RÖMERBERG RHEINPFALZ Plus Artikel Römerberger Hobbyhistoriker: „Zeiten ändern sich, Menschen nicht“

Auf einer Postkarte: das alte Schulhaus in Berghausen. Es wurde zwischen 1819 und 1823 erbaut und ersetzte einen Vorgängerbau.
Auf einer Postkarte: das alte Schulhaus in Berghausen. Es wurde zwischen 1819 und 1823 erbaut und ersetzte einen Vorgängerbau.

Das Leben in den Dörfern ist – trotz mancher Brüche – oft von größerer Kontinuität geprägt als in der Stadt. Vielleicht liegt es daran, dass sich dort viele Menschen für die Geschichte ihres Orts interessieren. Den aus Römerberg stammenden Gebrüdern Lohrbächer hat es die Lokalhistorie besonders angetan. Gerade haben sie wieder ein Buch geschrieben: über das alte Schulhaus in Berghausen. Timo Leszinski hat mit ihnen gesprochen.

„...Berghausen, deren altes Schulhauß eine elende Hütte ist...“ lautet der Titel Ihres Buchs. Das Zitat bezieht sich zum Glück nicht auf das heutige Schulgebäude. Um welchen Bau geht es da? Und woher stammt das harte Urteil?
Bernd Lohrbächer: Bei dem Zitat aus der Headline unseres aktuellen Buches geht es um das nachweislich erste Schulhaus in Berghausen. Es stammt aus einem Schreiben der königlich bayerischen Regierung des Rheinkreises, Kammer des Innern, mit Sitz in Speyer vom 13. November 1818. Bis weit in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts hinein mussten die Schulkinder von Berghausen nach Heiligenstein in das dortige Schulhaus laufen, ehe ein sogenannter Präzeptor, also Hilfslehrer, sich der Berghäuser Kinder annahm und sie im Dorf unterrichtete. Das erste Schulhaus ist für das Jahr 1771 überliefert. Es stand bis um das Jahr 1820 direkt neben der Pankratius-Kapelle, der heutigen Kirche also, und musste aufgrund seines schlechten Zustands abgerissen werden. Auf dieses ruinöse und abgebrochene Schulhaus bezieht sich das Zitat. Übrigens wurde an gleicher Stelle ein neues, zweistöckiges Schulgebäude errichtet, über das im Buch hauptsächlich erzählt wird.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen sich mit dem Thema zu beschäftigen?
Klaus Lohrbächer: Mein Bruder und ich – wir sind beide Heiligensteiner – gingen ab der 5. Klasse, das war 1973, in das damals im Jahre 1969 neuerbaute Schulgebäude in Berghausen. Übrigens besuchten in dieser Zeit zum ersten Mal viele Kinder und Jugendliche aus allen drei Ortsteilen Römerbergs diese Schule. Die Schule von Berghausen stellt rückblickend für uns sozusagen ein Stück Heimat mit vielen positiven Erinnerungen dar. Deshalb war es für uns logisch, bei einer passenden Gelegenheit ein Buch über die Schulgeschichte von Berghausen zu schreiben.

Sie beschäftigen sich schon seit Jahren mit lokalhistorischen Themen. Was ist generell der Reiz daran?
Klaus Lohrbächer: Wir beide haben unsere Kinder- und Jugendzeit sehr intensiv im heutigen Römerberg verbracht und mitgestaltet. Römerberg ist sozusagen unser „Mikrokosmos“. Damit verbinden sich zwei philosophische Fragen: Woher komme ich und wer bin ich? Naheliegend und in gewisser Weise konsequent ist es daher, sich mit Heimatgeschichte zu beschäftigen. Reizvoll ist dabei sicherlich, Neues zu entdecken aber auch, sich mit der Geschichte der kleinen Leute auseinander zusetzen.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues Thema beackern?
Bernd Lohrbächer: Entweder es liegt ein ganz konkreter Anlass vor, beispielsweise ein Jubiläum, oder wir verfolgen eine Idee und setzen diese um. Aus der Erfahrung von mittlerweile 30 Jahren Heimatforschung klopfen wir zunächst ab, was bereits in Büchern oder Schriften veröffentlicht wurde. Dann, und das ist für eine grundlegende fundierte Forschung unerlässlich, gehen wir in die Archive, um anhand der Urquellen weitere Aspekte herauszulesen und sie verständlich aufzuschreiben. Die anfallenden Aufgaben teilen wir uns dann brüderlich. Nicht selten helfen uns auch mittlerweile befreundete Wissenschaftler, wie zum Beispiel der Mittelalterexperte Dr. Martin Armgart aus Speyer.

