Lambsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Politiker unzufrieden mit Bauprojekt an der Mühle

Uralt neben nagelneu: Die Lambsheimer Mühle wird zum Quartier mit 28 Wohnungen.
Uralt neben nagelneu: Die Lambsheimer Mühle wird zum Quartier mit 28 Wohnungen.

Die Lambsheimer Politiker und sicher auch etliche Bürger tun sich schwer mit der Großbaustelle an der Ecke Mühltor- und Fußgönheimer Straße. Der Grund: Dort baut die ortsansässige Firma Kempf ein neues Wohngebäude nach dem anderen, aber an der historisch und städtebaulich bedeutsamen Lambsheimer Mühle tue sich nichts, so der Vorwurf. Volker Kempf hält dagegen.

Alle, die sich in der jüngsten Videositzung des Lambsheimer Bauausschusses zu dem Thema zu Wort meldeten, kritisierten den Fortgang des Sanierungs- und Investitionsprojekts, das Wohnbau Kempf 2018 auf dem ehemaligen Dorfmühlengelände an der Isenach begonnen hat. Fast bezugsfertig sind das 13-Parteien-Haus und das der früheren Remise nachempfundene Gebäude mit vier Wohneinheiten und Mansardendächern.

Das erklärte Ziel des Geschäftsführenden Gesellschafters Volker Kempf ist es, „eine der schönsten Anlagen zu schaffen, die Kempf je gebaut hat“. Doch was schön ist, darüber wird gestritten anlässlich des Bauantrags für weitere vier Wohnungen in einem turmartigen Bauwerk. Es soll an der Stelle entstehen, wo bis vor Kurzem ein Stahlsilo stand – an einer Stelle, die an der belebten Kreuzung keinen vierstöckigen Bau samt Spitzboden vertrage, meinen etliche Gemeindevertreter.

Von Salamitaktik ist die Rede

Von der „Zerstörung des Gesamteindrucks eines schützenswerten Denkmals“ und von „Salamitaktik“ sprach beispielsweise Klaus-Peter Spohn-Logé (Grüne) im Bauausschuss. Kempf schaffe Fakten durch den Bau von Nebengebäuden, ohne der Öffentlichkeit vorzustellen, was im eigentlichen Mühlengebäude passieren soll, sagte Ralf Lenke (SPD). Damit knüpfte er an eine Befürchtung der Sozialdemokraten aus dem Jahr 2018 an, nämlich dass die Firma Kempf nur die Neubauten vermarkten und sich nicht um die alte Bausubstanz kümmern wolle.

Gunter Steuer (FDP) kritisierte das aktuelle Teilbauvorhaben ebenfalls aus ästhetischen Gründen, Marlene Sawade (FWG) bezweifelte die Angaben der Firma zur Anzahl der Wohneinheiten und Barbara Eisenbarth-Wahl (CDU) wünschte sich, dass Volker Kempf zwecks Aussprache zur nächsten Bauausschusssitzung kommt. Am Ende stand die Verweigerung des gemeindlichen Einvernehmens zum Bauantrag, auch wenn dieser mit großer Wahrscheinlichkeit von der Kreisverwaltung genehmigt werden wird. Denn die Bauvoranfrage wurde schon positiv beschieden.

Kempf versteht die Aufregung nicht

Volker Kempf kann die Aufregung nicht verstehen. Er habe der Gemeinde doch eine zweiseitige Stellungnahme als Information zum Stand der Dinge geschickt, sagt er auf RHEINPFALZ-Anfrage. Die war im Ausschuss aber alles andere als gut angekommen. Doch Kempf bleibt dabei: Hinsichtlich dessen, was bei der Umwandlung des Mühlengebäudes erlaubt ist, bedürfe es der Abstimmung mit der Denkmalpflege, aber die lasse sich wegen der Pandemie nicht auf Ortstermine ein. Auch andere Genehmigungen und Arbeiten hätten sich wegen Corona verzögert und die Fertigstellung der Neubauten beeinträchtigt.

Trotzdem und in Abstimmung mit der Kreisverwaltung werde man jetzt die denkmalgeschützte Scheune entkernen, damit darin das Blockheizkraftwerk für das gesamte Ensemble untergebracht werden könne. In der Scheune sollen später drei loftartige Wohnungen entstehen und im ehemaligen Wohnhaus vier kleine Einheiten. Damit wären es insgesamt 28 Wohnungen auf dem Gelände. „Und für jede wird es die geforderte Anzahl von Autostellplätzen geben“, versichert Volker Kempf.

Er glaubt, dass der Widerstand in der Lokalpolitik jetzt nur deshalb so groß ist, „weil die Leute nach dem Abriss des Silos freie Sicht auf die Mühle haben und nicht wollen, dass da wieder etwas hingebaut wird“. Das wollte Kempf anfangs auch gar nicht, doch das Denkmalamt habe seinen Vorschlag, das Mühlengebäude zu verlängern, nicht akzeptiert. Erlaubt sei dagegen, das nicht geschützte Silo durch ein Gebäude in gleicher Kubatur zu ersetzen. Und irgendwo müsse er ja noch drei bis vier Wohnungen unterbringen, damit sich das Projekt rentiere. Kempf nennt als Investitionssumme 14 Millionen Euro.

Bauantrag zurückgestellt

Der Firmenchef hat seinen Bauantrag nach eigenen Angaben erst einmal zurückgezogen und will, dass die Politiker sagen, was genau sie an dem Wohnturm stört. „Wir sind zu vielem bereit“, sagt Kempf, zur Not auch dazu, auf 100 Quadratmeter verkäuflichen Wohnraum zu verzichten. „Sobald man sich wieder treffen darf, würde ich das Projekt gern allen erklären.“ Ohne Corona hätte jeder die Möglichkeit, ins Büro zu kommen und sich näher zu informieren, sagt er. „Ich bin seit 65 Jahren Lambsheimer, und das ist mein Projekt für Lambsheim.“

Dazu zähle die Einrichtung einer 360 Quadratmeter großen Tagespflege, die sich manch andere Gemeinde wünschen würde. Im Herbst soll mit dem Bau begonnen werden. Auch die Idee eines Mühlenmuseums mit Café werde noch verfolgt. Aber auch das hänge vom Votum der Denkmalpflege ab, so Kempf.

Gemeindevertreter haben Angst, dass dieser Teil des Anwesens verfällt.
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