Lambsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Premiere für Hofflohmarkt gelungen

Wie hier in der Mühltorstraße haben Lambsheimer am Sonntag im ganzen Dorf Verkaufsstände betrieben.
Wie hier in der Mühltorstraße haben Lambsheimer am Sonntag im ganzen Dorf Verkaufsstände betrieben.

Der erste Lambsheimer Hofflohmarkt hat sich doppelt gelohnt: Neben Schätzen aus Keller und Speicher für wenig Geld bekamen die Besucher am Sonntag auch Zugang zu so manchem Hof, der Einblick in die Ortsgeschichte gab oder das handwerkliche Geschick der Bewohner zeigte.

„Zweiter Versuch“ stand auf den Plakaten, die für die Premiere unter Corona-Bedingungen warben. Dass der für März geplante Dorfflohmarkt doch noch nachgeholt wurde, habe sich gelohnt, meint Melanie Günther, die als örtliche Kultur- und Heimatbeauftragte das Spektakel organisierte. „Damals gab es 100 Anmeldungen. Jetzt haben 122 Haushalte mitgemacht.“ Die „Dunkelziffer“ liege aber deutlich höher, da sich etliche Nachbarn an einem Stand zusammengeschlossen hätten.

Neben Kundschaft aus den Nachbardörfern hatte der Flohmarkt unter freiem Himmel laut Günther auch Neugierige aus Heidelberg, Kusel, Germersheim und Landau angelockt. Gegen 16 Uhr war sie nach der fünfstündigen Veranstaltung sichtlich erleichtert, „dass es nicht zu großen Menschenansammlungen gekommen ist und sich alle weitgehend an die Vorschriften gehalten haben“. Der Flohmarkt soll nun fester Programmpunkt im Veranstaltungskalender Lambsheims werden, wünscht sich Günther.

Fast alle tragen eine Maske

Selbst zum hintersten Zipfel der Bollwerkstraße pilgerten die Besucher – mit dem Auto, Fahrrad und auf Schusters Rappen. Dort stand das Zinngeschirr von Hildegard Winterhaak hoch im Kurs. „Das gab es vor einem halben Jahrhundert in vielen Wohnungen. Jetzt ist Zinn wieder gefragt“, erzählte die 66-Jährige, die die verzierten Gefäße ihrer Mutter Hedi aus der Scheune geholt hatte. Ihren Mundschutz hielt die Seniorin griffbereit. „Ich setze ihn auf, wenn es die Leute wünschen.“

Christina Rößling, die in der Hinterstraße Spielzeug anbot, lobte, dass fast alle Kunden eine Maske dabei hatten. „Und es ist praktisch, dass wir Anbieter keine weiten Wege auf uns nehmen müssen, wie es bei Flohmärkten außerhalb der Fall ist.“ Ein paar Häuser weiter bei Oliver Hoffmann wurde die Kundschaft auf einem Schild aufgefordert, den Hof nur maskiert zu betreten. Ein anderes Schild hatte dort historischen Charakter – es wies den Weg zum damaligen Luftschutzraum.

Hoffmanns Garten und Scheunengebäude war einer der Besuchermagneten: Sammeltassen, Bleikristall und Groschenromane aus den 1950ern luden zum Betrachten und Feilschen ein. Auch Ortsbürgermeister Herbert Knoll (CDU) ließ sich blicken. Er suchte nach historischen Dokumenten für das Ortsarchiv und schaute nebenbei nach dem Rechten. „Die Regeln werden eingehalten“, stellte er zufrieden fest.

Ein Hof in der Hinterstraße ist besonders gefragt

Einen Augenschmaus der besonderen Art bot in der Hinterstraße der Hof von Achim Steinhauer. Das Tor zur Scheune stamme aus der Basilika St. Martin in Bingen, es sei dort wegen Holzwürmern ausgemustert worden, berichtete der handwerklich begabte Kommunikationsdesigner. Den Brunnen habe er aus einer Parkanlage in England importiert, und die Säulen kämen von einem alten Schweizer Bahnhof.

Für die Wohngebäude habe er in fünfjähriger Bauzeit drei alte Häuser in der Region gekauft und die Sandsteine verbaut. Er sei schon oft gefragt worden, ob er den Hof für Schaulustige öffne. „Heute zeige ich ihn, aber das ist eine Ausnahme.“ Die Gelegenheit wollte sich eine Touristin nicht entgehen lassen. Ihr begeisterter Kommentar: „Sehr romantisch, wie in Italien!“

In der Hauptstraße 57 war der Publikumsverkehr wie in öffentlichen Gebäuden geregelt. Neuankömmlinge betraten das Gelände auf der rechten Seite des rot-weißen Flatterbands. Und wer den Hof verließ, nahm den linken Weg. „Das klappt prima“, sagte Petra Schroth, die gemeinsam mit ihrer Freundin Andrea Dullinger Kindersachen und Kunsthandwerk verkaufte.

In vielen Höfen gibt’s auch Kaffee

Schroth lobte, dass bei diesem Flohmarkt keine Standgebühr fällig war und dass die Resonanz so gut sei. „Im Vorfeld waren wir skeptisch, ob genügend Leute kommen würden.“ Auch das Wetter habe mitgespielt: weder Regen noch zu viel Sonne, bei der die Besucher wohl lieber zum Nachtweideweiher gepilgert wären.

In vielen Höfen wurde man mit Kaffee und Selbstgebackenem begrüßt. Etwa in der Mühltorstraße 33, deren Besitzer außerdem bereitwillig mit Anekdoten zu ihrer denkmalgeschützten Villa aufwarteten: 1902 wurde der repräsentative Bau auf einem Gelände von 4500 Quadratmetern von einem Kaufmann erbaut, der sein Geld mit Waren aus Afrika machte und seinen Vorgarten zur Gaudi der Dorfjugend gern mit ausgestopften exotischen Wildtieren dekorierte. Direkt unter der Villa fließt der Fuchsbach entlang. Und im Garten steht eine mächtige, mehr als 300 Jahre alte Eiche, an der die besten Absolventen der Volksschule anno dazumal ihre Zeugnisse erhielten.

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