Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Problemameise Tapinoma magnum: Krabbler unter Pflaster und Terrasse

Ameisen dieser Art mit dem Namen Tapinoma magnum sind zwischen zwei und 3,5 Millimeter groß und sehen der heimischen Schwarzgrau
Ameisen dieser Art mit dem Namen Tapinoma magnum sind zwischen zwei und 3,5 Millimeter groß und sehen der heimischen Schwarzgrauen Wegameise sehr ähnlich.

Die Problemameise Tapinoma magnum ist auch in Bobenheim-Roxheim angekommen. Noch ist nicht klar, wo überall sie schon ihre Superkolonien aufbaut.

Inge Kiefer, Karin Stöfler und andere Bewohner des Viertels nördlich des Südrings sorgen sich schon seit mindestens einem Jahr, scheinen damit aber bei der Bobenheim-Roxheimer Verwaltung nicht richtig durchgedrungen zu sein. Jetzt aber ist Bürgermeister Michael Müller (SPD) persönlich gekommen, um sich an der Zufahrt zur Straße In den Fuchslöchern das Problem anzuschauen. Gemeinsam mit Fachbereichsleiter Frank Unvericht und der RHEINPFALZ-Redakteurin lässt er sich von Anwohnerinnen die Stellen zeigen, die auf ein massives Vorkommen der Tapinoma magnum (Große Drüsenameise) hindeuten.

Auf dem nördlichen Gehweg des Südrings liegt viel Sand. Den haben nicht etwa Bauarbeiter nach Pflasterarbeiten in die Fugen zu kehren vergessen, sondern Ameisen haben ihn an die Oberfläche befördert. Guckt man näher hin, sieht man die Tierchen an den zahlreichen Löchern in den Fugen krabbeln. Noch viel mehr schwarzgraues Gewusel herrscht auf dem üppig bewachsenen Erdwall, der das dahinter liegende Wohnviertel vom verkehrsreichen Südring und dem Globusgelände abschirmen soll. Ein Parkplatz und zwei Reihen Garagen dienen dort ebenfalls als Puffer gegen Lärm, aber die Ameisen aus dem Erdwall können sie nicht aufhalten.

Die seien im vergangenen Sommer in großen Scharen über und durch die Garagen bis in ein Haus im Konrad-Adenauer-Ring gekrabbelt, berichten die Anwohnerinnen. Karin Stöfler und ihr Mann haben im vergangenen Jahr an ihrem Haus unter der Eingangstreppe ein Ameisennest entdeckt, in diesem Jahr haben sie die Viecher im Gebäude. „Heißes Wasser und Schaum, Industriestaubsauger, Köder, Essig, Zimt ... Alles Mögliche haben wir schon ausprobiert“, erzählt Stöfler.

Die Tapinoma magnum riecht anders

Ob es sich in ihrem Fall um Große Drüsenameisen handelt, müsste noch untersucht werden. Denn auf einem unbebauten Grundstück im Adenauer-Ring finden sich noch andere Ameisenarten. Darauf weist der Bobenheim-Roxheimer Manfred Alban Pfeifer, der sich von Berufs wegen mit Insekten auskennt, hin. Die Tapinoma magnum kann er an dem Geruch erkennen, der entsteht, wenn man sie in der Hand zerreibt. Er hat es aber auch schwarz auf weiß, dass die vermutlich mit Pflanzenerde nach Deutschland eingeschleppte Art in dem Viertel aktiv ist. Ein Mitarbeiter des Senckenberg-Museums Frankfurt habe das bestätigt, nachdem er ihm ein paar Exemplare geschickt habe. „Weitere Vorkommen habe ich in der Altrheinanlage und in einem Privatgarten in Roxheim entdeckt“, sagt Pfeifer. „Man kann davon ausgehen, dass es noch weitere Populationen in Bobenheim-Roxheim gibt.“

Doch warum ist die Tapinoma magnum so problematisch? Darüber hat anlässlich ihrer sukzessiven Verbreitung in Südwestdeutschland, auch in der Pfalz, die RHEINPFALZ schon mehrfach berichtet. Die warme Klimazonen bevorzugende Art bildet Superkolonien mit Tausenden von Königinnen gleichzeitig, sie ist frosthart, wehrhaft, bisswütig und kann Schäden an der Infrastruktur anrichten, indem sie beispielsweise Wege, Türschwellen, Fundamente, Stromkästen und Grabeinfassungen unterhöhlt. Und sie verdrängt laut Experten einheimische Ameisenarten.

Nicht die ersten Superkolonien im Ort

So ähnlich klang das 2017, als die „Vernachlässigte Ameise“ (Lasius neglectus) in Bobenheim-Roxheim Schlagzeilen machte. Sie bildet ebenfalls Superkolonien und kann Gebäude schädigen. Damals war das Bahnhofsviertel stark betroffen, und die Anwohner taten sich mit der Gemeinde zur Schädlingsbekämpfung zusammen. Ihr Glück: Eine Schweizer Firma wollte zu Forschungszwecken ihr auf diese Ameisenart abzielendes Gift testen, weshalb kaum Kosten anfielen.

Eine weitere Aktion zur Bekämpfung oder mindestens Eindämmung der Tapinoma magnum zu koordinieren, können sich Bürgermeister Müller und Fachbereichsleiter Unvericht gut vorstellen, zumal es ja auch um öffentliche Flächen geht. Dabei sollten wie vor acht Jahren aber möglichst alle Privatleute in dem jeweiligen Gebiet mitmachen.

