Kleinniedesheim
Premiere mit Wermutstropfen: Das erste Kinder-Zeltlager der Verbandsgemeinde
Heiko Weitkamp empfängt die RHEINPFALZ am vierten Tag der Ferienfreizeitwoche, die er im Auftrag der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim organisiert hat und verantwortlich betreut. Man kennt den 37-Jährigen als stellvertretenden Leiter der VG-Feuerwehr. In Beindersheim betätigt er sich als Kerweborsch und steht der Jugendfeuerwehr vor, und beim Bobenheim-Roxheimer Gondelfest hat er gerade mit seinem Team das Fischerstechen gewonnen.
Jetzt geht der aus Niedersachsen stammende Informationselektroniker, Veranstaltungstechniker und Brandschutzbeauftragte seiner Passion als ehrenamtlicher Freizeitpädagoge nach. Als Kind hat er in seiner Heimat regelmäßig das große Jugendzeltlager Asse besucht und dort als Jugendlicher Verantwortung übernommen. Nach seinem Umzug 2005 in die Pfalz engagierte er sich beim Zeltlager in Nieder-Wiesen (Kreis Alzey-Worms), und als für ihn die schöne Zeit dort endete, so erzählt Weitkamp, sei er auf die Frage von VG-Bürgermeister Michael Reith (SPD) zurückgekommen: Möchtest du so etwas nicht auch mal hier bei uns machen?
Die für den vergangenen Sommer geplante Premiere scheiterte, weil es nur eine Anmeldung gab, und auch diesmal hört man die Enttäuschung in Weitkamps Stimme: „Statt 40 Kindern, die hätten teilnehmen können, sind es jetzt nur 15. Bei elf Betreuern.“ Die Anmeldung für das siebentägige Angebot lag seit Februar in den Händen der Verbandsgemeinde, die nach eigener Aussage auf ihren Print- und Online-Kanälen sowie in den Jugendtreffs dafür geworben hat. „Zudem haben wir zukünftig vor, auch Plakate an unseren vier Grundschulen aufzuhängen“, sagt Bürgermeister Michael Reith (SPD).
Er beantwortet die kritische Anfrage der Presse, weil es Ewald Merkel (FWG) nicht tun will, obwohl er im entsprechenden Zeitraum der zuständige Dezernent war. „Da ich seit 3. Juli nicht mehr Beigeordneter in der VG bin, möchte ich mir nicht anmaßen, im Namen der VG Stellungnahmen abzugeben“, antwortet Merkel auf die Frage, wie er sich erklärt, dass 25 Plätze leer geblieben sind, während sich andernorts die Eltern von Schulkindern um Ferienbetreuungsangebote reißen.
Ausflug nach Wachenheim
Doch zurück zum TV-Gelände, wo von ungezählten Spielmöglichkeiten über Kino und Schnitzeljagd bis zur Nachtwanderung viel geboten wird und wo es an diesem Mittwochmorgen noch geruhsam zugeht. Einige der Zehn- bis 13-Jährigen spielen Volleyball, andere üben einen Hindernislauf, und an Bierzeltgarnituren wird gebastelt. Inspiriert von der Fußball-Europameisterschaft entwerfen drei Jungs ihr individuelles Zeltlagertrikot. Ihnen gefällt es bisher sehr gut. „Besonders die Wasserschlachten“, meint ein Junge. „Und dass wir gestern im Kurpfalzpark Wachenheim waren.“
Der Ausflug sollte einem möglichen „Lagerkoller“ vorbeugen, dafür hätten die von ihm ausgesuchten und geschulten Betreuer einen Teil ihrer Aufwandsentschädigung spendiert, wenn Michael Reith nicht gesagt hätte: Kommt gar nicht infrage! Die unerwartete Lösung lautet einen Tag nach dem Ausflug: Die Lambsheimer Firma Transimpex spendet 400 Euro für die Jugendarbeit, davon werden die Park-Eintrittskosten bezahlt. Unterstützung in Form von Ausrüstung hat Heiko Weitkamp unter anderem von Freer Elektronik in Bobenheim-Roxheim und dem Beindersheimer Feuerwehr-Förderverein bekommen, und der Verbandsbürgermeister habe das Camp mehrfach außerhalb seiner Dienstzeiten besucht und hier und da mitgeholfen.
Der Beindersheimer hofft, dass sich das Kinderzeltlager der VG doch noch etabliert und sich Teilnehmer, wenn sie älter geworden sind, als Betreuer zur Verfügung stellen. Denn so müsse das in der Jugendarbeit eigentlich laufen, meint Weitkamp und denkt wehmütig an seinen eigenen Zeltlager-Werdegang unter der Asse im Landkreis Wolfenbüttel zurück.
