Rhein-Pfalz Kreis „Problem nur mit Kontrollen zu lösen“
Gerolsheim. Manchmal stellt sich Herbert Ehrstein in seine Einfahrt in der Gerolsheimer Stichelgasse und beobachtet, wie sein Enkel zur Schule läuft. Dann steigt sein Puls. Weil der schmale Bürgersteig zugeparkt ist, muss der Siebenjährige auf die Straße ausweichen. Dort fahren Autos von Eltern, die ihre Kinder zum Unterricht abliefern. Auf die andere Seite können die Fußgänger nicht wechseln, weil dort ein Haus bis an die Kante gebaut ist.
„Die Engstelle ist für Kinder eine Gefahr“, sagt Herbert Ehrstein. Auch mit Kinderwagen oder Rollator sei oft kein Durchkommen auf dem Trottoir. Der obere Teil der Gasse wiederum werde zum Nadelöhr für Fahrzeuge. „Kein Rettungswagen kommt durch. Auch die Müllabfuhr bleibt stehen und hupt.“ Er habe rücksichtslos parkende Autofahrer wiederholt angesprochen und auch das Ordnungsamt informiert. „Es wird kontrolliert, aber zu wenig“, sagt Ehrstein. In einem Schreiben appelliert er an die Kreisverwaltung: „Wie lange wird hier noch gewartet, bis Kinder zu Schaden kommen?“ Mit einem Parkverbot oder einer Zickzacklinie vom Anwesen 2 bis zur Kirche solle das Parken unterbunden werden, schlägt er vor. Zumindest bei der Ortsgemeinde rennt er damit offene Türen ein. „Die Situation in der Stichelgasse ist kritisch“, bestätigt Ortsbürgermeister Erich Weyer (FWG). Manche Anwohner stellten ihre Autos im Hof ab, andere auf der Straße. Und manche Anwesen verfügten über gar keine Parkmöglichkeiten auf ihrem Grundstück. „Der ganze Gemeinderat kennt das Problem. Bei jeder Ortsbegehung denken wir darüber nach, haben bisher aber keine hundertprozentige Lösung gefunden.“ Als neuralgischer Punkt sei die Parksituation in der Stichelgasse nun ins zu entwickelnde Verkehrskonzept aufgenommen worden (wir berichteten am 23. Juli). „Wir im Ort denken zwar, an den Stellen kann man doch ein paar Striche einzeichnen, aber ob das rechtskonform ist, können wir nicht entscheiden“, sagt Weyer. Eigentlich ist die Situation klar: Parken auf dem Gehweg ist verboten. Das brauche man daher nicht durch Schilder zu regeln, sagt Ordnungsamtsleiter Karl-Peter Grimm von der Verbandsgemeinde Grünstadt-Land auf Nachfrage. „Die Leute stehen im absoluten Halteverbot und hoffen, nicht erwischt zu werden“, weiß er aus Erfahrung. „Sie suchen eben den bequemsten Weg.“ Man könne zwar eine Zickzacklinie einzeichnen, doch letztlich hänge es an den Kontrollen. Zumal man nicht unnötig viel mit Verkehrszeichen regulieren dürfe – denn sonst entstehe ein verwirrender Schilderwald. Hinzu kommt, dass die Gasse keine Durchgangsstraße sei, teils Einbahnstraße und wenig befahren. Von Eltern seien dem Ordnungsamt noch keine Probleme gemeldet worden, meint Grimm. Trotzdem kennt er die Beschwerden der Anwohner und nehme sie ernst. „Wir reagieren darauf und schicken den Vollzugsdienst hin, der über sechs Wochen verstärkt kontrolliert.“ Allerdings müssen die Beamten mit anderthalb Stellen ein 104 Quadratkilometer großes Gebiet mit über 20 Dörfern und Ortsteilen abdecken. Jenseits von Schwerpunktkontrollen kommt der Vollzugsdienst laut Grimm mindestens alle 14 Tage in Gerolsheim vorbei. Die Wünsche der Gerolsheimer für ein Verkehrskonzept sind formuliert – inklusive des „Brennpunkts Stichelgasse“, sagt Bürgermeister Weyer. „Die Punkte muss das Ordnungsamt abarbeiten und kann hoffentlich nach den Ferien eine Aussage dazu machen. Wenn alle ordentlich parken würden, müssten wir uns über so etwas keinen Kopf machen.“ |jel