Der erste Schritt aber müssen wie damals die sichere Bestimmung der Art und eine Kartierung der befallenen Zonen sein. Schon kurz nach dem Ortstermin mit der RHEINPFALZ vermeldet Bürgermeister Müller: „Der Auftrag an Martin Felke vom Institut für Schädlingskunde in Reinheim ist bereits erteilt.“ Der Fachmann hat die Gemeinde schon bei der Lasius neglectus unterstützt. Für 1900 Euro wird er vor Ort Proben entnehmen, die Ameisenart bestimmen, eine Fotodokumentation und einen Bericht erstellen sowie Bekämpfungsmaßnahmen empfehlen.

Welcher Wirkstoff hilft?

Aber gibt es überhaupt ein geeignetes Gegenmittel? Viele Experten wie Bernhard Seifert vom Senckenberg-Museum für Naturkunde in Görlitz sind skeptisch. Man könne die Tapinoma magnum vermutlich höchstens eindämmen, meint er. Im Sommer 2023 sorgte die Art in Limburgerhof für Aufregung. Mit einem Heißwasser-Schaum-Verfahren, später mit einem giftigen Gel, zog man dort gegen die Drüsenameise zu Felde. Im südpfälzischen Herxheim kam ebenfalls zuckerhaltiges Ködergel zum Einsatz. Zwei Insektizide gelten nach Ansicht der dortigen Verbandsgemeindeverwaltung als nachhaltig wirksam: Maxforce Quantum mit dem Wirkstoff Bitrex sowie Advion Ameisen Gel mit dem Wirkstoff Indoxacarb.

In Otterstadt und Landau sind die Krabbler, die der Schwarzgrauen Wegameise (Lasius niger) sehr ähnlich sehen, ebenfalls ein Thema. In den Verbandsgemeinden Lambsheim-Heßheim und Leiningerland ist man bislang verschont geblieben. Zumindest sei kein Fall bekannt, heißt es aus den beiden Verwaltungen auf Anfrage.

Kreis sieht keinen Handlungsbedarf

Betroffene Landauer Bürger waren im vergangenen Sommer enttäuscht von der Stadtverwaltung, die eine aktive Rolle bei der Bekämpfung der Tapinoma magnum abgelehnt hatte. Ihre Begründung: In natürlichen Ökosystemen seien keine negativen Auswirkungen durch den Neueinwanderer bekannt. Es handele sich vielmehr um eine „bodenständige europäische Ameisenart“, die auf der relevanten EU-Liste nicht als invasiv eingestuft sei. Nachhaltige Schäden durch die Tiere, die eine Bekämpfung rechtfertigen würden, seien bisher noch nicht aufgetreten. „Diese Ameisenart ist nicht geschützt und sollte auch aus Naturschutzgründen unbedingt bekämpft werden“, empfiehlt dagegen der Biologe Martin Felke, den die Gemeinde Bobenheim-Roxheim jetzt erneut zurate zieht.

Die Vertreter der Kommune fänden in Sachen Tapinoma magnum eine aktive Rolle des Rhein-Pfalz-Kreises gut, doch die Kreisverwaltung verneint. Sie sei nur dann zuständig, wenn es sich um Gesundheitsschädlinge handele und die Gefahr bestehe, dass durch diese Krankheitserreger verbreitet werden. Das ist bei dieser Ameisenart nach heutigem Kenntnisstand nicht der Fall. Die Große Drüsenameise werde aufgrund ihres hohen Expansionsdrucks vom Bundesamt für Naturschutz momentan noch als „potenziell invasiv“ eingestuft. „Da noch kein artenschutzrechtlicher Konflikt durch diese Art nachgewiesen wurde, ist das Auftreten dieser Ameisenart keine Angelegenheit der Naturschutzverwaltung“, so die Kreisverwaltung auf Anfrage. Die Bekämpfung einer Ameisenplage sei daher einzig und allein Sache der jeweiligen Grundstückseigentümer.

In Limburgerhof klappt es gut, dass Kommune und Privatleute an einem Strang ziehen, berichtet Sachgebietsleiter Heiko Beckmann. Er ist skeptisch, dass man dieser Ameisenart auf Dauer Herr werden kann, aber „im Moment haben wir das Problem ganz gut im Griff“. Beckmann hat in Baden-Württemberg einen Workshop zu dem Thema besucht. Das Bundesland gebe eine Studie in Auftrag, sagt er. Ein Zeichen, dass die Landespolitik die Sache ernst und in die Hand nehme. Das wäre auch für Rheinland-Pfalz gut, meint Beckmann. Er zieht den Vergleich mit der Asiatischen Hornisse, bei deren Bekämpfung die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd stark mitwirke. Aber wie gesagt: Die Große Drüsenameise steht noch nicht auf der EU-Liste der unerwünschten Spezies.

Auf dem Pflaster an der Einmündung Südring/Fuchslöcher kann man gut erkennen, dass hier Ameisen aktiv sind. Auf dem grünen Hügel
Auf dem Pflaster an der Einmündung Südring/Fuchslöcher kann man gut erkennen, dass hier Ameisen aktiv sind. Auf dem grünen Hügel links befinden sich ebenfalls viele Nester.
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