam Schehlmann, Tina Umlauf, Daniel Fuchs, Ines Schörgendorfer, Elisabeth Grau, Matthias Schindler, Regina Rivera Cruz, Johannes Brandt, Angelika Ehrenfried, Alejandro Rodriguez Suárez, Eva Becker, Johanna Obermayer-Führ.
FWG: Manfred Schärf, Nadja Anton, Frank Umlauf, Ramona Paulus, Nadine Dittrich-Nagel, Bernhard Zwilling, Florian Reuber, Petra Wilberg, Doris Janz.

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