RÖMERBERG RHEINPFALZ Plus Artikel Private Initiative sorgt für Lichterglanz in Mechtersheim

Mechtersheimer Straße: Bis zum 6. Januar bleiben die Lichterketten noch hängen.
Mechtersheimer Straße: Bis zum 6. Januar bleiben die Lichterketten noch hängen.

Vieles ist anders am Weihnachtsfest 2020. Dass die Mechtersheimer Straße in Römerberg im Lichterglanz erscheint – und das am heutigen Heiligabend sogar die ganze Nacht –, das hat Corona glücklicherweise nicht verhindern können. Zu verdanken ist die stimmungsvolle Beleuchtung einer privaten Initiative, die mittlerweile auch von offizieller Seite unterstützt wird.

In Städten sind festlich beleuchtete Zentren und Haupstraßen zur Weihnachtszeit eine Selbstverständlichkeit. Anders auf dem Dorf. „Wir hatten in Mechtersheim nie eine Weihnachtsbeleuchtung“, berichtet Erich Miller, der bis vor elf Jahren in der Mechtersheimer Straße als Vertreter einer Versicherung arbeitete. Irgendwann rund um die Jahrtausendwende, genau weiß es Miller nicht mehr, hat er die Initiative ergriffen, das zu ändern: „Ich habe die Anwohner gefragt, ob sie den Strom zur Verfügung stellen, habe ausgerechnet, was es kostet, und die Beleuchtung angeschafft“, erzählt er.

Miller hat schon seit mehr als zehn Jahren kein Büro mehr in der Mechtersheimer Straße, die private Initiative gibt es aber immer noch, auch wenn die Lichterketten, mit denen die Bäume am Straßenrand geschmückt werden, schon mehrmals ausgetauscht wurden. Heute gehört die festliche Beleuchtung Rudolf Schmitz, der das Versicherungsbüro 2009 und auch die Federführung für die Adventsbeleuchtung von Miller übernommen hat.

Fast alle machen mit

„Es war damals keine Frage für mich zu sagen: Das mache ich“, erinnert sich Schmitz. Obwohl gebürtiger Rheinländer – er stammt aus dem seit Corona deutschlandweit bekannten Kreis Heinsberg – und in Berghausen wohnend, wollte sich Schmitz ins Mechtersheimer Dorfleben einbringen. Seitdem hängt er jedes Jahr in der Woche vor dem ersten Advent mit einem harten Kern aus rund fünf Mitstreitern Lichterketten in die Bäume an der Mechtersheimer Straße. Fast jeder Bewohner eines Hauses, vor dem ein Baum steht, hat sein Okay gegeben, ein Stromkabel in den ersten Stock zu legen und den Strom für „seine“ Lichterkette zu bezahlen. 18 Bäume sind so in der Zeit vorm ersten Advent bis zum Dreikönigstag in den Morgen- und Abendstunden beleuchtet. Von 5 bis 8 und von 17 bis 24 Uhr sind die Lichter an sieben Tagen die Woche eingeschaltet. An Heiligabend, an Silvester und am Dreikönigstag leuchten sie sogar die ganze Nacht.

Die ursprünglichen Lichterketten sind mittlerweile durch stromsparendere und haltbarere LED-Ketten ersetzt. Ansonsten wollen die Mechtersheimer nichts an der schlichten, aber geschmackvollen Art der Beleuchtung ändern. „Es ist schön, so wie es ist“, findet Schmitz. Da er die Beleuchtung zum Großteil selbst finanziere, müsse er außerdem schauen, dass die Ausgaben nicht überhand nähmen, sagt der 54-Jährige.

Ortsgemeinde unterstützt

Mittlerweile erhält die private Initiative indes auch Unterstützung von der Ortsgemeinde. So ersetzt sie defekte Lichterketten. Und sie hat kürzlich eine Funksteuerung für die Zeitschaltuhren angeschafft. Diese soll dafür sorgen, dass die Beleuchtung an den Bäumen gleichzeitig angeht und nicht wie bisher zeitversetzt über einen Zeitraum von 20 Minuten. Außerdem wolle die Gemeinde versuchen, eine dauerhafte Lösung für die Beleuchtung der Bäume zu finden, sodass die Leuchten nicht jedes Jahr aufwendig auf- und wieder abgehängt werden müssen.

Hintergrund ist auch, dass der Privatinitiative möglicherweise irgendwann die Helfer ausgehen. Überaltert sei die Gruppe zwar noch nicht – dieses Jahr habe sich auch ein jüngerer Mann neu der Initiative angeschlossen – doch irgendwann könne die Situation eintreten, sagt Schmitz. „Aus der Bevölkerung gibt es jedes Jahr positive Reaktionen“, berichtet er. „Und es gibt auch die Erwartungshaltung, dass wir es fortsetzen.“ Vielen sei auch gar nicht klar, dass die Mechtersheimer Weihnachtsbeleuchtung ein privates Projekt sei.

Damit der Lichterglanz in der Mechtersheimer Straße richtig zur Geltung kommt, würde sich Rudolf Schmitz wieder einmal eine weiße Weihnachtszeit wünschen. „Wir warten immer noch auf richtig Schnee, der auch liegen bleibt und nicht gleich wieder wegschmilzt“, sagt er. Aber auch ohne Schnee kann sich Schmitz am Mechtersheimer Lichterzauber nicht sattsehen: „Ich freue mich jeden Tag aufs Neue, wenn ich hier her komme und alles leuchtet“, sagt er.

Ist federführend bei der Aktion: Rudolf Schmitz.
Ist federführend bei der Aktion: Rudolf Schmitz.
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