Rhein-Pfalz Kreis Polka im feinen Sonntagsstaat

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Mutterstadt. Nunmehr zum 60. Mal hat die Donaudeutsche Landsmannschaft in Rheinland-Pfalz am Wochenende ihr jährliches Landestrachtenfest gefeiert. Das Jubiläum lockte rund 300 Besucher ins Mutterstadter Palatinum.

Früher sei das Trachtenfest einer der Höhepunkte des gesellschaftlichen Lebens gewesen, erklärt Paul Nägl, Vorsitzender des Landesverbands. Im Süden Ungarns sei das auch heute noch der Fall. „Für uns hier ist es mittlerweile nur noch eine schöne Erinnerung“, sagt er. Für die älteren Gäste mitunter eine Erinnerung an ihre Kindheit in der ursprünglichen Heimat der Donauschwaben, wie die deutschstämmige Bevölkerung in dem Siedlungsgebiet auch genannt wurde, das sich auf die heutigen Staaten Ungarn, Rumänien und Serbien verteilt. Ihre Traditionen möchten die Donaudeutschen bewahren, pflegen und an die nächsten Generationen weitergeben. Eine gute Gelegenheit hierzu ist das Landestrachtenfest. Der Name deutet schon an, dass die althergebrachte Kleidung ein wichtiger Teil der Brauchtumspflege ist – vielleicht nicht immer bequem zu tragen, aber auf jeden Fall schön anzusehen. Eine Abordnung der Haßlocher Trachtengruppe etwa verzaubert mit farbenfrohen Trachten aus Ungarn. Die Frauen tragen rote Kopftücher. Die weißen Blusen sind mit schwarz-goldenen, blauen und roten Stickereien verziert. Blau-rote, lange Röcke voller bunter Dekoration runden das Bild ab. In der Hand tragen sie Gewürzsträuße. Andere wiederum gefallen mit Kleidern in rosa, gelben und blauen Pastelltönen. Die Männer tragen schwarze Westen auf weißen Hemden und mit Blumen und Perlen sowie teilweise blauen, weißen und rosafarbenen Bändern geschmückte Hüte. „Die meisten sind heute Abend in Kerwetrachten gekommen, einige aber auch in Alltagstrachten“, erklärt ein fachkundiger Teilnehmer. Die Kerwe sei einst ein wichtiger Festtag in den Dörfern gewesen, für den die Menschen nur ihre beste Kleidung anzogen. Doch nicht nur die älteren Semester geben darin eine gute Figur ab, sondern auch die Kinder- und Jugendgruppen vom Stadtverband Frankenthal sowie die jungen Erwachsenen vom Stadtverband Speyer. Mit ihren Tanzdarbietungen machen sie zugleich deutlich, dass zum donaudeutschen Brauchtum auch die vielen Volkstänze zählen. Beliebt sind Polka-Tänze, darunter die Zeppl-Polka. Die Vielfalt beeindruckt: Schönwalzer, Kolo, Sprötzer Achterrüm und mehr. Gemeinsam gesungen wird auch, die Kapelle Pfalzklang ermuntert zu Liedern wie „Wenn der Wein blüht, ist es schön an der Donau“. Eine besondere Ehre wird Josef Jerger aus Ludwigshafen zuteil: Der 76-Jährige erhält für sein jahrzehntelanges Wirken im Landes-, Bundes- und Weltdachverband der Donaudeutschen die goldene Ehrennadel des Weltdachverbands. Zu seinen unzähligen Auszeichnungen zählen auch das Bundesverdienstkreuz am Bande sowie die Johann-Eimann-Medaille, die höchste Auszeichnung der Landsmannschaft. (mamü)

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