Altrip / Waldsee / Neuhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Polder: Volker Mansky über das weitere Vorgehen in Altrip

1999 stand der Rhein so hoch, dass er die Straße zur Fähre überflutete. Ein Polder soll gegen Hochwasser helfen. Doch in Altrip
1999 stand der Rhein so hoch, dass er die Straße zur Fähre überflutete. Ein Polder soll gegen Hochwasser helfen. Doch in Altrip sind die Zweifel nach wie vor groß.

Der Erörterungstermin für einen möglichen Rheinpolder bei Altrip ist geschafft. Jetzt könnte man vermuten, dass Wunden lecken angesagt ist. Doch so schlimm war es an den beiden Tagen gar nicht. Sagt jedenfalls der Altriper Ortsbürgermeister. Aber er macht auch klare Ansagen.

Zwei Tage lang ist im Altriper Regino-Zentrum rund um den möglichen Polder bei Altrip erörtert worden. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd mit Sitz in Neustadt will stellvertretend für das Land Rheinland-Pfalz bei Altrip gerne einen Polder bauen. Das Ziel ist der Schutz vor Hochwasser. Doch seit die Pläne vor über zwei Jahrzehnten bekannt wurden, gibt es vor allem in der Rheingemeinde große Bedenken gegen das Projekt.

„Drei Bürgermeister hat das schon beschäftigt“, sagt Volker Mansky (parteilos). Er ist die Nummer drei in dieser Liste. Angefangen habe es unter dem mittlerweile verstorbenen Willi Kotter. Dann durfte sich Jürgen Jacob mit dem Thema befassen. Er brachte den Rechtsstreit um den Polder sogar bis vor europäische Richter.

Und jetzt ist also Volker Mansky an der Reihe. Hilfe von seinem Vorgänger habe er in dieser Causa nicht eingeholt. Es sei sein Bestreben, sich in alle Themen so gut wie möglich selbst einzuarbeiten, sagt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ nach der Beendigung des Erörterungstermins. Das gelte auch für den Polder, der nun auch ihn beschäftigt. Aktenstudium war angesagt. Und Austausch mit den juristischen Vertretern der Gemeinde.

Den Erörterungstermin, bei dem alle am Polder beteiligten Parteien ihre Argumente und Standpunkte vortragen konnten, sei eine sehr gute Veranstaltung, der Umgang fair und die Sitzungsleitung stark gewesen. Eine Überraschung sei für ihn nicht dabei gewesen. „Wir waren immer im engen Kontakt mit unseren Anwälten. Wir wussten, was auf uns zukommt.“

Ein wichtiger Punkt bleibe die Kreisstraße 13. Diese führt direkt an dem für den Polder ins Auge gefassten Gebiet vorbei und wäre für die Altriper ein sehr wichtiger Fluchtweg, sollte es wirklich einmal zu einer schlimmen Hochwasserkatastrophe kommen. Aus seiner Sicht sei nach wie vor nicht sichergestellt, ob die K13 im Ernstfall trocken bleibe. „Das Problem hätte man in den vergangenen Jahren schon heilen, die Straße höher legen können“, ist er überzeugt. Man müsse diesen Verkehrsweg so umbauen, „dass die Altriper ein gewisses Maß an Sicherheit haben“. Ähnlich verhalte es sich bei der K12/K7 in Richtung Adriastraße. „Die Verlegung auf die Deichkrone hätte schon längst passiert sein können“, hadert Mansky. In Sachen K13 hat die SGD Süd angeboten, vorhandene Tiefstellen zu überprüfen und diese bei Bedarf zu erhöhen.

Der Ortschef ist sich dessen bewusst, dass Schutz vor Hochwasser wichtig ist. Aber eine gewisse Skepsis beim Polderprojekt bleibt. „Klar, Altrip profitiert, wenn alles funktioniert. Und wenn nicht?“ Ja, bei manchen Menschen im Ort kursierten Ängste. Mansky macht sich dafür stark, diese Ängste ernst zu nehmen. Bei manchen gehe es gar um die Existenz, sagt er und verweist auf durch Druckwasser überflutete Felder. „Da kann man bei Hochwasser täglich zuschauen, wie das Wasser steigt.“

25 Jahre lang sei er in Diensten der Feuerwehr gewesen. „Ich weiß also, was unser Damm kann.“ Aber man müsse die Bürger verstehen. Das Bewusstsein, dass Hochwasserschutz nicht nur für Altrip wichtig sei, sei im Dorf vorhanden. Der Rheinhauptdeich hätte aus seiner Sicht schon längst erhöht werden können. „Wenn man mit dem einen Projekt, dem Polder, nicht weiterkommt, muss man eben das andere machen und nicht immer nur warten“, sagt Mansky. Aber selbstverständlich sei das auch eine finanzielle Frage.

Doch wie geht es jetzt für die Gemeinde weiter? „Die SGD wird jetzt erstmal nacharbeiten. Das werden wir auch tun und gleichzeitig mit unseren Anwälten weiter in Kontakt bleiben“, erläutert Volker Mansky. Und dann werde man sich überlegen, wie man weiter vorgehe. Außerdem verweist er auf den Beschluss des Gemeinderats aus dem Jahr 2018: „Sinngemäß bedeutet er, dass wir nichts unternehmen, bis die Erörterung rum ist. Jetzt ist die Erörterung rum.“ Aber er alleine entscheide das ja sowieso nicht, sagt Mansky lachend und verweist auf den Gemeinderat. Zunächst gebe es ja noch nicht mal einen Planfeststellungsbeschluss. Der sei in dieser Phase auch noch rechtlich angreifbar.

Doch um welchen Zeitraum geht es überhaupt? Volker Mansky geht von einer Bauphase aus, die über mehrere Jahre andauert. Er versichert außerdem, dass sich die Gemeinde auch weiterhin für das Recht der Bürger einsetzen werde. „Und wenn der Gemeinderat sieht, dass gegen geltendes Recht verstoßen wird, bin ich überzeugt davon, dass er entsprechend handeln wird.“

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