HARTHAUSEN
Polterholzversteigerung in Harthausen: Erst der Hammer, dann die Säge
ank fünf, sechs Bietern soll es für die Verkäufer-Gemeinde und das Forstamt Pfälzer Rheinauen ein einträglicher Vormittag werden. Bevor es losgeht, wirbt Förster Jürgen Render für den „jahrtausendelangen Energieträger Nummer eins“. Holz sei klimaneutral, binde CO 2 und sei ein regionaler Rohstoff. Der Wald biete Erholung sowie Flora und Fauna eine Heimat. Es würden nicht mehr Bäume eingeschlagen als nachwachsen. Das Beispiel von Gleixner für Harthausen: 133 Ster sind für die Versteigerung gefällt worden. Auf der anderen Seite gab es 2019 eine Aufforstung mit 2.800 Stieleichen, 500 Esskastanien und 200 Feldahornen auf einer Fläche von rund 0,75 Hektar. 15.000 Euro kostete das die Ortsgemeinde. Wobei laut Gleixner der spätere Erlös unter den Arbeitskosten liegt. Der Beigeordnete: „Der Wald ist Naturerholungsgebiet, unsere grüne Lunge und wertvolles Kulturgut, das wir pflegen und für nachfolgende Generationen erhalten wollen.“
Angeboten wird Polterholz: sechs bis acht Meter lang, überwiegend Buche, Roteiche, Eiche und Robinie. Gelagert ist es im Weiherwald, westlich des Hundeplatzes, wo es von den Interessenten vor der Versteigerung begutachtet werden konnte. Angefügt hatte die Gemeinde die Bitte: „Gehen Sie nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad in den Wald.“ Gedacht war die Aufforderung auch als Prävention gegen Holzdiebe mit Autoanhängern. Wer zusätzlich oder ausschließlich Nadelholz möchte, könne jederzeit beim Forst nachfragen, ergänzt Render die Laubholzpalette.
Mit 35 Euro je Ster geht’s los
Zu seinem Erstverkauf spendiert er „als Anreiz“ einen Hackklotz aus Robinie. Render: „Der hält das ganze Leben.“ Der Aufwurfpreis liegt bei 35 Euro je Ster, es gilt „gekauft wie gesehen“. Geboten wird per Handzeichen. „An die Mütze oder den Hut greifen und sich kratzen gilt ebenfalls als Gebot“, scherzt Render. Der Preis steigt in Fünf-Euro-Schritten. Die Zuschlagsbestätigung ist mit einem „Jou oder ähnlichem Laut“ verbunden. Los geht es moderat: 4,5 Ster Buche und Hainbuche mit einem Aufwurfpreis von 155 Euro werden für 215 Euro ersteigert. 4,6 Ster Eiche liegen am Ende 25 Euro über dem Aufwurfpreis, bei 5,1 Ster Roteiche sind es 45 Euro.
Render anschließend: Die Polter können nur bei Nachweis des Motorsägen-Scheins und Trageverpflichtung der kompletten Schutzausrüstung erworben werden. Sein Appell: „Im Wald niemals alleine arbeiten.“ Aufgearbeitet werden könne das Holz bis Ende April, nach der Sommerpause erst wieder ab Oktober.
Rolf Kolf, Harthäuser, macht seit 30 Jahren Holz. Er steigert immer mit und deckt so den Winterbedarf von ungefähr sechs Ster. Ein Hobby und für ihn die Alternative zur Gasheizung. Zudem sei Bewegung an der frischen Luft gesund. Als dritten Grund nennt er: „Über die letzten Jahre ist der Holzpreis relativ stabil geblieben.“
Renders „Zuschlaghammer“ klingt zunehmend heller und wohltönender: 7,8 Ster Roteiche – Aufwurfpreis 270 Euro – werden für 350 Euro ersteigert, 8,8 Ster Buche und Roteiche (305 Euro) für 385 Euro. Rotbuche geht für 55 Euro über dem Erstgebot weg. 95 Euro liegen zwischen Erstgebot und Verkaufspreis für Rot- und Hainbuche. Für 4,8 Ster Robinie wird ein Aufschlag von 30 Euro gezahlt. „Das ist gutes Bauholz und hält ewig“, sagt Render.
Der Kultur- und Heimatverein schenkte derweil Glühwein aus und verkauft Servela. Andreas Hein informiert über Motorsägekurse. Gleixner lobt die Gewinnmöglichkeiten der Tombola. Den Erlös vom Vorjahr – 650 Euro – gab die Gemeinde je zur Hälfte an Kindertagesstätte und Grundschule weiter.