Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Quarantäne früher: Als in Berghausen die Maul- und Klauenseuche umging

Maul- und Klauenseuche Sperrgebiet: Das Warnschild aus Berghausen ist heute noch erhalten. Der Römerberger Heimatverein bewahrt
Maul- und Klauenseuche Sperrgebiet: Das Warnschild aus Berghausen ist heute noch erhalten. Der Römerberger Heimatverein bewahrt es in seinem Lager auf.

Die Straßen leer gefegt, Schilder weisen auf die Verbreitung einer gefährlichen Krankheit im Ort hin, Lebensmittel werden den Betroffenen auf die Fensterbank gestellt – nein, das ist keine Beschreibung der aktuellen Situation wegen des Coronavirus, so schildert vielmehr ein Zeitzeuge seine Erinnerungen an eine Zeit, die rund 80 Jahre zurückliegt.

Otto Haaf aus Berghausen fühlt sich aktuell in mancher Hinsicht in jene Zeit vor acht Jahrzehnten zurückversetzt. Damals ging in Berghausen die Maul- und Klauenseuche um. Die hoch ansteckende Seuche betraf das Vieh vieler Landwirte im „Bauernviertel“, entlang der heutigen Berghäuser Straße in Richtung Mechtersheim. Mit der Krankheit können sich beispielsweise Kühe, Schweine oder Ziegen infizieren. Menschen erkranken in der Regel nicht, können die Krankheitserreger aber übertragen.

„Wenn die Krankheit auf einem Hof ausgebrochen ist, musste die ganze Familie zu Hause bleiben, teils wochenlang“, erinnert sich Haaf. Zum Toilettengang musste man damals in der Regel noch aus dem Wohnhaus hinaus und über den Hof. Wer zurückkam, musste über einen in Desinfektionsmittel getränkten Lappen gehen, erzählt der heute 89-Jährige. Am Ortseingang hing ein Schild, auf dem darauf hingewiesen wurde, dass die Maul- und Klauenseuche im Ort war. Denn eine Ausbreitung der Krankheit wäre eine große Gefahr für die Landwirtschaft und somit die Lebensmittelversorgung gewesen. Das Schild ist heute noch erhalten, der Heimatverein bewahrt es in seinem Lager auf.

Haafs Familie besaß damals ein Lebensmittelgeschäft in Berghausen. Der damals zirka Zehnjährige hatte die Aufgabe, die von der Quarantäne betroffenen Familien, mit Lebensmitteln zu beliefern. „Die Leute haben einen Zettel und einen Beutel bei sich vors Fenster gelegt“, erinnert sich Haaf. Diese habe er dann eingesammelt. „Die Verständigung ging ansonsten per Handzeichen. Telefon gab es keins.“ Seine Mutter habe dann die Beutel mit den bestellten Lebensmitteln gefüllt. Er selbst brachte dann die Taschen wieder zu den Bauernhäusern und hängte sie dort meist an die kleinen Metallfiguren, mit denen die Fensterläden fixiert wurden. Verhungert wären die meisten Bauernfamilien wahrscheinlich auch ohne den Lieferdienst nicht so schnell. „Die Bauern hatten einen Vorteil: Sie hatten genug Kartoffeln, Kraut oder Wurst im Keller“, erzählt Haaf.

x