Beruflich sind Sie beide in anderen Feldern tätig. Wie haben Sie sich das Rüstzeug, das man als Hobbyhistoriker braucht, angeeignet?
Klaus Lohrbächer: Wir sind autodidaktisch beide sehr gut veranlagt. Hinzu kommt ein starker Wille und ein unbändiger Ehrgeiz, um alte Schriften zu entziffern und diese in eine geschichtliche Beziehung zu bringen. Unser größtes Plus aber ist, dass wir zu zweit sind und uns als eineiiges Brüderpaar wunderbar ergänzen. Und da ist auch noch Monsignore Otto Kern, Pfarrer i.R., unser großes Vorbild, dem wir gerne nacheifern und dessen historische Schriften wir schon als Buben verschlangen.

Gibt es Aspekte der Römerberger Historie, die Sie besonders fasziniert, amüsiert oder berührt haben?
Bernd Lohrbächer: Am meisten fasziniert uns die örtliche Kirchengeschichte und die Vorstellung, wie die Menschen vor uns im Kreislauf der Jahreszeiten ihr hartes und einfaches Leben im heutigen Römerberg meisterten. Gerade wenn es um Schicksale der sogenannten kleinen Leute geht, stellen wir immer wieder persönliche Berührungen fest. Nicht selten entstehen dann vor unserem geistigen Auge Gesichter und man glaubt, die Menschen zu kennen, obwohl manchmal Jahrhunderte dazwischen liegen. Amüsiert sind wir vor allem, wenn wir die Schriften wörtlich transkribieren und uns gegenseitig vorlesen. Manchmal klingt es schon sehr humorvoll, wie sich die Altvorderen ausdrückten, ganz abgesehen von den aus heutiger Sicht vielen Rechtschreibfehlern.

Der Eindruck ist: Lokalhistorische Themen stoßen auf Interesse, aber vor allem bei Älteren. Wie steht es um den Bezug zur Ortsgeschichte bei Jüngeren oder Zugezogenen?
Bernd Lohrbächer: Als wir beide Anfang der 70er Jahre die Grundschule in Heiligenstein besuchten, haben wir vor allem im Heimatkundeunterricht viel über unser Dorf und die Region erfahren. Die Lehrer, die wir hatten, haben uns immer wieder Geschichten von früher erzählt. Wir haben uns begeistern lassen, weil unsere Lehrer von heimatkundlichen Themen auch begeistert waren. Unsere Ortsgeschichte ist so facettenreich und interessant. Diese auch den heutigen Schulkindern näherzubringen ist eine ganz wichtige und wertvolle Aufgabe, zu der wir gerade mit unseren Büchern ein Beitrag leisten wollen.

