Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Römerberger Gastronom: „Internetbewertungen sind ein großer Fluch“

Bedienung in der Gastronomie: Die Branche hat es wegen Corona momentan ohnehin schwer.
Bedienung in der Gastronomie: Die Branche hat es wegen Corona momentan ohnehin schwer.

Für viele sind die Erfahrungen, die Besucher von Restaurants oder Hotels online mit anderen teilen, eine Entscheidungshilfe, wo sie einkehren. Für die betroffenen Unternehmen können solche Bewertungen aber auch den guten Ruf des eigenen Hauses bedrohen – so wie bei einem Römerberger Gastronom.

„Ich habe mich wahnsinnig geärgert, als ich letzte Woche die Worte eines Restaurantbesuchers in der Facebook-Gruppe der Gemeinde gelesen habe“, meint Thomas Walter, der Inhaber des Restaurants „Zum Engel“ in Römerberg. In seinem Posting beschwerte sich besagter Kunde darüber, dass eine Bestellung aufgrund der bereits geschlossenen Küche nicht mehr möglich gewesen sei, obwohl diese laut den Öffnungszeiten noch in Betreib hätte sein sollen. Die Worte, dass viele Restaurants die so oft geforderte Unterstützung in Corona-Zeiten anscheinend gar nicht nötig hätten, stießen in der Gruppe auf großen Anklang. Einige Diskussionsteilnehmer stimmten in die Kritik an dem Gasthof in Berghausen ein und berichteten von eigenen schlechten Erfahrungen. Andere beriefen sich auf Hörensagen zur Begründung, warum sie das Restaurant meiden. Das rief wiederum Thomas Walter auf den Plan, der sein Restaurant in eigenen Posts verteidigte. Wieder andere sprangen dem Gastronomen zur Seite und lobten sein Haus.

Für Walter gleichen subjektive Kritiken mitunter Rufmord: „Für mich ist dieser Trend der Internetbewertungen ein großer Fluch: Sie bieten jedem die Chance, ein großes Publikum zu beeinflussen und im schlimmsten Fall auch zu manipulieren, und niemand prüft nach, ob diese Bewertungen der Realität entsprechen.“ Walter, der in seinem Restaurant 2017 schon Angela Merkel willkommen hieß, schätzt die Zahl solcher rufschädigenden Kritiken auf etwa fünf Prozent, der Rest sei meist positiv oder konstruktiv. „Ich verstehe nicht, dass die Leute so etwas immer im Internet austragen, wo es sofort große Wellen schlägt. Wenn ich als Kunde unzufrieden bin, kläre ich das doch sofort in dem Moment und gebe somit dem Restaurant die Chance, mich zufriedenzustellen.“

Kundenkritik als Chance

Auch Paolo Rappa, Inhaber des italienischen Restaurants „Vivere“ in Otterstadt, hat bereits Erfahrungen mit Bewertungen auf Internetportalen gemacht. Er hat eine andere Einstellung dazu als Thomas Walter: „Ich bin der Meinung, dass jeder das Recht hat, seine Meinung im Bezug auf einen Restaurantbesuch zu teilen. Dieser ist schließlich eine Dienstleistung und es ist ein Zeichen unserer Zeit, dass alle Erfahrungen, egal ob positiv oder negativ, sofort geteilt werden“, sagt er. Rappa, der das „Vivere“ seit 2014 betreibt, sieht durch Kundenkritik eine Chance darin, Dinge in Zukunft besser machen zu können. „Jeder darf seine Meinung sagen, auch im Internet, das ist für mich als toleranter Mensch selbstverständlich. Gleichzeitig weiß ich auch, dass wir niemals alle zufriedenstellen können. Das ist wie sonst im Leben unmöglich und spiegelt sich natürlich auch in den Onlinebewertungen wider. Ich würde mich allerdings nie auf das Niveau einer angreifenden oder gemeinen Bewertung einlassen oder kommentieren, das ist einfach nicht meine Art.“

Gläsernes Gewerbe

Ähnlich sieht Lars Hoffman die subjektive Berichterstattung, die viele Kunden nach ihrem Besuch auf „Social Media“ teilen. Der 33-jährige ist der Inhaber des Hotels „Goldenes Lamm“ in Dudenhofen, zu dem auch das Restaurant „Lavendel“ gehört. „Bewertungen im Internet gehören zum Tagesgeschäft dazu und sind den Gästen heute meist wichtiger als Sterneklassifizierungen“, berichtet Lars Hoffmann. Dieses Phänomen sei besonders bei Hotelbuchungen zu beobachten, doch auch der Restaurantbesuch wird laut Hoffmann oft wenige Minuten später im Netz bewertet.

„Natürlich kriegen auch wir vereinzelt Bewertungen von unzufriedenen Gästen, ich denke, es ist ihr gutes Recht, das dann auch kundzutun. Eingreifen tun wir nur, wenn ein Posting wirklich so gar nicht der Wahrheit entspricht. Aber das kommt zum Glück sehr selten vor.“ Internetbewertungen machten das Gastronomie- und Hotelleriegewerbe laut Hoffmann gläsern, jedes Detail sei so für die Allgemeinheit bereits vor dem eigentlichen Besuch online einsehbar. Ein Problem sei das allerdings nicht, wenn man sowieso den Anspruch habe, den eigenen Standard und den der Kunden zu erfüllen, so Lars Hoffmann.

Hoher Besuch: Vor drei Jahren haben Thomas und Nong Walter Bundeskanzlerin Angela Merkel in Römerberg bewirtet.
Hoher Besuch: Vor drei Jahren haben Thomas und Nong Walter Bundeskanzlerin Angela Merkel in Römerberg bewirtet.
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