Es ist häufig die Rede davon, dass man aus der Geschichte lernen könne und müsse. Haben Sie aus Ihren Forschungen etwas für unser heutiges Leben mitgenommen?
Klaus Lohrbächer: Bei unserem intensiv betriebenen Hobby haben wir vor allem gelernt, historische Fakten und Hintergründe besser zu verstehen und in Beziehung zu bringen. Es haben sich zwar die Zeiten geändert, doch das, was gerade den Menschen ausmacht, nicht. Hatte früher die bäuerliche Bevölkerung etwa die Sorge um das tägliche Brot, so kann heute der Verlust um den Arbeitsplatz als mögliche Parallele angesehen werden. Kamen früher aufgrund von Kriegen fremde Menschen ins Dorf, steht dem heute die Angst vor Überfremdung durch Flüchtlinge gegenüber. Gleiches gilt für weitere Themen: Werte, Kultur, Bildung. Die Geschichte zeigt, dass das Leben nie leicht war und ist, dass jede Zeit vor neuen und anderen Aufgaben steht.

Termin

Der Heimatverein Römerberg feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Im Zehnthaus in Heiligenstein findet am Freitag, 6. März um 19 Uhr die Mitgliederversammlung statt. Anschließend gegen 20 Uhr werden die Brüder Lohrbächer allen Interessierten ihr neues Buch vorstellen. Der Eintritt ist frei.

Zur Person: Die Autoren

Bernd Lohrbächer, geboren am 11.September 1962 in Speyer. Hauptberuflich: Filialdirektor bei der BBBank eG in Bruchsal. Freier Mitarbeiter der RHEINPFALZ mit zahlreichen Beiträgen „Im Geschichtsbuch geblättert“. Autor der Ortschronik Hanhofen anlässlich der 850-Jahrfeier im Jahr 2006. Vorträge zur örtlichen und regionalen Geschichte. Gründungsmitglied des Römerberger Heimatvereins. Ansprechpartner für Heimat- und Familienforscher aus dem In- und Ausland. Lebt mit seiner Frau Ute-Beate im Römerberger Ortsteil Heiligenstein.

Klaus Lohrbächer, geboren am 11. September 1962 in Speyer, verheiratet, Diplom-Religionspädagoge (FH) in Freiburg/Breisgau, anschließend Studium an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, Lehrer an der Kochertalschule (Grundschule) Oedheim in Baden-Württemberg, lebt seit 2001 mit seiner Frau Ulrike in der Stauferstadt Bad Wimpfen. Diverse Buchveröffentlichungen im Auftrag des Vereins für Heimat- und Brauchtumspflege Römerberg, seit 1998 zahlreiche Veröffentlichungen im Heimatjahrbuch des Rhein-Pfalz-Kreises.

Zur Sache: Das Buch

Im achten Band der Reihe „Ortsgeschichte im Brennpunkt“ nehmen Klaus und Bernd Lohrbächer die 200-jährige Geschichte über die Entstehung des Berghäuser Schulhauses in den Jahren 1819 bis 1823 in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Nahezu 150 Jahre stand das Gebäude in Eintracht gleich neben der Pfarrkirche St. Pankratius und gegenüber dem Bürgermeisteramt, ehe es im Jahr 1970 abgerissen wurde und aus dem Ortsbild verschwand. Auf rund 180 Seiten zeichnen die Autoren die Berghäuser Schulgeschichte von deren Anfängen im 18. Jahrhundert bis hin zum Bau der Römerberger Grund- und Hauptschule im Jahre 1969/70 nach. Darüber hinaus wurden erstmals die verwendeten Originalquellen transkribiert und als ergänzende Anlagen beigefügt. Im zweiten Teil nehmen die Verfasser den Personalbestand der Schule im Berghausen des 19. Jahrhundert unter die Lupe, dem in einem weiteren Kapitel die Amts- und Würdenträger jener Zeit folgen. Den Schluss bildet ein Exkurs im Gedenken an 75 Jahre Kriegsende.

Die Autoren: Bernd (links) und Klaus Lohrbächer.
Die Autoren: Bernd (links) und Klaus Lohrbächer.
Auf einem alten Foto: das Schulgebäude neben der Kirche. 1970 wurde der Bau abgerissen.
Auf einem alten Foto: das Schulgebäude neben der Kirche. 1970 wurde der Bau abgerissen.
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